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Nicht nur eine Spinnerei

Thema: Tunnel-Pläne in der Irischen See - Es gibt politische und wirtschaftliche Gründe für eine engere Anbindung von Nordirland an Schottland und Nordengland. Gleichwohl ist Skepsis angesagt.

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Ein Tunnel zwischen Nordirland und Großbritannien, vielleicht mit einem unterirdischen Kreisverkehr unter der Isle of Man – eine Spinnerei? So einfach ist das nicht. Es gibt handfeste politische und wirtschaftliche Gründe für eine engere Anbindung von Nordirland an Schottland und Nordengland. All diese Gegenden liegen wirtschaftlich Lichtjahre hinter dem starken Südwesten Englands mit der Metropole London zurück.

Schnellere Verbindungen würden es für Firmen attraktiver machen, sich in abgehängten Gegenden anzusiedeln. Dazu kommt der Bau: Ein solches Milliardenprojekt ist ein gigantischer Transfer von Steuergeldern aus der Londoner City in den Norden des Königreichs, wo viele Baufirmen von Aufträgen profitieren dürften.

All das könnte der Regierung dabei helfen, Fliehkräfte abzuschwächen, die durch den Brexit am Königreich zerren. Durch die Zollgrenze zwischen Großbritannien und Nordirland droht dieses, sich stärker an die irische Republik zu binden – und von London wegzudriften. Ebenso spüren schottische Nationalisten Aufwind. Und auch Nordengland ist seit 40 Jahren ein Sorgenkind. Doch alle Versuche der Politik, neben London ein zweites Wirtschaftszentrum im Norden zu schaffen, sind gescheitert.

Gleichwohl ist Skepsis angesagt: Seit Jahren zerreißt sich das Königreich über den Bau einer zweiten Hochgeschwindigkeitsstrecke von London über Birmingham nach Manchester und Leeds. So lange diese nicht kommt und für schnelle Verbindungen von Nord nach Süd sorgt, bleibt ein Tunnel im Norden zwecklos.

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