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Nicht noch mehr Wahnsinn

Thema: Erdgasförderung im Wattenmeer – Der Krieg in der Ukraine wird dazu missbraucht, energiepolitische Vereinbarungen infrage zu stellen. Das ist gefährlich.

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Russlands Angriffskrieg im Herzen Europas scheint für manche Zeitgenossen aus dem Lager der fossilen und nuklearen Lobbyvereinigungen nicht ganz ungelegen zu kommen. Überall treten sie wie Phönix aus der Asche und preisen ihre endlichen und/oder Leid bringenden Energieträger. Über deren Abgesang gab es bislang einen breiten politischen und gesellschaftlichen Konsens. Plötzlich aber gelten die zu Recht Geschmähten gelegentlich als Heilsbringer in der Not. Motto: Mit Kohle, Öl, Erdgas und Atom aus heimischer Produktion gelingt die Unabhängigkeit von russischen Erdgaslieferungen. Von wegen. Wir kämen vom Regen in die Traufe.

Beispiel Atomkraft: 77 Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki, 36 Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl, 11 Jahre nach dem Reaktorunglück von Fukushima und wenige Tage, nachdem russische Soldaten das Atomkraftwerk Saporischschja angegriffen und besetzt haben, müssen all jene mit dem Klammerbeutel gepudert sein, die tatsächlich einen Fortbestand dieser strahlenden Todestechnik fordern.

Hinzu kommt: Die drei noch laufenden Atomkraftwerke in Deutschland produzieren zwar weiterhin jede Menge Müll, der nicht sicher gelagert werden kann, aber nur fünf Prozent des benötigten Stroms. Diese Menge lässt sich problemlos durch erneuerbare Energien ersetzen. Dass sie nicht schon lange ersetzt wurde, liegt an jenen Blockierern der Energiewende, die jetzt – welch Verkehrung ins Krankhafte – lauthals eine Laufzeitverlängerung der Kohle- und Atomkraftwerke fordern.

Endlich den Turbo für die Energiewende zünden

Beispiel Erdgas: Ernsthaft denken führende Politikerinnen und Politiker in Niedersachsen darüber nach, ihr kategorisches „Nein“ zu Erdgasbohrungen im Wattenmeer über Bord zu werfen. 20 Kilometer nordwestlich von Borkum sollen 60 Milliarden Kubikmeter davon aus dem hochsensiblen und einzigartigen Ökosystem gepumpt werden.

Dabei liegt das abschreckende Beispiel direkt vor der Haustür. In der Provinz Groningen kann sich jede und jeder selbst ein Bild von den immensen Schäden der Erdgasförderung machen. Seit 1986 bebt dort infolge des Abbaus regelmäßig die Erde, allein im Mai 2019 wurden mehr als 1000 Gebäude beschädigt. Im Wattenmeer wären die Folgen bei einem Unfall oder einer Instabilität des Untergrunds noch weit dramatischer.

Es bleibt die Hoffnung, dass sich die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger nicht von diesen billigen wie gefährlichen Scheindebatten um vergangene Technologien blenden lassen und auf dem Weg zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz die Abfahrt namens „Weitsicht“ nehmen. Denn: Wer Putin schaden, sich unabhängig von ihm machen, die Energiekosten in Deutschland senken und so ganz nebenbei auch noch ein bisschen für Umwelt und Klima tun will, der fördert Energiesparen statt noch mehr Wahnsinn – und zündet parallel endlich den Turbo für die Energiewende.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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