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Neues Vertrauen bringt nur Gewaltenteilung

Das im Erzbistum Köln mit Spannung erwartete Missbrauchsgutachten bescheinigt Kardinal Rainer Maria Woelki eine weiße Weste – allerdings nur juristisch.

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Das lange erwartete Kölner Missbrauchsgutachten offenbart erwartungsgemäß nichts, was man nicht schon geahnt hätte: Katholische Bischöfe haben über Jahrzehnte sexuellen Missbrauch an Minderjährigen vertuscht. Sie haben Täter beschützt – auf Kosten der Opfer.

Neu ist, dass persönliches Versagen künftig nicht nur für Laien, sondern auch für Geistliche persönliche Konsequenzen haben könnte. Zwei Bischöfe boten dem Papst bereits ihren Rücktritt an und das Lebenswerk des 2017 verstorbenen Kardinals Joachim Meisner muss gänzlich neu bewertet werden. Aber was hilft die Erkenntnis, dass Meisner die Akten seiner „Brüder im Nebel“ im Giftschrank sammelte und deren Verbrechen bewusst leugnete (Zitat: „Nichts geahnt“), wenn sich die kirchlichen Strukturen trotzdem nicht verändern?

So ist das Rechtsgutachten vor allem ein weiterer Beweis für notwendige Reformen. Es reicht nicht, wenn Bistümer aus offensichtlichen Verfahrensfehlern, mangelnden rechtlichen Regelungen und fehlender Rechtskenntnis in Köln und anderswo lernen. Es reicht nicht, das Gespräch mit den Opfern, die Anerkennung von Leid, die Prävention und die Kommunikation mit der Öffentlichkeit zu intensivieren.

„Die Wurzel des Übels ist weiterhin in der Struktur der katholischen Kirche fest verankert“Ulrich Suffner, Chefredakteur

Dem Kölner Kardinal Woelki ist von kirchlich bezahlten Gutachtern das Gewand juristisch reingewaschen worden. Aber reicht diese Rechtmäßigkeitskontrolle auf Grundlage chaotischer und lückenhafter Akten, um verlorenes Vertrauen zurückzuerlangen? Ist die inszenierte klare Kante zwischen der Ära Woelki – kein Fehlverhalten, kompromisslose Aufklärung – und verantwortungslosen Vorgängern glaubhaft? Ist Missbrauch lediglich individuelle Schuld?

Nein, so einfach kommen die Hirten nicht davon. Die moralische Auseinandersetzung mit dem systemischen Versagen hat gerade erst begonnen. Die Wurzel des Übels ist weiterhin in der Struktur der Kirche fest verankert. Die Kölner Gutachter sprechen von „systembedingter“ Vertuschung und meinen klerikalen Machtmissbrauch.

Man sollte sich als Gläubiger nichts vormachen: Solange der Kirche transparente und unparteiische rechtliche Verfahren fehlen, wird das weltweit vernetzte Kartell des Schweigens bestehen. Solange Rom hinter verschlossenen Türen Entscheidungen trifft, ohne sie zu erklären, bleibt Vertuschung Tür und Tor geöffnet. Solange das theologisch überhöhte Bischofsamt Verwaltungsmacht, Pastoralmacht und Justizmacht vereint, bleibt der Amtsinhaber in seinem Bistum allmächtig.

Am Donnerstag fiel zum wiederholten Mal grelles Licht auf Ausmaß und Täterschaft priesterlichen Missbrauchs. Erneut aber blieb auch Woelki die Antwort schuldig auf die entscheidende Frage nach dem Warum? Dabei ist Antwort und Ausweg einfach: Machtmissbrauch verhindert nur Gewaltenteilung.

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