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Neue Schulbezirke: Stufe eins ist geschafft

Der Vechtaer Schulausschuss  hat getagt. Die Mehrheit der Kommunalpolitiker ist für neue Schulbezirke in der Kreisstadt. Nun ist der Rat gefragt.

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Vor der Grundschule Hagen stehen mehrere Container für Bauschutt. Der Anbau von neuen Räumen ist nahezu fertiggestellt. Die Einführung einer Zweizügigkeit ist nach der vorliegenden Schulentwicklungsplanung aber nicht vorgesehen. Foto: Speckmann

Vor der Grundschule Hagen stehen mehrere Container für Bauschutt. Der Anbau von neuen Räumen ist nahezu fertiggestellt. Die Einführung einer Zweizügigkeit ist nach der vorliegenden Schulentwicklungsplanung aber nicht vorgesehen. Foto: Speckmann

Die geplante Neustrukturierung der Schulbezirke in der Stadt Vechta hat ihre erste politische Hürde genommen. Mit großer Mehrheit stimmte der Schulausschuss dem vorliegenden Entwurf zu. Er ebnete damit den Weg für die weitere Beratung im Verwaltungsausschuss.

In der nächsten Sitzung des Stadtrates am 18. Mai soll die Politik dann den Deckel draufmachen, um eine Einführung des neuen Modells zum Schuljahr 2021/2022 zu ermöglichen.

Die Idee ist ein Modell auf zwei Ebenen

"Wir wollen etwas Vernünftiges auf den Weg bringen", kündigte die Ausschussvorsitzende Simone Göhner (CDU) gleich zu Beginn der öffentlichen Sitzung am Montagabend im Rathaus an. Sie sprach von einem "genialen Konzept", das für eine Verbesserung der Schülerströme in der Stadt Vechta sorgen und zugleich dem Rechtsanspruch auf Unterricht in einer katholischen, evangelischen oder auch bekenntnisfreien Grundschule erfüllen soll.

Wie dieses Konzept im Details aussieht, konnte Fachbereichsleiterin Sandra Sollmann in kurzen Zügen erläutern. Der Schulausschuss hatte sich bereits Anfang Februar im internen Kreis mit dem umfassenden Entwurf befasst.

Zudem hatten einige Mitglieder in der Arbeitsgruppe an dem Zwei-Ebenen-Modell mitgewirkt. Es ermöglicht den Kindern eine wohnortnahe Beschulung und sieht eine scharfe Trennung zwischen den Bezirken der katholischen Bekenntnisschulen vor.

Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit

Mit Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit hob Sollmann zwei wesentliche Aspekte des Konzeptes vor. Ziel sei eine ausgewogene soziokulturelle Mischung von Schülern unterschiedlicher Religion und Staatsangehörigkeit. Sie sollten gleichmäßig auf sieben Grundschulen in städtischer Trägerschaft verteilt werden.

Die Liobaschule spielt in den Planungen keine Rolle mehr. Die Landesschulbehörde habe Ende März die Genehmigung zur Auflösung der freien Schule erteilt, berichtete Sollmann am Montagabend.

Der Bezirk der Grundschule Hagen ist auf ältere Siedlungsgebiete beschränkt, während das Neubaugebiet in der Nähe der Martin-Luther-Schule beziehungsweise Alexanderschule zugeschlagen wird.

Dass dieser Zuschnitt nicht überall auf Gegenliebe stößt, verdeutlichte der Einwand von Ausschussmitglied Martin Höffmann (CDU). Er zweifelte die von der Verwaltung skizzierten Schulwege an, wies auf Gefährdungspotenziale hin und regte eine Zweizügigkeit an, sofern in Hagen weitere Bauplätze erschlossen würden.

Eine Erweiterung der Grundschule Hagen auf zwei Züge sei "baulich nicht darstellbar", entgegnete die Fachbereichsleiterin. Und selbst wenn es baulich möglich sei, wären hohe Investitionen erforderlich, um lediglich eine kurzfristige Bedarfsspitze in der Unterrichtsversorgung abzufedern. Schon jetzt investiere die Stadt rund eineinhalb Millionen Euro in einen Anbau. Mit der Schaffung von Werk-, Computer- und Sprachräumen werde die Einzügigkeit gesichert.

In Elternkreisen findet die Schulentwicklungsplanung offenbar Gefallen. Sollmann berichtete von einem Treffen mit dem Schulelternrat Anfang März, wo es ein "positives Meinungsbild" gegeben habe.

Außerdem sprach die Verwaltungsvertreterin von einer guten Zusammenarbeit mit der Kirche. Dazu passte eine Botschaft von Professor Dr. Franz Bölsker. Er war in der Ausschusssitzung nicht anwesend, hatte sich aber schon in einer Videobotschaft an die Öffentlichkeit gewandt.

Das Bischöflich Münstersche Offizialat unterstützt das Bestreben der Stadt Vechta, über eine gut überlegte Neueinteilung der Schulbezirke zu einer gleichmäßigeren Verteilung der Schülerströme zu kommen.Professor Dr. Franz Bölsker

Bölsker im Wortlaut: "Das Bischöflich Münstersche Offizialat unterstützt das Bestreben der Stadt Vechta, über eine gut überlegte Neueinteilung der Schulbezirke zu einer gleichmäßigeren Verteilung der Schülerströme zu kommen. Nur so lässt sich auch nach unserer Auffassung Integration nachhaltig gewährleisten und Segregation nach sozialen Gesichtspunkten, aber auch nach Herkunft, Kultur und Religionszugehörigkeit verhindern. Wir sehen hier auch die katholischen Bekenntnisgrundschulen in der Pflicht, ihren Beitrag für eine gedeihliche Entwicklung des gesellschaftlichen Miteinanders in der Stadt und damit für die hier lebenden Menschen zu leisten."

Große CDU-Mehrheit für Neueinteilung 

CDU-Ratsherr Josef Kläne ließ durchblicken, dass die große Mehrheit seiner Fraktion hinter der Neueinteilung der Schulbezirke stehe. "Der Vorschlag ist gut überlegt und abgewogen." Im Vergleich zur früheren Regelung glaube er jedoch nicht, dass die Planung wieder 20 Jahre Bestand habe. Die Stadt sei gut beraten, das Konzept der weiteren Siedlungs- und Bevölkerungsentwicklung anzupassen und sich als nächstes dem Schulstandort Oythe zu widmen.

"Wir wollen eine vernünftige Bildungsgerechtigkeit gewähren"Stephan Sieveke (VCD)

"Wir wollen eine vernünftige Bildungsgerechtigkeit gewähren", unterstrich Stephan Sieveke (VCD). Er zeigte sich überzeugt, dass mit dem Entwurf eine vernünftige Satzung auf den Weg gebracht werde, auch wenn diese nicht allen Eltern gerecht werde.

In den Augen von Frank Hölzen hat das Konzept sogar Vorbildcharakter. Es werde noch über die Stadtgrenzen hinaus von sich reden machen, mutmaßte der Vertreter der Gruppe SPD/Wir für Vechta.

Stephan Hagemann, Dezernent der Niedersächsischen Landesschulbehörde, zollte allen Beteiligten große Anerkennung für eine vorbildliche Prozessgestaltung. Es sei viel Detailarbeit nötig gewesen, aber der Aufwand habe sich gelohnt.

Hagemann hatte in der Arbeitsgruppe mitgewirkt, deren konstruktives und überparteiliches Miteinander von allen Seiten gelobt wurde. Das Ergebnis spiegelte sich dann auch in dem Votum wider: Zwölf Ja-Stimmen und eine Enthaltung.

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