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Narren aller Orten

Kolumne: Irgendwas mit # – Die weltpolitische Lage ist ernst, Späße darüber zu machen, ist unangebracht. Aber: Wäre heute Karneval, was böten sich doch für Motive für närrische Wagenbauer!

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Vor einigen Jahren hat der vernünftige Teil Deutschlands, also der närrische, eine schöne neue Tradition begründet: Den Karneval mit K oder mit C erst aufwändig vorzubereiten, um ihn dann recht kurzfristig abzusagen.

2020 vertrieben stürmische Böen die Närrigkeiten. 2021 machte uns ein Virus den Strich durch die jecke Rechnung und auch 2022 hat, Gott Jokus sei's geklagt, Corona die Session verhagelt.

Und selbst dort, wo man mit Starrsinn am Narrsinn festgehalten hatte – in Kölle am Rhein –, selbst dort wurde nun kurzerhand alles abgesagt: wegen des kaltschnäuzigen Überfalls der russischen Armee auf die Ukraine.

Putin hat den Längsten

Wir wollen uns nicht beklagen, aber unserer Machtlosigkeit geschuldet zu Rosenmontag doch unserer carnevalistischen Fantasie freien Lauf lassen. Wäre die Lage nicht so ernst: Was könnten die Wagenbauer doch für einen Spaß haben!

Auf einem Wagen, so stellen wir uns vor, säße der nur 1,65 Meter große russische Präsident Wladimir Putin am Hebel einer Gaspipeline und riefe aus: "Ich habe den Längsten". Damit wäre dann auch fast alles zur deutschen Energiewendepolitik der vergangenen Jahre gesagt.

Die 5000 Schutzhelme wären gute Narrenkappen

Nächster Wagen: Das bundesdeutsche Kriegskabinett sitzt zusammen und berät, wie man auf die ja wirklich vollkommen unvorhersehbare Invasion in der Ukraine reagieren könne. Auf ihren Köpfen tragen die leider von allem karnevalistischen Un-Ernst befreiten Politiker um Olaf Scholz und Annalena Baerbock Narrenkappen. Und zwar jene 5000 Schutzhelme, mit der man bis zum Wochenende noch glaubte, die Ukraine gegen Russland unterstützen zu können.

Einmal losgedacht kennt unsere Kreativität keine Grenzen: Gerne sehen wir abermals Zar Putin, wie er eine Parade seiner Atomraketen abnimmt. Der Wagen selbst wäre ganz unironisch gestaltet. Aber die lustig verkleideten Jecken links und rechts des Weges, die als Publikum für diese sowjetische, pardon, russische Machtdemonstration dienten, würden das protzige Gehabe ohne alle Anstrengung in die Lächerlichkeit ziehen. Herrlisch.

Ist Deutschland wenigstens "bedingt abwehrbereit"?

Tja, wäre doch nur Carneval, mit K oder mit C. Es ließe sich so viel sagen. Den Schröder Gerd, den verehrten Herrn Altkanzler, der sich mit russischem Gas eine goldene Rubelnase verdient hat, den würden wir mit einer Sehhilfe in der einen, einen Diamanten in der anderen Hand auf einem Wagen platzieren, dazu die Worte "lupenrein". 

Und CDU und CSU? Ach, wir denken an den seligen Franz-Josef Strauß, dem ob der Schlagzeile "Bedingt abwehrbereit" im Magazin "Der Spiegel" 1962 die nicht sehr lange Hutschnur platzte. Und heute? Wer saß noch gleich seit 2005 im Bundesverteidigungsministerium und damit, sagen wir, einen gewissen Anteil am heutigen Zustand der Bundeswehr, der mit "bedingt abwehrbereit" wohl noch zu optimistisch beschrieben wäre?

Ach, wirklich, wäre doch nur Karneval, mit K oder mit C. Man sähe – ungewollt – Narren aller Orten. Allein: Das Lachen bliebe uns wohl im Halse stecken.


Zur Person:

  • Philipp Ebert ist Redakteur der OM-Medien.
  • Den Autor erreichen Sie per E-Mail an redaktion@om-medien.de.

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