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Montagsdemos: Vechtaer Initiative warnt vor verhärteten Fronten

Die "Partnerschaft für Demokratie" (PfD) will weiter das Gespräch mit den Bürgern auf der Straße suchen. Dabei geht es um mehr als die Corona-Politik.

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Widerstand am Straßenrand: Mehr als 200 Menschen haben am Montag vergangener Woche eine Menschenkette in der Vechtaer Innenstadt gebildet, um ein Zeichen gegen Querdenker zu setzen. Die Initiative „Partnerschaft für Demokratie“ will als Teil eines Bündnisses auch bei künftigen Aktionen für Solidarität und Zusammenhalt werben.   Foto: M. Niehues

Widerstand am Straßenrand: Mehr als 200 Menschen haben am Montag vergangener Woche eine Menschenkette in der Vechtaer Innenstadt gebildet, um ein Zeichen gegen Querdenker zu setzen. Die Initiative „Partnerschaft für Demokratie“ will als Teil eines Bündnisses auch bei künftigen Aktionen für Solidarität und Zusammenhalt werben.   Foto: M. Niehues

Die Initiative „Partnerschaft für Demokratie“ (PfD) geht schon seit Wochen jeden Montag in Vechta auf die Straße, um Kritikern der Corona-Maßnahmen zu begegnen. Dies geschieht in Form von Gesprächen oder als Teil einer Menschenkette. Im Interview erläutert PfD-Projektkoordinator Julian Hülsemann die Motivation seiner Organisation. Er spricht über den Umgang mit den so genannten Spaziergängern und erklärt, warum Anfeindungen und Beleidigungen fehl am Platz sind.

Herr Hülsemann, wie sind Sie mit der Resonanz bei den bisherigen Aktionen zufrieden?
Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass viele unterschiedliche Menschen die Entwicklungen in den Querdenker-Demonstrationen beunruhigend finden und für Solidarität und Zusammenhalt werben möchten. Diesem Engagement ist es zu verdanken, dass eine Öffentlichkeit hergestellt wurde darüber, welche Gruppen zu diesen Demonstrationen einladen. Daraufhin haben sich viele demokratisch denkende Menschen von diesen Demonstrationen distanziert.

Aus welchem Grund beteiligt sich Ihre Initiative?
Wir möchten mit Menschen ins Gespräch kommen, die sich bei den Demonstrationen engagieren oder zuschauen, über die Gefahr von Einflussnahme durch radikale Gruppen aufklären und ein Statement für eine solidarische Gemeinschaft setzen.

Julian Hülsemann, Projektkoordinator der Initiative Partnerschaft für Demokratie“. Foto: PfDJulian Hülsemann, Projektkoordinator der Initiative „Partnerschaft für Demokratie“. Foto: PfD

Glauben Sie, dass Ihr Engagement etwas bewegt in der Bevölkerung?
Am wichtigsten ist es, über Sichtweisen und Meinungen in einen demokratischen Austausch zu kommen. Vielen Menschen, die sich in den Montags-Demonstrationen engagieren, fehlen durch den Ausschluss aus ihrem sozialen Umfeld der Kontakt zu andersdenkenden Menschen und der Zugang zu kontroversen Gesprächspartnern. Verschwörungsideologen bestätigen sich ihre Meinung und Weltanschauung immer und immer wieder gegenseitig. Wir nennen das den „Halo-Effekt“, der besonders auf sozialen Netzwerken wie Facebook und Telegram noch verstärkt wird.

Ihr Bündnis steht für Demokratie und Vielfalt. Muss man nicht auch den Spaziergängern eine eigene Meinung zugestehen?
Unbedingt! Gerade in dieser Woche habe ich mich mit einer Person getroffen, die unserem Angebot gefolgt ist, miteinander zu reden. Unsere Aufgabe ist es nicht, anderen Menschen ihre Meinung zu verbieten. Wir sollen darüber aufklären, dass Hass und Hetze gegen das demokratische System keine Meinung ist, und sichtbar machen, wie und wo Menschen aufgewiegelt und von radikalen Gruppen für ihre eigenen Ziele benutzt werden.

Woran machen Sie Ihre Kritik dann konkret fest?
Schweigen bedeutet Zustimmung. Wenn wir es zulassen, dass Menschen, die Angst vor der Corona-Impfung haben, dem Aufruf von rechtsradikalen Organisationen wie „freie Sachsen“, „Zentrum“ und „compact“ folgen, um gegen die Schutzmaßnahmen zu protestieren, sich aber nicht von den rechtsradikalen Ideologien und staatsstürzenden Bestrebungen abgrenzen, kommt schnell das Bild auf, dass in Vechta die Nazis marschieren würden.

Zuletzt haben einige Bürger die Spaziergänger in Vechta heftig beschimpft. Was sagen Sie zu diesen Vorkommnissen?
Anfeindungen und Beleidigungen sind – egal von wem – fehl am Platz. Zivilcouragiertes Verhalten, Kommunikation und die Wahrung demokratischer Grundwerte sollten für jede und jeden das oberste Bestreben sein.

Können Sie nachvollziehen, dass ein solches Verhalten möglicherweise als Provokation empfunden wird?
Wir dürfen nicht anfangen, verhärtete Fronten aufzubauen. Ein Diskurs ist unabdingbar und dafür braucht es die Bereitschaft, auch bei unterschiedlichen Meinungen friedlich miteinander umzugehen.

Was werden Sie tun, damit es bei künftigen Aktionen nicht erneut zu verbalen Attacken oder sogar Eskalationen kommt?
Mehrere Gespräche in den letzten Tagen haben mir gezeigt, dass beide Seiten an einer friedlichen Meinungskundgebung interessiert sind und nicht nach Gewaltausbrüchen suchen. Die Polizei Vechta macht meiner Meinung nach einen guten Job und zeigt hohe Präsenz, um die Möglichkeit für Gewaltausbrüche von Personen, die die Demonstration als Bühne benutzen möchten, zu verhindern.

Mit welchen Erwartungen blicken Sie dem kommenden Montag entgegen?
Mit der Erwartung, ein paar interessierte Bürger bei uns begrüßen zu dürfen, die sich über Verschwörungsideologien informieren oder uns einfach mal kennenlernen möchten.

Würden Sie auch weiter auf die Straße gehen, wenn sich die Gegner der Corona-Politik aus der Öffentlichkeit zurückziehen?
Es geht nicht um die Gegner einer coronaspezifischen Politik. Wir beobachten zunehmend, dass ideologisch radikale Menschen versuchen, Einfluss auf verängstigte Bürger zu nehmen und dafür die Schutzmaßnahmen und Einschränkungen benutzen, denen wir momentan alle in der Pandemie ausgesetzt sind.

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