Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Mobilmachung: Das Wort macht Angst – und fordert zugleich Reaktion

Meine Woche: Der russische Diktator Wladimir Putin hat den Krieg in der Ukraine mit der Mobilmachung von Reservisten selbst auf eine neue Eskalationsstufe gehoben.

Artikel teilen:

In diesen Tagen macht ein Wort die Runde, das erschreckt. Der russische Präsident Wladimir Putin hat in einer Rede die Teilmobilmachung der russischen Streitkräfte angeordnet. Es ist die nächste Eskalationsstufe im furchtbaren Angriffskrieg gegen die Ukraine. Mit Bangen frage sicher nicht nur ich mich, was da auf uns zukommen wird. Denn der Diktator erklärt zugleich und öffentlich den Ukrainekrieg zum Kampf gegen die kollektive westliche Militärmacht. Hatten wir das nicht alles schon einmal? Es zeigen sich deutliche geschichtliche Parallelen, die in der Logik des Gewesenen in Russland bald zur Ausrufung eines neuen, großen vaterländischen Krieges führen dürfte.

Wie soll der Westen auf die Mobilmachung reagieren? Das Vorgehen des russischen Diktators bedarf einer deutlichen Antwort. Dazu gehört beileibe nicht nur die Lieferung moderner Waffen an die Ukraine. Es braucht neben noch stärkeren wirtschaftlichen Sanktionen auch die Rückkehr zu den Verteidigungsstrategien des Kalten Krieges. Die Neuordnung der Aufstellungsräume kampffähiger westlicher Armeen ist unabdingbar. Die Stationierung aktiver westlicher Truppenverbände in schlagkräftiger Zahl in den demokratischen Grenzländern Russlands zu unterlassen, wäre fatal. Das westliche Verteidigungsbündnis muss sich ad hoc in die Lage versetzen, auf jede Aggression gegen die Partner des westlichen Verteidigungsbündnisses reagieren zu können.

Längst gilt: Einer wild gewordenen, mordenden Soldateska und ihrer irren Führung können Demokraten nur mit hohem eigenen Droh- und Verteidigungspotenzial begegnen. Putin und seinen Generälen, jeglichem Aggressor, muss eine glaubhafte Verteidigungsstrategie der Nato sichtbar werden. Und dafür reicht es nicht, lediglich einige hundert Soldaten ins Baltikum zu verlegen.

Nur Niederlagen können Putin zum Verhandeln zwingen

Die deutsche Politik ist besonders gefordert. Deutschland ist längst in einer Nach-Weltkriegsordnung angekommen, die eine direkte Lieferung von Kriegsgerät ohne Wenn und Aber möglich und nötig macht. Immer hat Kanzler Scholz mit seinem Hinweis auf die mögliche Eskalation, die deutsche Waffenlieferungen auslösen könnten, den eigenen Export modernen Kriegsgerätes verweigert. Diese Haltung mag vernünftig gewesen sein, aber kann sie noch Geltung haben? Putin selbst hat den Krieg in der Ukraine mit der Mobilmachung von Reservisten auf eine neue Eskalationsstufe gehoben. Auf eine extrem gefährliche Stufe, die der Westen aber weder ignorieren kann, noch darf.

Es bleibt bittere Wahrheit, dass ausschließlich militärische Niederlagen in der Ukraine Putin und die ihn umgebenden, stalinistisch geprägten Nationalkonservativen, in die Knie, zu Friedensverhandlungen und zur Rückgabe annektierter Gebiete zwingen werden.

Ja. Die Eskalation des Diktators Putins muss uns Angst machen. Sie darf uns Demokraten aber nicht in Angst erstarren lassen. Zögern und zaudern sind jetzt fehl am Platze. Längst ist auch für uns die Mobilmachungszeit angebrochen – für alle westlichen Demokratien.

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Mobilmachung: Das Wort macht Angst – und fordert zugleich Reaktion - OM online