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Meine Generation kann sich bei der Klimakrise keinen Optimismus erlauben

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Der Klimagipfel endet mit einem "Weiter so". Markus Lanz macht eine Klimaaktivistin für ihre fehlende Zuversicht fertig, es ist ein Generationenkonflikt.

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„Wenn ich ehrlich bin, kann ich mir die Zukunft schlicht nicht vorstellen“, schrieb Ann-Kristin Tlusty kürzlich über die Klimakrise. Die Zeit-Redakteurin ist ein Jahr älter als ich und spricht vielen jungen Menschen aus der Seele. Warum sollen wir an die Altersvorsorge denken, wenn wir nicht mal wissen, ob es dann noch menschenfreundlichen Lebensraum gibt. Aktuell tut kein Land genug, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Unser Planet könnte sich laut dem „Climate Action Tracker“ um mehr als 3 Grad erwärmen, wenn die aktuellen Maßnahmen beibehalten werden.

Der Weltklimagipfel wurde gerade beendet mit einem fröhlichen „Weiter so“ – einem Schlag ins Gesicht für den Klimaschutz. Die Staaten könnten ja freiwillig ihre Klimaschutzpläne nachbessern. Und man steigt lieber nicht aus allen fossilen Energien aus, das Herunterfahren der Kohleenergie wird schon reichen. Eine schnelle CO₂-Reduktion, um die Treibhausgasemissionen zu senken? Na gut, wenn’s denn unbedingt sein muss. 

„Wieder einmal wird mir bewusst, dass die Klimakrise auch ein Generationenkonflikt ist.“Fenja Hahn

„Das deprimierende an Klimaschutz ist, dass es nicht mal der Kampf für eine bessere Welt ist, sondern einfach nur dafür, dass es nicht noch schlimmer wird“, twittert Sebastian Hotz alias El Hotzo, quasi ein Sprachrohr von uns Millennials. Wieder einmal wird mir bewusst, dass die Klimakrise auch ein Generationenkonflikt ist. Sicher, wenn ich 2050 nicht mehr miterlebe, kann es mir auch egal sein, wenn Hitze, Hochwasser und andere Folgen des Klimawandels uns einholen. Das wäre aber eine ganz schön egoistische Position.

Wir Jungen sind die, die am Ende mit dem Klimawandel leben müssen. Umso mehr ärgert es mich, wenn meine Generation nicht ernst genommen wird. Vor 2 Wochen war die 20-jährige Carla Rochel in der Talkshow von Markus Lanz zu Gast. Lanz ist 53, das ZDF nicht gerade das Lieblingsmedium der Gen Z, Y, X und wie sie alle heißen. Rochel als Klimaaktivistin der „Letzten Generation“ begab sich also in die Höhle des Löwen (auch wenn die bei VOX läuft). Es war zumindest klar, dass sie in der Sendung nicht auf Fans treffen sollte.

„Es ist ja nicht so, dass junge Menschen nicht optimistisch sein möchten. Aber es wäre naiv, einfach das Beste zu hoffen.“Fenja Hahn

Lanz sagte zu Rochel, „sie müsste optimistisch sein“. Das steigerte er nur noch mit der Nachfrage, woher die Wissenschaft das denn alles wüsste. Der Moderator warf auch schon Luisa Neubauer vor, die Apokalypse an die Wand zu malen. Dabei hat Lanz eins nicht verstanden: Es ist ja nicht so, dass junge Menschen nicht optimistisch sein möchten. Aber es wäre naiv, einfach das Beste zu hoffen. Das kann sich unsere Generation nicht erlauben.

Gut, man kann sich sicherlich darüber streiten, ob sich auf die Straße festzukleben und Kunst mit Essen zu beschmeißen eine zielführende Protestform ist. Aber für mich steht fest: Wenn die Warnung vor dem Klimawandel „Panikmache“ ist, dagegen aber friedliche Demonstranten „Klimaterroristen“ sind, stimmt etwas mit dem Framing in der Debatte nicht. 


Zur Person:

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