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Mehr als 4.000 Aktive treten beim Stadtradeln im Kreis Vechta in die Pedale

Erstmals nahm die Region an dieser Klimaschutzaktion teil und belegt bundesweit gleich Platz 6. Etwa 700.000 Kilometer wurden gefahren und 103 Tonnen CO₂ gespart.

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Zwei der Impulsgeber vor Ort: ADFC-Kreisvorsitzender Manfred Moss (links) und der Klimaschutzmanager des Landkreises Vechta, Matthias Galle. Foto: Berg

Zwei der Impulsgeber vor Ort: ADFC-Kreisvorsitzender Manfred Moss (links) und der Klimaschutzmanager des Landkreises Vechta, Matthias Galle. Foto: Berg

Mit dieser Teilnehmerzahl hätten wohl selbst die kühnsten Optimisten nicht gerechnet: Erstmals beteiligten sich alle Kommunen im Landkreis Vechta an der weltgrößten Fahrradkampagne namens Stadtradeln und riefen die Bürgerinnen und Bürger zum Mitmachen auf. Ergebnis: Mehr als 4.000 Frauen und Männer zwischen Visbek und Vörden folgten dem Appell und schwangen sich 3 Wochen lang vermehrt aufs Rad, um das Klima zu schützen, Spaß bei Bewegung und frischer Luft zu haben und nicht zuletzt möglichst viele Radkilometer für ihre Stadt oder Gemeinde zu sammeln.

„Diese Resonanz ist gewaltig, auch vor dem Hintergrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie“, sagt der Klimaschutzmanager des Landkreises Vechta, Matthias Galle, im Gespräch mit OM online. „Die hohe Anzahl überrascht mich schon, auch wenn der Trend zum Umwelt- und Klimaschutz seit einigen Jahren unverkennbar ist“, fügt der Kreisvorsitzende des Fahrradclubs ADFC in Vechta, Manfred Moss, an.

Beim Stadtradeln, das bereits seit 2008 einmal im Jahr läuft, geht es darum, 21 Tage lang – diesmal vom 7. bis 27. Mai – für viele Alltagswege das Fahrrad zu benutzen. Dabei zählt nach Veranstalterangaben jeder einzelne Kilometer, erst recht, wenn er sonst mit dem Auto gefahren worden wäre. Besagter Veranstalter ist übrigens das Klima-Bündnis, ein Netzwerk von mehr als 1.800 europäischen Kommunen.

Die vorläufigen Ergebnisse aus dem Landkreis Vechta – Nachmeldungen waren bis zum 2. Juni möglich – machen deutlich, welchen Stellenwert die Fahrradmobilität auch in diesen Breitengraden bereits hat. Demnach haben 4.036 aktiv Radelnde in 483 Teams insgesamt mehr als 700.000 Kilometer zurückgelegt und dadurch den Ausstoß von 103 Tonnen des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid (CO₂) vermieden.

Das bedeutet im bundesweiten Vergleich Rang 6. Davor liegen lediglich 5 Landkreise und kreisfreie Städte aus Nordrhein-Westfalen, etwa Düsseldorf, Steinfurt und Gesamtsieger Borken. Damit ist der Landkreis Vechta gleichzeitig der beste Newcomer im deutschlandweiten Teilnehmerfeld.

Die Begeisterung für das Radfahren zieht sich dabei durch alle Gemeinden im Kreisgebiet. Das zeigt sich etwa beim Blick auf die Top-Ten-Teams (siehe Tabelle). Ganz vorne landet den Angaben zufolge die Radfahrgruppe „Heiße Speiche“ des Heimatvereins Steinfeld. Allein diese 66 Frauen und Männer kommen insgesamt auf mehr als 27.000 Kilometer, gefolgt von mehreren Schulen, etwa dem Kolleg St. Thomas in Vechta und der Ketteler-Schule in Lohne.

ADFC-Kreischef Moss lässt Auto drei Wochen stehen

Unter den einzelnen Kommunen hat die Stadt Lohne mit mehr als 214.000 zurückgelegten Kilometern, erradelt von 1.435 Aktiven, darunter auch 16 von 36 Ratsmitgliedern, den Lenker vorne. Dahinter folgt die Stadt Dinklage mit mehr als 121.000 Kilometern und 656 Teilnehmern. Auch hier ist der Anteil der Parlamentarier mit 13 von 25 recht hoch. Hintergrund: Die Kampagne richtet sich nicht zuletzt ganz bewusst an die Entscheidungsträger in den Kommunen, weil sich mögliche Schwachstellen in der Fahrradinfrastruktur am besten aus der Lenkerperspektive erfahren ließen.

Getan hat sich auf diesem Gebiet zuletzt einiges. So gebe es vor Ort zwar immer noch Radwege, die zu Buckelpisten mutiert sind, weil jahrzehntelang das Autofahren bevorzugt wurde, sagt ADFC-Kreischef Moss, aber mittlerweile sei ein Umdenken erkennbar. Das bekräftigt Landkreis-Sprecher Jochen Steinkamp. Er verweist auf das neue Radwegeleitsystem und das fast erreichte Ziel, an 100 Prozent der Kreisstraßen Radwege zu installieren. Aktuell würden sich Landkreis und Kommunen darum bemühen, den Berufsverkehr mit dem Fahrrad attraktiver zu machen.

Mehr als 700.000 Kilometer – erfasst per App (Bild) oder ganz klassisch auf einem Meldebogen – wurden im Landkreis Vechta zusammengeradelt. Foto: Klima-BündnisNickelMehr als 700.000 Kilometer – erfasst per App (Bild) oder ganz klassisch auf einem Meldebogen – wurden im Landkreis Vechta zusammengeradelt. Foto: Klima-Bündnis/Nickel

Und inwieweit kann heute auch in ländlichen Regionen schon komplett auf das Auto verzichtet werden? Manfred Moss hat den Versuch gemacht. Er ist – wie angekündigt – während der 3 Aktionswochen nach eigenen Angaben keinen einzigen Meter mit dem Kraftfahrzeug unterwegs gewesen. „Das ist mir überhaupt nicht schwergefallen, weil ich auch vorher schon mehr mit dem Rad als mit dem Auto gefahren bin“, sagt der ehemalige Fahrlehrer. 1.120 Fahrrad-Kilometer hat er in dieser Zeit zurückgelegt. Damit belegt er im bundesweiten Ranking unter den knapp 200 sogenannten Stadtradel-Stars Platz 9.

Für Moss ist klar: „Ich freue mich schon auf die nächste Stadtradel-Kampagne und werde wieder mitmachen.“ Dass es 2022 dazu kommt, ist sehr wahrscheinlich. „Ich will den Entscheidungen in den Kommunen nicht vorgreifen, aber ich gehe stark davon aus, dass es eine Fortsetzung geben wird“, kündigt Klimaschutzmanager Galle an. Zuvor ist für Ende Juni noch eine kleine, coronakonforme Abschlussveranstaltung geplant. Dort soll auch der vom Landkreis und den Kommunen ausgelobte Hauptpreis, ein E-Lastenrad, vergeben werden.

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