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Mehr als 11.000 Corona-Neuinfektionen in Deutschland

11.287 Neuinfektionen: Das RKI meldet am Donnerstag einen neuen Rekord an neuen Corona-Fällen binnen 24 Stunden. Im Kreis Cloppenburg und Vechta gibt es neue Allgemeinverfügungen.

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Symbolfoto: dpa

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Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Sars-CoV-2 Erreger in Deutschland ist erstmals seit Pandemiebeginn auf mehr als 10.000 registrierte Fälle binnen 24 Stunden gestiegen. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Morgen mitteilte, wurden 11.287 neue Corona-Fälle erfasst. Der bisherige Rekordwert hatte am Samstag (17. Oktober) bei 7830 Infektionen binnen eines Tages gelegen.

392.049 Corona-Fälle seit Pandemiebeginn

Seit Beginn der Pandemie registrierte das RKI in Deutschland 392.049 Infektionen mit dem Coronavirus. Die Zahl der mit dem Coronavirus stehenden Todesfälle wuchs auf 9905 - das sind 30 mehr als am Vortag. Die Zahl der Genesen lag laut Angabe etwa bei 302.100.

Am Donnerstag vergangener Woche waren mit 6638 Fällen erstmals mehr als im Frühjahr gemeldet worden. Die jetzigen Werte sind allerdings nur bedingt mit denen aus dem Frühling vergleichbar, weil mittlerweile wesentlich mehr getestet wird - und damit auch mehr Infektionen entdeckt werden.

Experten zufolge sind die neu gemeldeten Infektionen wegen der Zeit zwischen Ansteckung, Test, Ergebnis und Meldung ein Hinweis darauf, wie stark das Virus vor etwa einer Woche in der Gesellschaft unterwegs war. Deshalb dauere es auch, bis sich politische Maßnahmen in den Meldezahlen niederschlagen könnten.

Lage im Oldenburger Münsterland spitzt sich ebenfalls zu

Im tief roten Bereich liegen derzeit die Inzidenzwerte der Landkreise Cloppenburg und Vechta.  Am Donnerstag gibt das Robert-Koch-Institut für den Kreis Cloppenburg  (Stand: 0 Uhr) 101,9 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen 7 Tagen aus. Aktuell gibt es im Kreisgebiet 579 aktive und nachgewiesen Corona-Fälle. Wegen der steigenden Infektionszahlen - am Mittwoch verzeichnete der Kreis Cloppenburg 56 neue, positive Ergebnisse aus 11 Städten und Gemeinden - erlässt die Kreisbehörde eine neue Allgemeinverfügung, die am Freitag (23. Oktober) in Kraft tritt. So sind Zusammenkünfte und Ansammlungen in privaten Räumlichkeiten, auf privaten Grundstücken sowie im öffentlichen Raum auf höchstens 6 Personen aus 6 Hausständen begrenzt. Bei Treffen von 2 Hausständen liegt die Obergrenze bei 10 Personen. Ausnahme: Treffen von Familien in gerader Linie. "Also dürfen zum Beispiel Großeltern ihre Kinder und Enkel einladen. Es ist auch möglich, dass sich Geschwister und ihre Lebenspartner untereinander treffen und dabei die Grenze von 10 Personen überschreiten, die Kinder der Geschwister dürfen allerdings nicht am Treffen teilnehmen, da sie nicht in gerader Linie mit den Einladenden verwandt sind. Es zählt jeweils der Hausstand, bei dem die Zusammenkunft stattfindet", erklärt Kreissprecher Sascha Rühl.
Alle weiteren Punkte der Allgemeinverordnung finden Sie hier

Auch der Landkreis Vechta - mit einem Inzidenzwert von 138,6 (RKI, Donnerstag, 22. Oktober, 0 Uhr) reagiert auf die rasant ansteigenden Infektionszahlen mit einer neuen Allgemeinverfügung, die ebenfalls am Freitag (23. Oktober) gilt und löst die alte Verfügung ab. Demnach dürfen sich nur noch höchstens 6 Personen aus 2 Haushalten treffen- egal ob in privaten Räumen, draußen oder in der Öffentlichkeit. Grund dafür sind unter anderem die am Mittwoch gemeldeten 66 Neuinfektionen des Landkreises - ein neuer Rekordwert seit Pandemiebeginn.

Nach Berechnungen des RKI (Donnerstag, 22. Oktober, 0 Uhr) hat der Landkreis Vechta die kreisfreie Stadt Delmenhorst bei der Inzidenzzahl - den Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen 7 Tagen - überholt und ist damit nach Angabe des RKI niedersachsenweit Spitzenreiter.

RKI appelliert an Bevölkerung, sich an Infektionsschutz zu halten

Mit Blick auf stetig steigenden Fallzahlen will das Robert-Koch-Institut heute in einem Presse-Briefing im Online-Format zur Entwicklung der Pandemie in Deutschland informieren. RKI-Präsident Lothar Wieler hatte zuletzt den Ernst der aktuellen Lage betont.

"Aktuell ist ein beschleunigter Anstieg der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten", schreibt das RKI in seinem Lagebericht. "Daher wird dringend appelliert, dass sich die gesamte Bevölkerung für den Infektionsschutz engagiert." Dazu zählt das RKI unter anderem Abstands- und Hygieneregeln auch im Freien, das Lüften von Innenräumen und - wo geboten - eine Mund-Nasen-Bedeckung.

Seit Anfang September schwankt die Zahl der Coronatests pro Woche zwischen 1,1 und 1,2 Millionen - mit ganz leicht steigender Tendenz. Die Positivenrate ist in der Zeit jedoch von 0,75 auf 3,63 Prozent gestiegen. Seit zwei Wochen steigt der Probenrückstau erneut an. Einige Labore wiesen auf Lieferschwierigkeiten für Arbeitsmaterialien hin.

Knapp ein Drittel der Kreise und Städte überm Schwellenwert

Zuletzt lagen knapp ein Drittel aller vom RKI erfassten Kreise und Städte über dem Schwellenwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche, ab dem vielerorts verschärfte Infektionsschutzmaßnahmen greifen. Bei rund 30 Kreisen und Städten lag der Wert sogar über 100.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag in Deutschland laut RKI-Lagebericht bei 1,09 (Vortag: 1,25). Das bedeutet, dass 10 Infizierte knapp 11 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI in seinem Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen liegt dieser Wert nun bei 1,17 (Vortag: 1,23). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat Corona

Nach der Corona-Infektion von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die das Bundesgesundheitsministerium am Mittwochnachmittag bekannt gab, werden nun die Testergebnisse der anderen Kabinettsmitglieder erwartet.

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung sollen sich alle testen lassen, die mit ihm am Mittwoch an der Kabinettssitzung im Kanzleramt teilgenommen hatten.

Franziska Giffeys (SPD) Test fiel negativ aus

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) war bereits mit einem Schnelltest am späten Mittwochnachmittag negativ getestet worden, wie eine Sprecherin der dpa gesagt hatte. Ein weiterer Schnelltest sollte noch folgen. Giffey hatte am Freitag bei einer Pressekonferenz sehr lange mit Spahn zusammen auf dem Podium gesessen.

Das Kabinett als Ganzes soll aber nicht in Quarantäne gehen. Ein Regierungssprecher erklärte, es tage unter Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln, die darauf abzielten, dass auch bei Anwesenheit einer infizierten Person eine Quarantäne anderer oder gar aller Teilnehmer nicht erforderlich werde. Bei der Sitzung abwesend waren laut "Bild" die Minister Heiko Maas (Äußeres, SPD), Hubertus Heil (Arbeit und Soziales, SPD) und Julia Klöckner (Agrar, CDU).

"So ein physisches Treffen mitten in Berlin, in so einer Zeit, mit so vielen Menschen mit so vielen Kontakten ist in meinen Augen ein riskantes Unterfangen"Alexander Graf Lambsdorff, FPD-Fraktionsvize

Der FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff äußerte sich kritisch über die Art der Sitzung: "So ein physisches Treffen mitten in Berlin, in so einer Zeit, mit so vielen Menschen mit so vielen Kontakten ist in meinen Augen ein riskantes Unterfangen", sagte er "Bild Live". Ähnlich wie zuvor der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte er eine regelmäßige Testung der Kabinettsmitglieder, etwa täglich.

Spahn, der als Gesundheitsminister in der Pandemie eine zentrale Rolle spielt, hat sich als erstes Mitglied des Bundeskabinetts angesteckt. Sein Ministerium teilte mit, er habe am Mittwochnachmittag Erkältungssymptome bekommen, sich direkt testen lassen und dann nach dem positiven Ergebnis umgehend zuhause isoliert. Alle Kontaktpersonen sollten informiert werden.

"Ich bin in häuslicher Isolation und erhole mich mit aktuell nur Erkältungssymptomatik."Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister am Mittwochabend

Am Abend bedankte sich der 40-Jährige via Twitter für die vielen Genesungswünsche. "Ich bin in häuslicher Isolation und erhole mich mit aktuell nur Erkältungssymptomatik." Er wünsche allen, mit denen er Kontakt hatte, dass sie gesund blieben.

Zuvor hatte neben Kanzlerin Angela Merkel und vielen anderen auch der CDU-Vorsitzkandidat Friedrich Merz Spahn alles Gute gewünscht. "Lieber Jens Spahn, ich weiß aus eigener Erfahrung wie unangenehm eine Infektion mit Corona sein kann. Ich wünsche Dir einen milden Verlauf und baldige Genesung!", schrieb er auf Twitter.

Lambsdorff, der im März ebenfalls an Covid-19 erkrankt war, riet Spahn bei "Bild Live": "Lass' auch mal ein Meeting aus, achte auf deinen Körper, schone dich. Aber sobald das Gefühl eintritt, es könnten tatsächlich die Atemwege befallen sein, sobald Luftnot auftritt, muss man sofort den Notarzt rufen und ins Krankenhaus." Er selbst habe nach einer Woche einen Tag mit mehreren Fieberepisoden erlebt, danach sei die Krankheit auskuriert gewesen. Spätfolgen habe er keine.

Verbandschefin der Ärzte: tägliche Neuinfektionen könnten auf 19.000 steigen

Spahns Infektion fällt zusammen mit dem dramatischen Anstieg der Fallzahlen. Deutschland liegt inzwischen über dem politisch festgesetzten Warnwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen.

Die Verbandschefin der Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst hält das Szenario von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht für übertrieben, dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Deutschland auf mehr als 19.000 steigen könnte. Sie habe das "zunächst für unwahrscheinlich gehalten", sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Aber so wie die Dinge derzeit verlaufen, halte ich das inzwischen für eine realistische Einschätzung." Am Mittwochmorgen lag die Zahl bei 7595.

Über die Entwicklung informiert das Robert Koch-Institut (RKI) heute in einem Presse-Briefing. RKI-Präsident Lothar Wieler hatte zuletzt den Ernst der aktuellen Lage betont. Einige Städte und Kreise sind nach RKI-Angaben derzeit damit überfordert, den vorgeschriebenen Infektionsschutz in der Pandemie vollständig zu gewährleisten. Die Engpässe umfassten etwa die Ermittlung von Fällen und die Nachverfolgung von Kontaktpersonen.

Höchststände bei den Corona-Infektionen in mehreren Regionen Deutschlands haben inzwischen zu neuen, teils massiven Einschränkungen für Bürgerinnen und Bürger geführt. Im am schlimmsten betroffenen Kreis Berchtesgadener Land in Bayern dürfen die Menschen die Wohnung nur noch aus triftigen Gründen verlassen. Schulen, Kitas, Freizeiteinrichtungen und Restaurants müssen geschlossen bleiben.

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