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Medikamentenbeschaffung: Union fordert Bund-Länder-Gipfel

Fiebersäfte und andere Medikamente für Kinder sind derzeit in vielen Apotheken nicht zu bekommen – und das während einer akuten Krankheitswelle. Schaltet sich die Regierung ein?

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Medikamente für Kinder sind in Deutschland derzeit knapp. Foto: dpa/Riedl

Medikamente für Kinder sind in Deutschland derzeit knapp. Foto: dpa/Riedl

Angesichts von Lieferproblemen bei Medikamenten für Kleinkinder hat die Union umgehende Maßnahmen gefordert. "Noch vor Jahresende muss es einen Beschaffungsgipfel von Bund und Ländern geben, in dem Sofortmaßnahmen für diesen Winter koordiniert werden", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Tino Sorge (CDU), dem Nachrichtenportal t-online. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) müsse sich "schnellstens" mit Ländern, Herstellern und Großhändlern abstimmen, sich bei Nachbarländern um übergangsweise Lieferungen bemühen und so rasch wie möglich einen Planungs- und Beschaffungsstab einrichten, forderte Sorge.

Mittlerweile müssten Eltern im Ausland nach Medikamenten suchen. Wichtige Kinderarzneimittel, vor allem Fiebersenker, Antibiotika oder Hustenmittel, müssten jetzt zentral vom Bundesgesundheitsministerium gekauft, gelagert und verteilt werden, forderte Sorge.

Kinderärzte-Verband fordert Beschaffungsaktion

Auch der Kinderärzte-Verband verlangte eine von der Politik angeschobene Beschaffungsaktion, um schnell an Fiebersaft, bestimmte Antibiotika und andere selten gewordene Präparate für kleine Kinder zu kommen. Da aktuell sehr viele Kinder krank seien, erlebe man eine sehr hohe Nachfrage etwa nach fiebersenkenden Medikamenten, sagte Verbandspräsident Thomas Fischbach der "Rheinischen Post" (Donnerstag). Eine Festpreisregelung habe zum Abwandern der Produktion in Billiglohnländer wie Indien und China geführt, wo es nun Lieferkettenprobleme gebe, die zu Engpässen führten.

Auch bei manchen Medikamenten für Erwachsene hatte es zuletzt Lieferengpässe gegeben. Die Bundesregierung will als Reaktion das Vergaberecht ändern. Ziel ist laut Gesundheitsministerium, Lieferketten breiter anzulegen, damit die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern abnimmt.

Weitere Unterstützung für überlastete Kindermedizin

Derweil plant das Gesundheitsministerium weitere Unterstützung für überlastete Kinderarztpraxen und Kinderstationen. In Kinderkliniken könnten zusätzliche Honorarkräfte in der Pflege angeworben werden und seien dann zu hundert Prozent abrechenbar, hieß es am Donnerstag aus dem Ministerium. Für Ärzte und Ärztinnen in Kinderpraxen sollen zudem Mehrleistungen nach festen Preisen komplett honoriert werden – ohne Abschläge wegen Budgets mit Obergrenzen. Um die Kinderheilkunde für Ärzte attraktiver zu machen, soll dieser Bereich auch dauerhaft von Vergütungsbudgets ausgenommen werden.

Falls bisherige Maßnahmen nicht reichen sollten, wäre auch denkbar, verschiebbare Eingriffe in der Erwachsenenmedizin für eine begrenzte Zeit ganz auszusetzen. Noch werde diese Situation nicht gesehen, dies könnte aber sofort veranlasst werden. Es werde alles getan, um diese Krise für die Kinder zu überwinden, hieß es aus dem Ministerium weiter. Bereits eingeleitete Maßnahmen hätten auch schon gewirkt – etwa das Aussetzen von Mindest-Personalvorgaben, um Pflegekräfte für bestimmte Standardaufgaben in Kinderstationen umzusteuern.

Viele Kinderpraxen und Kinderstationen sind aktuell extrem überfüllt. Experten berichten unter anderem von einer Welle an Infektionen mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV), das für Babys gefährlich sein kann.

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