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Medenbachs Tipp: Biden macht's

Anlässlich der US-Präsidentschaftswahl präsentieren wir Menschen aus der Region, die sich in den USA auskennen. Nun kommt Dr. Klaus Medenbach aus Damme zu Wort.

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Dr. Klaus Medenbach ist davon überzeugt, dass Joe Biden der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden wird. Foto: Lammert

Dr. Klaus Medenbach ist davon überzeugt, dass Joe Biden der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden wird. Foto: Lammert

7 US-amerikanische Präsidenten hat der gebürtige Dammer Dr. Klaus Medenbach als Bürger von Huntsville im US-Bundesstaat Alabama erlebt, seitdem er seit 1979 etwa 7 Monate im Jahr in der Stadt lebt. Von Jimmy Carter bis Donald Trump. Behält der Urologe und Sohn des früheren Dammer Erzbergwerkdirektors Dr. Friedrich Medenbach mit seiner Prognose Recht, dann wird Joe Biden mit seiner Amtseinführung am 20. Januar 2021 der 8.  Präsident sein.

Denn der 77-jährige Dr. Medenbach geht davon aus, dass der demokratische Herausforderer Amtsinhaber Donald Trump von den Republikanern schlagen wird.  Selbst wenn die Mehrheit der Wähler in Alabama wohl für Trump votieren und der damit die Stimmen der neun Wahlmännern erhalten wird. Allerdings: Es wären eben nur 9 von insgesamt 538 Wahlmännern, die den neuen Präsidenten ins Amt heben.

Harris als Vizepräsidentin – ein kluger Schachzug

Biden verhalte sich durchaus geschickt, lasse sich politisch nicht in eine Ecke drängen, sondern bewahre den Abstand zu den linken und ganz linken Gruppen in der Demokratischen Partei, konstatiert der Urologe. Zudem sei es ein kluger Schachzug gewesen, Kamala Harris zur Vizepräsidentenkandidatin zu machen. Damit habe er vielen Amerikanern die Sorge genommen, wie es weitergehen würde, wenn Biden während der Amtszeit zurücktreten müsste.

Außerdem werde ihm die Nominierung wohl zusätzliche Stimmen der Wähler mit asiatischen Wurzeln und der schwarzen Wähler bringen. Die Schwarzen zählt Dr. Medenbach neben den Hispanics mit zu den ganz wichtigen Wählergruppen. Und er erwartet, dass die Bewegung „Black Lives Matter“ viele der schwarzen Wähler an die Urnen bringen wird. Auch die dürften mehrheitlich für Biden votieren. Denn Trumps Politik ziele eindeutig darauf, den in den vergangenen Jahren schwindenden Einfluss der weißen Bevölkerung in den Staaten wieder zu stärken und langfristig zu sichern.

Auf die Frauen kann Trump nicht mehr vertrauen

Mit der inzwischen erfolgten Ernennung Amy Coney Barretts als Richterin am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten versuche Präsident Trump nun, bei Frauen Boden gutzumachen. Die als streng konservativ geltende Barrett, die auch eine Abtreibungsgegnerin ist, könnte dem Präsidenten tatsächlich Stimmen zum Beispiel von strenggläubigen Katholikinnen bringen, meint Dr. Medenbach. Doch er erwartet insgesamt, dass die Zahl der Frauen, die Trump wählt, deutlich geringer sein wird als vor vier Jahren.

2016 stimmten zum Beispiel 53 Prozent der weißen Wählerinnen für ihn. Solche Werte werde er nicht mehr erreichen – wegen seiner vielen frauenfeindlichen Aussagen, glaubt Dr. Medenbach. Außerdem erwartet er für den Präsidenten große Probleme in den sogenannten Swing-States. Das sind die Bundesstaaten, in denen keine der beiden Parteien auf feste Mehrheiten bauen kann.

Die Menschen in Pennsylvania etwa könnten enttäuscht sein, weil die Industrie nicht den Aufschwung genommen hat, den Trump versprochen habe. Aber auch Ohio und Florida, die er 2016 gewonnen habe, könnten dieses Mal mehrheitlich für Biden sein. Ein schwerer Fehler Trumps sei es zudem gewesen, die Arbeitslosenhilfe von 600 Dollar pro Woche, die es zu Beginn der Corona-Pandemie gegeben habe, nicht verlängert zu haben, sagt Dr. Medenbach.

11 Prozent Arbeitslosigkeit – das kostet Stimmen

Auch bleibe ein staatliches Unterstützungsprogramm aus, wobei dafür allerdings die Demokraten mitverantwortlich seien, weil sie sich mit den Republikanern nicht hatten einigen können. Auf jeden Fall werde sich die wegen der Corona-Krise und deren Folgen auf 11 Prozent gestiegene Arbeitslosigkeit in den USA negativ auf die Chancen Trumps auswirken. Denn die Entwicklung der Arbeitslosigkeit sei für viele US-Amerikaner ein mitentscheidendes Wahlkriterium.

Stichwort Corona: Für den gebürtigen Dammer steht fest, dass die Pandemie dem Präsidenten und seinem Ansehen geschadet hat. So habe er es anfangs abgelehnt, Corona-Tests aus Deutschland zu beziehen, weil er auf amerikanische setzte. Die hätten sich aber als fehlerhaft erwiesen, was die USA bei der Bekämpfung der Pandemie zunächst zurückgeworfen habe. Auch habe Trumps Umgang mit den Medizinern viele Amerikaner erschreckt.

Nicht nur Corona wird Trump den Sieg kosten 

Dr. Medenbach ist auch nicht der Ansicht, dass Trump ohne die Pandemie den Wahlsieg in der Tasche hätte, weil, wie seine Anhänger sagen, seine Wirtschaftspolitik erfolgreich gewesen ist: „Er lag auch schon vor Corona in den Umfragen hinter Biden.“ Und er teile auch nicht die Ansicht, dass Trump das Land wirtschaftlich vorangebracht habe. Im Gegenteil, während dessen Präsidentschaft sei die Schere zwischen Armen und Reichen noch weiter auseinandergegangen.

Allerdings räumt Dr. Medenbach als sehr guter Kenner der USA ein: Die Vereinigten Staaten sind nicht erst seit Donald Trump ein gespaltenes Land. Das sei unter dessen Vorgänger Barack Obama nicht anders gewesen. Mit Sorge beobachte er jedoch, dass bei Gesprächen politische Themen ausgeklammert würden, um Freundschaften nicht zu gefährden.

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