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Mario Czaja muss in Lüsche die Karten offen legen

Der CDU-Generalsekretär war Stargast der Talkreihe "An der Theke mit Silvia Breher und Gästen". Witzige Anekdoten gab es auch von den lokalen Originalen. Ebenso ging es um den laufenden Wahlkampf.

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In Thekenlaune: (von links) Bakums Bürgermeister Tobias Averbeck, Miranda Koene (Sozialdienst katholischer Frauen), Christine Schmitz (Kirmesausschuss Lüsche), André Hüttemeyer (CDU-Landtagskandidat, vorn), CDU-Generalsekretär Mario Czaja (hinten), Silvia Breher (CDU-Bundestagsabgeordnete), Torsten Goy (Bakumer Germanen) und Marlies Aschern (Dorfgemeinschaft Carum). Foto: Scholz

In Thekenlaune: (von links) Bakums Bürgermeister Tobias Averbeck, Miranda Koene (Sozialdienst katholischer Frauen), Christine Schmitz (Kirmesausschuss Lüsche), André Hüttemeyer (CDU-Landtagskandidat, vorn), CDU-Generalsekretär Mario Czaja (hinten), Silvia Breher (CDU-Bundestagsabgeordnete), Torsten Goy (Bakumer Germanen) und Marlies Aschern (Dorfgemeinschaft Carum). Foto: Scholz

Spitzenpolitiker lüften lustige Geheimnisse, lokale Originale geben witzige Anekdoten zum Besten – und bei aller lockeren Stimmung kommen ernste Themen nicht zu kurz. Diese Mischung gab es auch dieses Mal, als es hieß: „An der Theke mit Silvia Breher und Gästen“. Die CDU-Bundestagsabgeordnete für Cloppenburg-Vechta hatte am Donnerstagabend zur neuen Auflage ihrer Talkreihe nach Lüsche in den Gasthof Evers geladen.

Mit dabei: der Shanty-Chor „Dei Binnenshippers“, der Lieder – oft mit abgewandeltem Text – passend zu den Gästen vorsingt. So wurde der Stargast des Abends, CDU-Generalsekretär Mario Czaja, mit „Das ist die Berliner Luft“ empfangen – und er zeigte sich auf dem Barhocker am Tresen in Plauderlaune vor den etwa 80 Gästen des Abends.

Breher sagte zu ihm: „Bei mir an der Theke werden die Karten auf den Tisch gelegt.“ Dann wollte sie von Czaja wissen, wann und wo ihn CDU-Chef Friedrich Merz gefragt habe, ob er Generalsekretär der Partei werden wolle. „Gefragt hat er mich in seiner Wohnung“, berichtete Czaja. Als Merz ein paar Tage davor angerufen habe, da habe Czaja zu seiner Ehefrau gesagt: „Ich glaube, ich weiß, was der will.“ Seine Ehefrau aber habe ihm gesagt: „Nein, niemals. Der fragt doch bestimmt eine Frau.“ Das sorgte für Lacher und Applaus im Publikum.

Czaja berichtet auch von seiner Jugend in der DDR

Merz habe ihm dann doch „die Frage aller Fragen gestellt“, erzählte Czaja – und er habe sich 24 Stunden Bedenkzeit erbeten. Breher war neugierig, was Czajas Frau schließlich zu dem Angebot gesagt habe. Die habe mit diesen Sätzen reagiert, antwortete Czaja: „Wird wohl so sein. Du hast mich ja sonst auch nicht gefragt.“

Czaja berichtete auch von seiner Jugend in der DDR – von seiner Außenseiterrolle als Katholik in der Schule in Ostberlin, von versperrten Lebenswegen für diejenigen, die keiner SED-Organisation für junge Leute angehörten und dass er, als er 12 oder 13 Jahre alt war, Theologie studieren wollte. Beim Mauerfall war er 14, im Jahr 1992 gründete er die örtliche JU und trat in die CDU ein. Als er 1999 erstmals für das Berliner Abgeordnetenhaus kandidierte, lernte er Gregor Gysi kennen – und seither verbindet ihn mit dem Linken-Politiker ein freundschaftliches Verhältnis. Auch dazu gab es unterhaltsame Einblicke. Kurios war auch: Czajas Nachbarn in Berlin kommen aus Cloppenburg und Vechta.

Großen Applaus gab es zur Begrüßung von Christine Schmitz vom Kirmesausschuss Lüsche, die auch die „einzige weibliche Stadionsprecherin“ in der Region sei, wie Breher sagte. Schmitz gab eine Kostprobe ihrer stimmlichen Fähigkeiten. Und für ein anerkennendes Raunen sowie neuen Applaus sorgte Schmitz, als sie sagte, dass am Montag der Lüscher Kirmes von etwa 50 Ehrenamtlichen „locker“ 1300 der traditionellen Pfannkuchen gebacken werden. Die Lacher hatte Schmitz beim Spiel mit den drei schnellen Antworten, dem sich alle Gäste Brehers stellen müssen, auf ihrer Seite. Auf Brehers Frage, welche drei Frauen Schmitz noch kennenlernen möchte, antwortete sie: „Frauen? Wüsste ich nicht.“

Bakums Bürgermeister Tobias Averbeck erklärte, dass er seine Rolle in der Gemeindepolitik als „eine Art Schiedsrichter“ sehe. Breher sagte spaßeshalber, sie habe sich gefragt, ob er seit dem Abriss des Ratssaals alleine regiere, Averbeck versicherte: „Wir bauen einen neuen Ratssaal“. Das sage er, bevor die Idee von einem SPD-Ratsherrn komme.

Wie Beruf, Familie und Politik unter einen Hut zu bringen sind

Das klang dann doch nach einem kleinen Wahlkampf-Seitenhieb vom „Schiedsrichter“, der der CDU angehört. Und: Natürlich spielte Parteipolitik immer wieder eine Rolle an dem Abend. Zu den Gästen von Breher, die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende ist, gehörte auch der CDU-Kreisvorsitzende und Landtagskandidat André Hüttemeyer.

Im Gespräch zwischen Breher und ihm ging es zunächst darum, wie Familie, Beruf und das Dasein als Politiker unter einen Hut gebracht werden können. Er habe zwei kleine Kinder, sagte Breher und wollte wissen, „wie gefrustet“ seine Frau inzwischen sei – in Wahlkampfzeiten mit prallem Terminkalender. Er versuche, wo es gehe, seine Abwesenheit wiedergutzumachen, sagte Hüttemeyer und ergänzte, das sei „morgens vor allem und auch nachts“. Das rief freudiges Klatschen und Lachen im Publikum hervor. Wie alle lokalen Gäste musste auch Hüttemeyer auf die Frage antworten, was die Menschen im Oldenburger Münsterland zusammenhalte. Er nannte die Hilfsbereitschaft und Bodenständigkeit.

Eine Asterix-Figur ist der Talisman von Breher

Miranda Koene vom Vorstand des Sozialdienstes katholischer Frauen (Skf) berichtete nicht nur von ihrer Arbeit, sondern auch von ihrer Leidenschaft: dem Kochen. Und der beste Tipp für gestresste Mütter, wenn es um das Zubereiten von Gerichten geht, sei: „Es muss Spaß machen.“ Koene, die aus den Niederlanden stammt, sagte über ihre neue Heimat: „Auch wenn man anders ist, man wird akzeptiert.“

Torsten Goy, Präsident der „Bakumer Germanen“ berichtete über das soziale Engagement des Fanclubs des 1. FC Bayern München, der mittlerweile etwa 700 Mitglieder habe. Goy, der Koch in der Justizvollzugsanstalt für Frauen in Vechta ist, wurde auch als derjenige vorgestellt, der im Festzelt am Stoppelmarktmontag für die leckere Fitzebohnesuppe sorgt.

Marlies Aschern, Vorsitzende der Dorfgemeinschaft Carum, erzählte von ihren Begegnungen mit dem Modeschöpfer Karl Lagerfeld und dem Schauspieler Heinz Rühmann – als sie die erste Frau war, die im Hamburger Grandhotel „Vier Jahreszeiten“ die Gäste bedienen durfte. Später ging es zurück nach Carum – in die Landwirtschaft.

Breher hat von Aschern zu Beginn ihrer politischen Karriere einen Talisman erhalten: eine Asterix-Figur – als Symbol für das sprichwörtlich gewordene gallische Dorf, das seine Eigenarten bewahrt und sich jedem Widerstand beherzt entgegensetzt. So sieht sich schließlich auch das Oldenburger Münsterland insgesamt. Und Breher sagte, sie trage die Asterix-Figur immer mit sich.

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