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"Man hat uns nicht gefragt!"

Meine Woche: Das Impfchaos – aufgrund ausbleibender Impfstofflieferungen können die Impfzentren nicht wie am Fließband arbeiten. Hätte man doch nur die Landkreise vorher in die Planung einbezogen ...

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Es ist ein Satz, der mich gedanklich nicht wieder loslässt, der fast jeden Tag wiederkehrt. Vechtas Erster Kreisrat Hartmut Heinen sprach die Worte aus, als er das durch die niedersächsischen Landesbehörden verursachte Impfterminvergabechaos und die doppelten Impfbenachrichtigungen sowie die Lage in einem aufgrund ausbleibender Impfstofflieferungen zur Untätigkeit und heute zum „Intervallimpfen“ verdammten Impfzentrum einordnen sollte. Auf meine Frage, ob man das alles nicht hätte besser machen können, die Behörden vor Ort hätten doch Expertise genug, meinte er achselzuckend: „Man hat uns nicht gefragt!“

Man muss diese Worte nachhallen lassen. Es gibt also keine Kommunikation (mehr) zwischen den Behörden, die uns Bürger verwalten sollen, die unser Leben jeden Tag stark beeinflussen? Dass das so ist – nicht nur im Fall der Bekämpfung des Coronavirus – dieses bittere Gefühl hat der Bürger schon seit langem. Ständig „versickern“ Anträge im Ämternirwana der Zuständigkeiten und in einem immer grotesker werdenden Formularfetischismus. Kein Wunder, dass die Bearbeitung von Anträgen, in die Land und Bund involviert sind, unendlich lange Zeit dauert. Und wenn der Bescheid endlich kommt, haben „die da oben“ garantiert eine neue, interne Dienstvorschrift – vorzugsweise von der EU – von der „die da unten“ noch gar nichts gewusst haben. Und mit „die da unten“ sind seit Heinens Satz beileibe nicht nur treu-dumme Staatsbürger, längst auch die Behörden vor Ort gemeint.

Was läuft da falsch? Wer verhindert Kommunikation? Sind es Juristen, die jede gute praktische Idee mit ihren Rechtsvorschriften und den darauf aufbauenden Formularen zertrümmern? Oder ist es schlicht eine unfähige Landes-, Bundes- und EU-Verwaltung, in der wenig lebenserfahrene Menschen (Schule – Studium – Behörde, aber immerhin mit einem halben Jahr Praktikum) tätig sind? Grüßt da nicht der sprichwörtliche Elfenbeinturm?

„Wir wurden nicht gefragt!“ Der Satz hallt nach – und macht mich sauer. Das muss sich ändern. Der Ansatz für einen neuen Geist in Behörden ist schnell gefunden. Stellt künftig nur Leute ein, die mehr als „irgendwo“ – und auf keinen Fall in einer Verwaltung (!) – ein Wochenpraktikum gemacht haben. Gesunder Menschenverstand und Kommunikation halten dann ganz von allein Einzug in die Amtsstuben.

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