Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Löninger CDU-Nachwuchs kritisiert Impfstrategie

Wer einen Angehörigen zu Hause pflegt, steht beim Impfen nicht auf einer Stufe mit ambulanten oder stationären Pflegekräften. Die Junge Union Löningen findet das ungerecht.

Artikel teilen:
Foto: Vorwerk

Foto: Vorwerk

Pflegende Angehörige und privat beschäftigtes Pflegepersonal sollen Corona-Schnelltests nicht mehr aus eigener Tasche bezahlen müssen. Außerdem sollen sie beim Impfen bevorzugt werden. Beides hat jetzt die Junge Union Löningen gefordert. „Die Mehrheit der zu Pflegenden wird zu Hause betreut. Bei der Impfstrategie muss dies auch berücksichtigt werden“, sagt JU-Vorsitzende Mareike Lampe.

Die Studentin hilft selbst bei der 24-Stunden-Betreuung eines schwerbehinderten Kindes. Wegen seines Alters muss das Mädchen voraussichtlich noch lange auf seine Covid-Impfung warten. Aber auch die Eltern, die sich größtenteils um die Versorgung ihrer Tochter kümmern, sowie die täglich eingesetzten Pflegekräfte genießen keine Vorzugsbehandlung. „Bei ihnen gilt die Stufenregelung nach Alter und Gesundheitszustand“, erklärt Mareike Lampe. Sie findet das nicht richtig. „In der Pandemie stehen vor allem die Altenheime im Fokus.“ Laut Robert- Koch-Institut fänden die meisten Infektionen jedoch im häuslichen Umfeld statt. Erst danach folgten die Senioreneinrichtungen.

Pflegende Angehörige sind auch ohne Corona besonders stark belastet. „Viele nehmen soziale und berufliche Einschränkungen in Kauf“, weiß Lampe. Das Virus habe sie in eine noch größere Isolation gezwungen. „Eine zeitnahe Impfung würde ihnen ein Stück Normalität ermöglichen“, erklärt die JU-Vorsitzende. Gleiches gelte für Angestellte im Haus. Sie übernähmen oft Aufgaben, bei denen der Corona-Mindestabstand nicht eingehalten werden könne.

Häusliche Pflege häufig durch Frauen aus Osteuropa

In der häuslichen Pflege sind häufig Frauen aus Osteuropa beschäftigt. Sie wohnen meistens mit im Haushalt. Bleibt das Heimatland ihr erster Wohnsitz und sind sie nur dort krankenversichert, haben sie keinen Anspruch auf eine Covid-Impfung in Deutschland. Ein Problem dürfte auch die Dunkelziffer sein, denn nicht jede Pflegekraft wird von ihren Arbeitgebern korrekt angemeldet.

„Das ist ein heikler Bereich“, bestätigt Anne Rameil, Inhaberin eines ambulanten Pflegedienstes in Löningen. Auch sie ist der Meinung, dass pflegende Angehörige bei der Impfung mit Pflegekräften in Heimen gleichzusetzen sind. Ihre eigenen Mitarbeiterinnen haben die erste Impfung mittlerweile hinter sich (siehe Nachgefragt).

Verteilt werden kann der Impfstoff allerdings nur dann, wenn er auch da ist. Solange die Lieferungen weiterhin stocken, müssen praktikable Übergangslösungen gefunden werden. Mehr Schnelltests lautet eine Forderung, doch bislang ist der Zugang begrenzt. Ambulante Pflegedienste müssen ihre Beschäftigten seit Neuestem täglich testen. Das koste nicht nur Zeit, sondern auch Geld, sagt Anne Rameil. Denn die Rückerstattungen seien keinesfalls kostendeckend.

Pflegenden Angehörigen fehlt Zugang zu Schnelltests

Beim Thema Testen komplett außen vor sind erneut die pflegenden Angehörigen. Ihnen fehlt der Zugang zu Antigen-Schnelltests. Immerhin das soll sich bald ändern. Das Bundesgesundheitsministerium plant eine Änderung der „Medizinprodukte-Abgabeverordnung“, wonach einfach zu handhabende Tests auch an Privatleute verkauft werden dürfen. Die Frage bleibt, wer sie bezahlt. Mareike Lampe sieht die Krankenkassen in der Pflicht.

Es gelte, eine Infektion frühzeitig zu erkennen. „Ansonsten kann eine Rund-um-Betreuung zu Hause nicht mehr gewährleistet werden.“ Ein stationärer Aufenthalt wäre dann unumgänglich, sagt Lampe. Falls denn ein Platz zur Verfügung stehe.


„Nachgefragt“ bei Anne Rameil, Pflegedienstleiterin

Sind Sie mit der Impfstrategie des Landkreises zufrieden?

Ja, wir als ambulanter Dienst durften uns beim Löninger Seniorenheim anhängen. Es ging überraschend schnell, bald steht schon die zweite Runde an. Auch die lokalen Impfzentren und die Benachrichtigungen der Senioren durch die Gemeinden sind richtig. Es ist Menschen ab einem bestimmten Alter nicht mehr zuzumuten, sich bei einer Hotline   melden zu müssen.

Wie hoch war die Impfbereitschaft bei Ihren Mitarbeitern?

Sie lag bei 100 Prozent. Ich denke, es war wichtig, dass ich meine Beschäftigten früh über die Wirkung des Impfstoffes informiert habe und auch bei Fragen und Bedenken zur Verfügung stand. Die mangelnde Impfbereitschaft unter manchen Kollegen und Kolleginnen kann ich dagegen nicht nachvollziehen.

Sie kritisieren die neue tägliche Testpflicht, warum?

Zuvor mussten wir zweimal wöchentlich testen. Monatlich waren das 90 Stunden, die nur dafür draufgingen. Jetzt dürfte es die dreifache Zeit sein. Die Pflegekräfte sind aber total überlastet. Mehr als arbeiten geht nun einmal nicht.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Löninger CDU-Nachwuchs kritisiert Impfstrategie - OM online