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Lohner Schüler quetschen Politiker über Rente aus

Die Bundestagskandidaten der Region von AfD, CDU, FDP, Linke und SPD standen Lohner Gymnasiasten Rede und Antwort. Erstmals diskutieren alle Politiker vor der Bundestagswahl im September gemeinsam.

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Gaben in Lohne bereitwillig Antwort (von links): Tanja Meyer (Grüne), Silvia Breher (CDU), Carolin Abeln (FDP) und Alexander Bartz (SPD). Foto: M. Niehues

Gaben in Lohne bereitwillig Antwort (von links): Tanja Meyer (Grüne), Silvia Breher (CDU), Carolin Abeln (FDP) und Alexander Bartz (SPD). Foto: M. Niehues

Manchmal lagen die Politiker inhaltlich näher beieinander, als geglaubt. Beim Thema Rente kochte die Stimmung dann aber doch hoch. "Die Politik beutet die Leute aus, die sich nicht wehren können", schimpfte Waldemar Herdt aufgebracht. Es sei eine "Schande in unserem Land", wie mit Rentnern umgegangen werde. Das System müsse komplett geändert werden. Statt Geld für Corona-Hilfen auszugeben, solle das Rentenniveau erhöht werden. Eine Grundrente müsse her.

Die emotional vorgetragene Kritik des AfD-Bundestagsabgeordneten aus Neuenkirchen blieb nicht unerwidert. Denn erstmals vor der anstehenden Bundestagswahl stellten sich jetzt alle Kandidaten gemeinsam einer Diskussionsveranstaltung. Das Gymnasium in Lohne hatte am Dienstag Carolin Abeln (FDP/ 28) aus  Cappeln, Alexander Bartz (SPD/ 36) aus Vechta, Silvia Breher (CDU/ 47) aus Lindern, Tom Dobrowolski (Linke/ 32) aus Löningen, Waldemar Herdt (AfD/ 58) aus Neuenkirchen und Tanja Meyer (Bündnis 90/ Grüne/ 47) aus Lohne zu sich in die Aula eingeladen. Moderiert von den Schülern Lina Vodde und Anton Meyer stellten sich die Politiker den Fragen der Jahrgangsstufe 12 und gerieten dabei zumindest manchmal aneinander - so wie beim Thema Rente.

Als "schwierig" bezeichnete es SPD-Politiker Bartz, dass sein Mitstreiter von der AfD der Regierung vorwarf, bei den Corona-Hilfen zu viel Geld ausgegeben zu haben. Denn nur auf diese Weise sei es gelungen, viele Menschen vor der Arbeitslosigkeit zu bewahren und Existenzen zu sichern. "Die Grundrente ist längst eingeführt", versuchte er Herdt zu korrigieren. Denn Grundsicherung könne jeder beantragen. "Eine Erhöhung des Rentenalters wird es mit der SPD nicht geben", versprach er zudem.

Schüler moderierten die Diskussionsrunde: Lina Vodde und Anton Meyer. Foto: M. NiehuesSchüler moderierten die Diskussionsrunde: Lina Vodde und Anton Meyer. Foto: M. Niehues

Linken-Politiker Tom Dobrowolski machte darauf aufmerksam, dass sich viele Menschen im Alter schämen würden, zum Amt zu gehen, um eine Grundsicherung zu beantragen. Und er wies darauf hin, dass gerade Leuten mit geringem Einkommen schlichtweg das Geld fehle, um privat vorzusorgen oder gar in Aktien zu investieren.

Denn genau dies hatte zuvor Carolin Abeln von der FDP vorgeschlagen. "Wir müssen den Menschen die Angst nehmen vor dem Kapitalmarkt", sagte sie. Es sei sinnvoll, früh in Aktien und Wertpapiere zu investieren, um im Alter zusätzlich abgesichert zu sein.

Tanja Meyer sprach sich als Grünen-Politikerin für eine entsprechende Grundsicherung aus, damit jeder im Alter am Leben teilhaben könne. Auch die gesellschaftliche Leistung, wenn sich jemand um Kindererziehung oder Pflege gekümmert habe, müsse mehr Anerkennung finden und sich im Rentenniveau widerspiegeln.

Zeigte wenig Verständnis für das Handeln der Bundesregierung: Waldemar Herdt (AfD). Foto: M. NiehuesZeigte wenig Verständnis für das Handeln der Bundesregierung: Waldemar Herdt (AfD). Foto: M. Niehues

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Silvia Breher wies darauf hin, dass das Thema Rente vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung gesehen werden müsse. Ziel ihrer Partei sei es, die Vorsorge über Riester neu aufzustellen, damit Gebühren künftig wegfallen. So soll es nach Vorstellungen der CDU möglich sein, schon gleich ab der Geburt eines Kindes Kapital zu bilden. Sie plädierte zudem dafür, in Bildung zu investieren. Denn 60 Prozent aller Hartz-IV-Bezieher würden über keine Ausbildung verfügen, erklärte sie. "Bildung ist die beste Vorsorge fürs Alter."

Beim Thema Landwirtschaft waren sich die 5 Kandidaten dagegen näher, als vielleicht mancher Schüler geglaubt haben dürfte. Alle Politiker waren sich hier der Bedeutung der regionalen Landwirtschaft bewusst und sprachen sich für eine Förderung aus.

Dobrowolski (Linke) würde es begrüßen, wenn ein Weg gefunden werden könnte, wie sich Bauern und Verbraucher gegenüber dem Lebensmitteleinzelhandel stärker zur Wehr setzen könnten. Er sprach sich für mehr Bio-Betriebe in der Region aus und für eine Landwirtschaft, die im Einklang mit Natur und Tierschutz steht.

Fordert mehr Bio-Landwirtschaft in der Region: Tom Dobrowolski (Linke). Foto: M. NiehuesFordert mehr Bio-Landwirtschaft in der Region: Tom Dobrowolski (Linke). Foto: M. Niehues

"Bauer sein, ist kein Beruf, sondern Berufung", betonte Herdt (AfD). "Wir müssen aufhören, auf Bauern herumzuhacken." Stattdessen sollten Discounter verpflichtet werden, 30 Prozent ihrer Regalfläche für heimische Produkte vorzuhalten.

Grüne-Kandidatin pflichtet Silvia Breher bei

Bartz (SPD) räumte offen ein, dass er der Forderung seiner Partei nach einer Reduzierung von Tierbeständen kritisch gegenüber steht. Landwirte dürften nicht in den Ruin getrieben werden. Stattdessen müsse gemeinsam nach Lösungen gesucht werden, "um die Landwirtschaft nach vorne zu bringen".

Abeln (FDP) sprach sich für eine "vernünftige und nachhaltige" Landwirtschaft aus. Bürokratie müsse abgebaut werden. Das Thema Landwirtschaft müsse auf EU-Ebene realistisch angegangen werden. Die Landwirte gelte es hierbei mitzunehmen.

"Die Landwirtschaft befindet sich längst auf den Weg in die Zukunft", betonte Breher (CDU). Die Landwirte seien bereit, das Nötige zu leisten, könnten dies auch, würden es aber nicht bezahlt bekommen, erklärte sie. Da liege das eigentliche Problem. Sie sprach sich zudem für eine Herkunftskennzeichnung landwirtschaftlicher Produkte aus.

Meyer (Grüne) pflichtete Breher bei. Nachhaltigkeit müsse auch bezahlt werden. Auch sie plädierte für eine Kennzeichnung, um Verbrauchern eine bessere Entscheidungsmöglichkeit zu geben. Zudem begrüßte sie das Beschreiten des Niedersächsischen Wegs.

Längst nicht alle Themen, auf die sich die Moderatoren Vodde und Meyer vorbereitet hatten, konnten aus Zeitgründen angegangen werden. Schließlich gaben die Schulstunden des Nachmittagsunterrichts den Takt vor. Die Vorstellungsrunde der Kandidaten nahm Zeit in Anspruch. Und die Beantwortung von Themen durch gleich 5 Politiker auch. Und so blieben viele gezielte Fragen, auf die sich Schüler vorbereitet hatten, leider offen. Das sei leider jedes Mal so, entschuldigte sich Lehrer Hauke Fooken bei allen Beteiligten und dankte für das Kommen.

Schüler: Wie kann es sein, dass Scheuer noch im Amt ist?

Dabei hätten noch mehr Schülerfragen der sehr interessanten Veranstaltung durchaus noch etwas Würze verleihen können. So wollte ein Schüler von Silvia Breher wissen, "wie es sein kann, dass Scheuer immer noch im Amt sitzt, trotz Milliardenverschwendung". 

Der CSU-Verkehrsminister sei "nicht Mitglied meiner Partei", erklärte Breher. Die Bundesregierung sei zuständig für Minister. Die Bundestagsabgeordnete verwies zudem auf den Untersuchungsausschuss zum Thema Maut. "Die Regierung endet bald. Dazu kann ich nicht mehr sagen", antwortete Breher knapp und schmunzelte dabei etwas.

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