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Löninger Dobrowolski zum Linken-Parteitag: "Es wird knallen"

Die Linke hält ab Freitagnachmittag ihren Bundesparteitag ab. Tom Dobrowolski (Löningen) sieht eine Lagerspaltung der Partei und fordert ihre grundsätzliche Erneuerung.

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Will Veränderungen: Tom Dobrowolksi nimmt am Linken-Bundesparteitag teil. Foto: Meyer

Will Veränderungen: Tom Dobrowolksi nimmt am Linken-Bundesparteitag teil. Foto: Meyer

Tom Dobrowolski (33) ist einer von 4 Delegierten aus der Region, die am Wochenende am Linken-Bundesparteitag in Erfurt teilnehmen. Der ehemalige Löninger Ratsherr hatte im vergangenen Jahr erfolglos für ein Bundestagsmandat kandidiert.

Herr Dobrowolski, die Linke wurde in den vergangenen Monaten von einer Krise nach der anderen geschüttelt. So leistete sie sich auch eine Debatte über Sexismus in den eigenen Reihen. Bei den Wahlen ging es zuletzt steil bergab. Was erwarten Sie sich vom Parteitag?
Ich denke, es wird knallen. Bis Sonntag geht es ja um die grundsätzliche Erneuerung der Partei. Und da gibt es unterschiedliche Meinungen und Lagerbildungen.

Um welche Lager handelt es sich?
Da wäre zum einen eine progressive Gruppe, zu der ich mich auch zähle. Sie ist sozial-ökologisch orientiert, im Grunde grüner, als es die heutigen Grünen sind. Auf der anderen Seite stehen die konservativen Linken. Sie denken noch in den alten Kategorien des sozialen Kampfes. Die meisten der arrivierten Köpfe gehören dieser Gruppe an, auch Sahra Wagenknecht. Von ihnen werden wir Progressive gern als "Latte-Macchiato"-Linke verunglimpft, denen es nur um den linken Lifestyle gehe.

Wie viele Latte Macchiato haben Sie heute schon getrunken?
Keinen. Der Vorwurf stimmt auch nicht. Aber die Partei schafft es einfach nicht, ihre Auseinandersetzungen im Innern zu führen. Alles wird nach außen getragen, wobei einige ein ganz schlechtes Verhalten zeigen.

Was muss sich inhaltlich ändern? Der Ukraine-Krieg hat auch das Russland-Bild der Linken auf den Kopf gestellt...
Das stimmt. Putin ist ein Kriegsverbrecher, zu dem es keine Nähe geben kann. Die Linke muss sich deshalb klar zur Ausrichtung nach Westen bekennen. Damit meine ich vor allem die Europäische Union. Wir dürfen kein verlängerter Arm der USA sein.

Das klingt nach den typischen antiamerikanischen Reflexen. Ist es in Wahrheit nicht so, dass es ohne die USA und die Nato keine Sicherheit vor Putin gibt?
Die Nato ist aus meiner Sicht das falsche Bündnis. In den USA hat die Waffenlobby eine zu große Macht. Deshalb müssen wir Europäer   unsere Verteidigung in die eigenen Hände nehmen.

Was wollen Sie auf dem Parteitag noch erreichen?
Zur Debatte steht zum Beispiel ein Antrag, der fordert, die Mandatszeit von Bundestagsabgeordneten der Linke auf maximal zwei Legislaturperioden zu begrenzen. Den halte ich für sehr wichtig.

Sie sagten gerade, dass es knallen wird. Bei Ihnen persönlich auch?
Das steht und fällt mit der Zusammensetzung des neuen Bundesvorstandes. Ich finde, dass die Linke nach wie vor ein gutes Programm und auch viele gute Leute hat. Sollten sich die Vertreter des Alten durchsetzen, werde ich aber darüber nachdenken, ob sie noch meine Partei ist und dann auch die Konsequenzen ziehen.

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