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Kolumne: Irgendwas mit # - Rassismus darf in unserer  Gesellschaft keinen Platz haben. Daran müssen wir alle mitwirken.

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Irgendetwas ist anders. Dieser Gedanke ließ mich am Samstag nicht los. In den Straßen meiner Heimat, die Straßen, die mir so vertraut sind, hing etwas in der Luft. Von allen Seiten war Sirenengeheul zu hören. Am Jungfernstieg lagen zwischen Müll und Mundschutzmasken Plakate von Demonstranten über den Boden verteilt. „Black lives matter“ war darauf zu lesen - aber auch: „I can’t believe we’re protesting for this shit“, „I can’t breath“ oder „We all bleed the same color“.

Zehntausende waren in Hamburg zusammengekommen, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren. Auch in anderen Städten nahmen Menschen an Kundgebungen teil. Auslöser für die sogenannten Silent Demos war der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd. Leider ist dieser Fall weder ein Einzelfall noch etwas Neues. In den USA ist die Gewalt und der Rassismus gegen Schwarze schon lange ein Problem.

Aber nicht nur dort: Auch bei uns gibt es Rassismus – und Polizeigewalt. Ich tippe, jeder Fußballfan, der regelmäßig ins Stadion pilgert, um die Spiele seiner Mannschaft zu verfolgen, könnte zu den Themen Geschichten erzählen. Die einen erleben die Geschichten selbst, machen Erfahrungen mit Rassismus oder Polizeigewalt, andere hören davon.

"Und immer frage ich mich in diesem Zusammenhang, wie so viel Wut und Hass in jemandem stecken können."Joanna Abou Boutros, Redakteurin

Auch ich, Dauergast im Volksparkstadion, könnte die eine oder andere Geschichte zum Thema Rassismus beisteuern. Und immer frage ich mich in diesem Zusammenhang, wie so viel Wut und Hass in jemandem stecken können, oder ob einige Menschen einfach nicht merken, dass sie mit ihren Aussagen oder Taten über die Stränge schlagen. Warum urteilen Menschen über andere Menschen aufgrund des Aussehens, der Hautfarbe, wegen schlechter Sprachkenntnisse oder eines ausländischen Namens?

„Oh, Sie sprechen aber gut Deutsch“ – Sie können sich nicht vorstellen, wie oft ich diesen Satz schon gehört habe, nachdem ich mich mit meinem Namen vorgestellt hatte. Danke … aber warum auch nicht? Deutsch ist schließlich meine Muttersprache.

Ist so ein Kommentar schon rassistisch? Ich versuche, so etwas nicht allzu ernst zu nehmen. Die meisten Leute meinen es sicher nicht böse. Trotzdem sind Kommentare dieser Art unnötig, und jeder sollte sich überlegen, ob er oder sie sich die Aussage nicht einfach verkneifen könnte.

Ein anderes Gefühl habe ich allerdings, wenn ich wegen meines Namens Dinge zu hören bekomme wie „Damit will ich nichts zu tun haben“. Oder: Wenn mir bei dem Versuch einer Reservierung gesagt wird „Alles ist belegt“, ich aber kurz darauf feststelle, dass mit einem anderen Namen eben nicht alles belegt ist. Entsetzt war ich zudem, als ich wegen meines Namens mit dem nordkoreanischen Diktator verglichen wurde: „Ihr Name ist doch so was wie Kim Jong-un“. Eine Unverschämtheit!

Klar waren das Einzelfälle – nichts Wildes – und ich möchte die Erfahrungen, die ich mit Rassismus gemacht habe, nicht auf eine Stufe stellen mit dem, was beispielsweise in den USA passiert. Aber ich möchte zeigen, dass es auch bei uns Rassismus gibt und dass auch Kleinigkeiten verletzend und beleidigend sein können. Wir alle sollten darauf achten, wie wir mit anderen Menschen umgehen. Schließlich leben wir auf dieser Welt alle gemeinsam.

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