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Liobaschule soll in Zukunft als Kita dienen

Die Politik spricht sich für einen zeitnahen Umbau aus, um zusätzliche Betreuungsplätze in der Stadt Vechta zu schaffen. Die Trägerschaft wirft jedoch Fragen auf.

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Der Betreuungsbedarf ist groß. Schon jetzt ist abzusehen, dass die künftige Nachfrage nach Kindergartenplätzen mit dem bisherigen Angebot nicht gedeckt werden kann. Foto: dpa/Skolimowska

Der Betreuungsbedarf ist groß. Schon jetzt ist abzusehen, dass die künftige Nachfrage nach Kindergartenplätzen mit dem bisherigen Angebot nicht gedeckt werden kann. Foto: dpa/Skolimowska

Spätestens seit der Neustrukturierung der Schulbezirke sind die Tage der Liobaschule gezählt. Seit diesem Schuljahr werden keine neuen Erstklässler aufgenommen. Nach dem regulären Ausscheiden der aktuellen Jahrgänge dürfte der Nachwuchs in dem Haus an der Antoniusstraße aber weiter ein- und ausgehen. Die Stadt Vechta will Teile des Gebäudes in eine Kindertagesstätte umwandeln. Einen entsprechenden Beschluss hat der Ausschuss für Familie, Gesundheit und Soziales am Dienstagabend gefasst.

„Die gute Nachricht ist, dass wir zum 1. August dieses Jahres alle Kinder, die einen Platz brauchten in Vechta, auch versorgen konnten“, erklärte Fachbereichsleiterin Sandra Sollmann. Im nächsten Satz folgte schon das Aber: Mit Blick auf das ganze Betreuungsjahr bis zum nächsten Sommer sei schon heute erkennbar, dass die Plätze in den Kindertagesstätten nicht ausreichen würden.

Fachdienstleiter Ralf Schillmöller verdeutlichte den Ausschussmitgliedern die Situation in der Kinderbetreuung. Er zeigte die Belegung der Kindergärten, Krippen und Tagespflegen auf. Der Abgleich der verfügbaren Plätze und der umfangreichen Warteliste für die kommenden Monate ließ keinen Zweifel am Handlungsbedarf. „Wir brauchen mehr Plätze“, sagte Schillmöller.

Nach Auffassung der Verwaltung könnte die Liobaschule in Zukunft wertvolle Dienste leisten. Bereits jetzt werden einige Klassenräume nicht mehr benötigt, sodass freie Kapazitäten zur Verfügung stehen. Ein Gebäudeteil wird bereits von der benachbarten Kindertagesstätte St. Rafael genutzt. Nun soll in einem anderen Bereich eine Übergangslösung für weitere zweieinhalb Gruppen mit insgesamt 60 Kindern, darunter 15 Krippenplätze, geschaffen werden.

Ausschussmitglieder fühlen sich übergangen

Was die Trägerschaft der neuen Kindertagesstätte betrifft, wurde der Fachausschuss vor vollendete Tatsachen gestellt. Der Verwaltungsausschuss hatte vor zwei Wochen beschlossen, dass die Stadt Vechta den Betrieb übernehmen soll. Der Unmut war den anwesenden Ratsvertretern deutlich anzumerken. Sie fühlten sich schlichtweg übergangen. Günter J. Nyhuis (CDU) sprach von einer Selbstherrlichkeit des Verwaltungsausschusses: „Die Entscheidung ist im falschen Gremium gefallen.“

Fraktionskollege Niklas Droste erinnerte daran, dass bei einer Klausurtagung Ende August noch überlegt worden sei, in welche Hände die neue Einrichtung gegeben werde. Nun sei die Sache plötzlich klar, wunderte sich der Christdemokrat. Er stellte die Frage, warum die Verantwortung nicht einem Träger überlassen werde, der sich mit Kinderbetreuung auskenne, etwa die katholische Kirche, die bereits die benachbarte Einrichtung St. Rafael betreibt.

Sollmann wollte auf die Entscheidung des nicht-öffentlichen Verwaltungsausschusses nicht näher eingehen. Sie ließ auf hartnäckiges Nachfragen lediglich durchblicken, dass ein Grund in der „Trägervielfalt“ liege. In der Stadt Vechta gebe es zurzeit sechs katholische und eine evangelische Kindertagesstätte. Weitere Träger seien Andreaswerk, Arbeiterwohlfahrt und Tante Klaras Bauernkindergarten gGmbH. Hinzu kämen zehn Großtagespflegestellen. Die Stadt selbst trete beim Kindergarten an der Dornierstraße als Trägerin auf.

Investitionskosten belaufen sich auf 310.000 Euro

Norbert Krümpelbeck (VCD) führte einen weiteren Kritikpunkt an. Er wies darauf hin, dass der Betrieb durch einen privaten Betreiber möglicherweise günstiger wäre. Die Fachbereichsleiterin bestätigte, dass es Träger wie etwa die katholische Kirche gebe, die Eigenanteile einbringen würden. Aber die Übernahme durch die Stadt sei keinesfalls ein finanzielles Wagnis. Es gebe klare Regeln der Finanzierung wie bei allen Betreuungseinrichtungen.

Die Einrichtungskosten bei der Liobaschule seien überschaubar, sagte Sollmann. Um die Räume für die zweieinhalb Gruppen bedarfsgerecht umzubauen und auszustatten, hat die Verwaltung eine Investitionssumme von etwa 310.000 Euro veranschlagt. Hinzu kommt die jährliche Miete für die Sanitärcontainer in Höhe von 5.800 Euro, denn die Toiletten sollen ebenso wie die übrigen Räume und Außenanlagen vom derzeitigen Schulbetrieb abgegrenzt werden.

Die Investitionen in die Tagesbetreuung werden vom Land Niedersachsen unterstützt. Die Verwaltung rechnet mit Zuschüssen in Höhe von mindestens 40.000 Euro. Weitere Fördermittel sollen fließen, wenn die Stadt zusätzliche Gebäudeteile für die Kinderbetreuung herrichtet. Denn so viel steht fest: Aus der Übergangslösung könnte sich ein langfristiger Kita-Standort entwickeln.

Inbetriebnahme soll im Frühjahr 2021 erfolgen

Mit Blick auf das noch im Detail auszuarbeitende Nutzungskonzept für die Liobaschule wäre denkbar, einen Teil des Gebäudekomplexes in eine große Kindertagesstätte mit bis zu sechs Gruppen umzuwandeln. Darüber hinaus seien bereits verschiedene Bedarfe an die Verwaltung herangetragen worden, etwa von Vereinen oder auch Senioren, berichtete die Fachbereichsleiterin.

Elternvertreter Felix Deutschmann merkte in der Einwohnerfragestunde an, dass die Stadt bei der künftigen Trägerschaft mit einem Mangel an Erziehern konfrontiert werde. Der Fachkräftebedarf könnte in der Tat zu einer Herausforderung werden, wie Sollmann auf Anfrage berichtete. Aus baulicher Sicht wäre eine Inbetriebnahme im Januar oder Februar möglich. Aber aufgrund der Personalbeschaffung könnte sich die Eröffnung bis ins Frühjahr 2021 hinziehen.


Kommentar zum Thema von Thomas Speckmann (Reporter):

Vergabe im Verborgenen

Die Stadt Vechta hatte eigens eine Sondersitzung einberufen, damit der Ausschuss für Familie, Gesundheit und Soziales über die Einrichtung einer Kindertagesstätte in der Liobaschule beraten kann. Doch ein wesentlicher Punkt, nämlich die Trägerschaft, war zu diesem Zeitpunkt längst entschieden. Darüber hatte der Verwaltungsausschuss schon im Vorfeld befunden. Dass die Mitglieder des Fachausschusses stinksauer waren, ist verständlich. Ihre Meinung war nicht gefragt, obwohl das Gremium gerade für solche Fragen zuständig ist, wenngleich es am Ende nur eine Empfehlung aussprechen darf. Was mindestens genauso schlimm ist: Durch die Behandlung im nicht-öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss bleiben die Gründe für die Vergabe der Trägerschaft im Verborgenen. Von der häufig beschworenen Transparenz ist hier einmal mehr nichts zu spüren.

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