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Liegt die Inzidenz für den Landkreis Diepholz seit Wochen zu niedrig?

Die vom Robert Koch-Institut berechneten Werte spielen für den Infektionsschutz und die Corona-Regeln vor Ort eine wichtige Rolle. Aber es gibt offenbar massive Probleme bei der Datenübermittlung.

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Der Eingang zum Robert Koch-Institut (RKI), in dem die aktuelle Lage zum Coronavirus beurteilt wird. Foto: dpa/Hutzler

Der Eingang zum Robert Koch-Institut (RKI), in dem die aktuelle Lage zum Coronavirus beurteilt wird. Foto: dpa/Hutzler

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat für den Landkreis Diepholz offenbar wochenlang zu niedrige 7-Tage-Inzidenzen ermittelt. Das geht aus einer Recherche des Diepholzer Kreisblatts hervor. Die Behörden im Kreis Diepholz hätten demnach bereits viel früher die Corona-Notbremse ziehen müssen. Weil die vom Berliner Institut gemeldet Zahlen seit Mitte April mitunter aber viel zu niedrig waren, geschieht das erst jetzt: nach einem massiven Ausbruch auf einem Spargelhof.

Grund für die zu niedrigen Zahlen des RKI sind laut der Recherche der Zeitung deutliche Verzögerungen bei der Übertragung der Daten zwischen Landkreis, Landesgesundheitsamt (NLGA) und dem Berliner Institut. In der Folge habe das RKI häufig nur die Infektionszahlen von 6 zurückliegenden Tagen zusammengerechnet, dann aber durch 7 Tage geteilt, um die Inzidenz zu ermitteln.

Seit dem 13. April liegt Diepholz rechnerisch über der 100er-Marke

Ganz konkret bedeutet das: Nach Berechnungen der Kreiszeitung haben die Infektionszahlen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche für den Landkreis Diepholz bereits am 13. April den wichtigen 100er-Grenzwert überschritten. Maßgeblich für Verordnungen der Behörden vor Ort sind aber die RKI-Zahlen: Nach denen hat der Landkreis die 100er-Marke erst am 30. April dauerhaft gerissen. Auch jetzt liegt die vom Berliner Institut ermittelte Inzidenz noch zu niedrig.

Die 100er-Marke spielt als erste Stufe der Bundes-Notbremse eine entscheidende Rolle im neuen Infektionsschutzgesetz: Überschreitet eine Region den Wert 3 Tage in Folge, gilt unter anderem eine Ausgangssperre, Geschäfte bleiben geschlossen, es gilt eine erweiterte Maskenpflicht und Testpflicht. Außerdem müssen die Schulen ab dieser Stufe in den Wechselunterricht gehen. Bundesweit müssen die Behörden bei Öffnungen und Schließungen die Zahlen des RKI als Grundlage nehmen. Das ist im Bundesgesetz so festgeschrieben.

Eine Verantwortung für die abweichenden Zahlen weisen die beteiligten Behörden auf Anfrage des Kreisblatts zurück. Eine RKI-Sprecherin erklärte die abweichenden Zahlen mit Meldeverzögerungen. Es gebe keinen Rechenfehler. Nur wird ein Teil der Infektionszahlen bei der täglichen Meldung nicht berücksichtigt – grundsätzlich, immer wenn Zahlen zu spät eintreffen. 

Eine Meldekette mit vielen Stationen

Das Problem liegt offenbar in der Meldekette: Labore melden positive Corona-Testergebnisse an die lokalen Gesundheitsämter. Diese melden ihre Zahlen an das Landesgesundheitsamt, das die Daten wiederum nach Berlin weiterleitet. Der Landkreis Diepholz gibt an, die Zahlen immer um 14 Uhr auf dem digitalen Weg nach Hannover zu schicken. Spät möglichster Zeitpunkt ist in diesem System immer um 17.30 Uhr, der nächste dann wieder um 8 Uhr am folgenden Morgen.

Das NLGA registriert die Dateneingänge aus Diepholz allerdings immer im Zeitraum zwischen den beiden Zeitpunkten. Wo die Datenpakete in der Zwischenzeit – also zwischen 14 Uhr und dem Eintreffen in Hannover – bleiben, ist unklar.

Klar ist allerdings: Bereits seit Beginn der Pandemie gab es Abweichungen zwischen den ermittelten Inzidenzen des Landesgesundheitsamts und dem RKI. Als Grund wurden stets Meldeverzögerungen genannt. Nachmeldungen hatten kurz darauf die Zahlen auch für die Landkreis Cloppenburg und Vechta tageweise mitunter wieder ansteigen lassen. Auch das NLGA hatte seine Daten in der Vergangenheit immer wieder nachträglich aktualisiert und korrigiert.

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