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Lidl möchte keine Wohnungen auf seinem Dach

Der Discounter strebt eine deutliche Erweiterung seiner Verkaufsfläche in Vechta an. Die vorliegende Planung stößt in Teilen der Politik auf massive Kritik.

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Wichtiger Nahversorgungsstandort in der Stadt Vechta: Der Lidl-Markt an der Oldenburger Straße soll abgerissen und durch einen größeren Neubau ersetzt werden. Dafür ist auch ein Erwerb von angrenzenden Flächen vorgesehen.   Foto: Speckmann

Wichtiger Nahversorgungsstandort in der Stadt Vechta: Der Lidl-Markt an der Oldenburger Straße soll abgerissen und durch einen größeren Neubau ersetzt werden. Dafür ist auch ein Erwerb von angrenzenden Flächen vorgesehen.   Foto: Speckmann

Der Standort bleibt erhalten, aber die Filiale bekommt ein komplett anderes Gesicht: Der Lidl-Markt an der Oldenburger Straße in Vechta soll abgerissen und in neuer, größerer Form wieder aufgebaut werden. Dafür stellt die Politik nun die planungsrechtlichen Weichen. Von Einmütigkeit aber keine Spur. In Teilen des Rates regt sich massive Kritik an den Plänen des Discounters.

Der Ausschuss für Umwelt, Planung und Bauen legte am Mittwoch eine Spätschicht ein, um die Aufstellung des Bebauungsplans zu beschließen. Umstritten war dabei weniger die von der Stadtverwaltung skizzierte Erweiterung der Verkaufsfläche, sondern vielmehr das, was nicht in der Vorlage stand. Nämlich eine Kombination aus Handel und Wohnen, so wie es beim nahe gelegenen Combi-Verbrauchermarkt vorgesehen ist.

Fachdienstleiter Wolfgang Heuser legte den Ausschussmitgliedern dar, dass die Lidl-Filiale aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes, der Verkaufsfläche sowie der Produktpräsentation nicht mehr den gängigen Maßstäben der Discountkette entspreche. „Das Unternehmen plant daher einen Abriss des vorhandenen Gebäudes mit anschließender Errichtung eines neuer Immobilie“, so der Verwaltungsvertreter.

Verkaufsfläche soll um mehr als 400 Quadratmeter wachsen

Die Verkaufsfläche soll von rund 1230 auf 1670 Quadratmeter vergrößert werden, so Heuser weiter. Um diese räumliche Ausdehnung überhaupt realisieren zu können, wolle der Investor einen Teil der St.-Florian-Straße erwerben. Hinzu komme eine nördlich angrenzende Fläche, die zum Anwesen der Feuerwehrtechnischen Zentrale gehöre und sich im gemeinsamen Eigentum von Stadt und Landkreis befinde.

„Wir sollten Investoren ein Stück weit an die Hand nehmen und davon überzeugen, dass sie auf moderne Erfordernisse achten müssen.“Ausschussmitglied Frank Hölzen (WfV)

Was den Grundstücksverkauf betrifft, hat die Verwaltung offenbar keine Bedenken. Worauf sie aber Wert legt, ist die Option für eine spätere Wohnbebauung. Aktuell sind im Rahmen des Bauvorhabens seitens der Discounterkette zwar keine Wohnungen vorgesehen. Der Bebauungsplan sollte jedoch auf jeden Fall eine derartige Weiterentwicklung ermöglichen, betont der Fachdienstleiter.

Mit dem Blick in die ferne Zukunft gab sich Ausschussmitglied Frank Hölzen (WfV) nicht zufrieden. Nach seiner Auffassung sollte die Stadt in den Gesprächen mit Lidl darauf drängen, dass auf dem Dach des neues Marktes ebenfalls Wohnungen entstünden. „Wir sollten Investoren ein Stück weit an die Hand nehmen und davon überzeugen, dass sie auf moderne Erfordernisse achten müssen.“

Stadt soll mehr Vorgaben machen

Laut Hölzen sollte man den Investor zur Schaffung von Wohnraum zwingen oder die Genehmigung verweigern. Dieser Auffassung schloss sich Tobias Thomann an. Der Grüne meinte, dass die Kommune mit ihren Wohnraum- und Klimaschutzkonzepten über Werkzeuge verfüge, die hier nicht ausreichend angewendet würden. Wenn die Stadt Flächen zur Verfügung stelle, könne sie auch mehr fordern in der Bauleitplanung.

Jens Frye, Vertreter der Ratsgruppe VCD/FDP, schloss sich seinen Vorrednern an und votierte ebenfalls gegen die Baupläne. Nach seiner Auffassung müsse die Stadt zudem aufpassen, dass sie sich mit einem Grundstücksverkauf kein Eigentor schieße. Zunächst müsse geklärt sein, in welcher Form das Areal nach der Umsiedlung der Feuerwehrtechnischen Zentrale und der Einsatzleitstelle überhaupt genutzt werden solle.

Auch SPD-Fraktionsvorsitzender Sam Schaffhausen würde sich eine Kombination aus Handel und Wohnen wünschen, zumal sich der zentrumsnahe Standort für solche Zwecke anbiete. Dem Aufstellungsbeschluss schloss sich seine Fraktion aber ebenso an wie die CDU. Deren Fraktionschef Thomas Frilling meinte: „Wohnen ist wichtig, aber Grundversorgung ist auch wichtig. Man kann nicht jedem Investor aufzwingen, Wohnungen draufzusetzen.“

Unternehmen will sich nicht zu Details äußern

Das Unternehmen mit Hauptsitz im baden-württembergischen Neckarsulm wollte sich auf Anfrage der Redaktion nicht zu Detailfragen äußern. Eine Sprecherin teilte lediglich mit, dass Lidl sein gesamtes Filialportfolio kontinuierlich qualitativ und quantitativ weiterentwickele. Die Filiale in Vechta solle durch einen „zukunftsfähigen Neubau mit besonders umweltfreundlicher Technik und ökologischer Bauweise“ ersetzt werden.

Zu diesem Konzept zählt offenbar auch die Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des Marktes. Darauf wies Fachdienstleiter Heuser hin. Er skizzierte abschließend die weitere Bauleitplanung. Teil des Verfahrens sei ein Verträglichkeitsgutachten für den Einzelhandel. Mit Blick auf die Anlieger sollten auch etwaige Lärmemissionen untersucht werden, die durch eine Vergrößerung des Marktes entstehen könnten.

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