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Leben auf weniger Raum

Thema: Städtebau in Zeiten des Klimawandels – Wir müssen endlich über unsere Bau- und Lebensweise der Zukunft sprechen. Auch in Südoldenburg muss die Politik dringend handeln.

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Städtebau und Architektur – über Klima, Starkregen und Dürreperioden zu sprechen, macht keinen Sinn, wenn wir nicht auch diese unbequeme Diskussion beginnen: Darüber, wie wir in Zukunft wohnen und leben wollen.

Viele gute Konzepte liegen auf dem Tisch: Städte und Gemeinden müssen künftig selbst mehr Wasser aufnehmen können als bisher – auch in kurzer Zeit. Fassaden müssen begrünt werden, um die Luft zu kühlen. Flächen dürfen nicht weiter versiegelt werden, sie müssen sogar wieder geöffnet werden, damit der Regen nicht auf dem Asphalt stehen bleibt, sondern neues Grundwasser bilden kann.

Was wir auch schon heute wissen: Wir müssen ökologischere Baustoffe benutzen (vor allem Holz) und kleinere Häuser bauen, als das bisher der Fall ist. Gerade auch auf die Südoldenburger kommen damit schwierige Diskussionen zu. Zu unserem Landstrich gehört meist das Leben im Einfamilienhaus. Doch genau hier liegt der Schlüssel: Sind die Kinder erstmal groß, bewohnen wir viel zu viele Quadratmeter. Diese müssen geheizt werden, möbliert werden, geputzt werden – all das sorgt für neue CO₂-Emissionen.

"So ungern es die Wähler auch hören und die Politiker aussprechen wollen – wir müssen neue Siedlungsformen finden"Philipp Ebert

Und: Einfamilienhaus-Siedlungen, wie sie nach dem Krieg typisch wurden, haben eine geringe Bevölkerungsdichte. Wo wenige Menschen leben, sind die Wege lang. Daher werden dort viele Quadratmeter Boden versiegelt. Womit wir wieder beim Grundwasser wären.

Deshalb: So ungern es die Wähler auch hören und die Politiker aussprechen wollen – wir müssen neue Siedlungsformen finden. Wir müssen unsere Orte klug und menschenverträglich verdichten – nicht so geschmacklos, wie es die Investorenarchitektur tut. Und wir müssen lernen, auf weniger Quadratmetern zu leben als bisher.

Als der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter das Anfang des Jahres einräumte, gab es einen lauten Aufschrei nach dem Motto: die Grünen als Verbotspartei.

Doch Hofreiter und die seinen ehrt, dass er angesprochen hat, was alle wissen können. Dieser Mut fehlt anderen Politikern. Man darf gespannt sein, wann auch Politik in Südoldenburg das Unausweichliche einräumt.

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