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Landtagskandidaten sprechen sich für Wolfsmanagement aus

Zu einem Wolfsmahnfeuer hatte der Kreislandvolkverband am Freitagabend in Vechta eingeladen. Die Kandidaten zur Landtagswahl positionieren sich zum heiß diskutierten Thema Wolf.

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Kreislandvolkvorsitzender Dr. Johannes Wilking begrüßt die Besucher des Wolfsmahnfeuers in Oythe. Foto: M. Niehues

Kreislandvolkvorsitzender Dr. Johannes Wilking begrüßt die Besucher des Wolfsmahnfeuers in Oythe. Foto: M. Niehues

Die Wolfspopulation in Niederdachsen nimmt stetig zu, die Weidetierhalter sorgen sich wegen Nutztierrissen. Wie Artenschutz ermöglichen und zugleich Landschaftsschutz mit Schafen betreiben? Wie sich abzeichnenden Zielkonflikten begegnen, wie können Lösungen aussehen? Mit diesen Fragestellungen beschäftigten sich am Freitagabend im Vechtaer Ortsteil Oythe das Kreislandvolk, das zu einem Wolfsmahnfeuer eingeladen hatte. 

Eingeladen waren dazu auch die 4 Landtagsbewerber von CDU, SPD, FDP und Grünen aus dem Landkreis Vechta. Kurz vor der Wahl sollten die Kandidaten ihre persönlichen Standpunkte zum Thema artikulieren. Alle sprachen sie für ein Wolfsmanagement aus. Aber jeder Politiker setzte eigene Akzente.

André Hüttemeyer (CDU) sprach von einer sich exponentiell vermehrenden Wolfspopulation mit Übergriffen und Sichtungen in dicht besiedelten Gebieten. "Die Weidetierhalter und die Bevölkerung in unserer Region sind zu Recht verunsichert", sagte er. Nötig sei daher ein aktives Wolfsmanagement, das im Einklang mit dem Artenschutz stehen müsse. 

Bund soll Abschüsse im Einklang mit Artenschutz ermöglichen

Konkret forderte der Christdemokrat die Weiterentwicklung von Herdenschutzmaßnahmen, die Aufhebung von Förderobergrenzen und die Vereinfachung der die Beweislast bei Rissen. Hüttemeyer  mahnte zudem eine Verbesserung des Monitorings und klare Definitionen an, nach denen der günstige Erhaltungszustand des Wolfes festgelegt werden können. Neben einer festgelegten Untergrenze sollen hier auch regionalspezifische Aspekte berücksichtigt werden.

Vom Bund fordert Hüttemeyer, den günstigen Erhaltungszustand des Wolfes festzustellen, damit ein aktives Wolfsmanagement in Einklang mit dem Artenschutz in Niedersachsen umgesetzt werden kann. Zudem müsse untersucht werden, wie sich der Wolf auf andere Wildtiere auswirkt. Auch die Barrierwirkung von wolfsabweisenden Zäunen auf andere Tierarten müsse besser erforscht werden.

Dr. Johannes Wilking formulierte klare Forderungen, wie die Wolfspolitik des Landes aussehen soll. Foto: M. NiehuesDr. Johannes Wilking formulierte klare Forderungen, wie die Wolfspolitik des Landes aussehen soll. Foto: M. Niehues

Der CDU-Politiker möchte zudem, dass die Küstenregionen wolfsfrei gehalten werden. Problemwölfe, so Hüttemeyer müssten zudem schnellstmöglich entnommen werden, bevor sie ihr Verhalten weitergeben können. Wer die Entnahme von Wölfen vornehme, müsse bestmöglich geschützt werden.

Sam Schaffhausen (SPD) verwies die derzeit 44 Wolfsrudel und 4 residenten Einzelwölfe in Niedersachsen. Der Wolfsbestand werde in Europa inzwischen als ungefährdet eingestuft. Gleichzeitig habe ein Gutachten der Uni Wien ergeben, dass einzelne Entnahmen die Population nicht schädigen. In der Regel, so berichtete er, sei sogar ein Rückgang der Risse zu verzeichnen gewesen.

Nachbarstaaten könnten Orientierung geben

Das Ziel der SPD für den Artenschutz sei, so Schaffhausen, ein kluges regionales Wolfsmanagement. Dabei müsse der Herdenschutz von Nutztieren im zumutbaren Rahmen weiter verbessert werden und Wölfe müssten bei Zielkonflikten mit dem Artenschutz, bei Schäden an Nutztieren und Nahbegegnungen wie jagdbares Wild entnommen werden dürfen. Orientieren, so Schaffhausen könne man sich zudem an Ländern wie Frankreich, wo jährlich 10 Prozent der Wölfe getötet werden oder Schweden, wo eine Obergrenze von weniger als 200 Wölfe angestrebt werde.

In diesem Jahr hat der Landkreis Vechta noch keine Nutztierrisse zu verzeichnen. Ohne Herdenschutz war die Situation extrem. Hier die Untersuchung eines gerissenen Schafes in Goldenstedt im Jahr 2015. Foto: M. NiehuesIn diesem Jahr hat der Landkreis Vechta noch keine Nutztierrisse zu verzeichnen. Ohne Herdenschutz war die Situation extrem. Hier die Untersuchung eines gerissenen Schafes in Goldenstedt im Jahr 2015. Foto: M. Niehues

Konkret fordert Schaffhausen mehr Herdenschutz über die Richtlinie Wolf, die derzeit überarbeitet werde. Zudem sollen Tierhalter über die Schaf- Ziegenprämie in Höhe von rund 30 Euro pro Kopf entlastet werden und zugleich mehr professionelle Hilfe über die Landwirtschaftskammer erhalten. Problemwölfe, so Sam Schaffhausen, müssten schneller und unkomplizierter entnommen werden können. Mit dem in Kürze erscheinenden Wolfsmanagementplan habe das Umweltministerium zudem alle Grundlagen für eine Regulierung des Wolfsbestandes geschaffen.

Yannik Wasserberg (FDP) sieht bei der hohen Wolfs-, Besiedlungs- und Bevölkerungsdichte Handlungsbedarf. Auch er verwies auf den Zielkonflikt von Tierwohl bei der Weidetierhaltung und dem Artenschutz von Wölfen. "Niemand möchte den Wolf in Deutschland ernsthaft wieder ausrotten", betonte er. Aber das Zusammenleben von Mensch und Wolf müsse "organisiert werden". Wasserberg fordert eine "klare Obergrenze für Wölfe, genauso wie eine zügige Entnahme auffällig gewordener Tiere". Zugleich müsse die Weidetierhaltung einen höheren Stellenwert erhalten, um diese zu sichern.

Die FDP setze sich, so Wasserberg, dafür ein, dass der günstige Erhaltungszustand des Wolfes bestätigt werde. Zugleich müsse der Schutzstatus auf europäischer Ebene gelockert werden. Die Anzahl der Wölfe müsse über ein Wolfsmanagement auf ein mit der Weidetierhaltung "verträgliches Maß" begrenzt werden.

Tanja Meyer, Landtagskandidatin der Grünen, war beim Mahnfeuer des Kreislandvolkverbandes zwar wegen eines andern Wahlkampftermins nicht persönlich vertreten, reichte ihre Statement aber schriftlich ein. Sie wünscht sich eine bessere Honorierung der Weidetierhaltung, weil diese einen Beitrag zum Tierwohl und für den Naturschutz leiste. Deshalb spricht sie sich für eine Ausweitung der Weideprämie auf Rinder- und Milchviehbetriebe aus. Zugleich fordert sie eine Versachlichung "der oft hitzigen Debatte und eine daraus abgeleitete Weidetierschutz- und Wolfspolitik".

Meyer will Lösung für Nebeneinander von Wölfen und Tierhaltung

Ziel müsse es sein, so Meyer, Risse zu vermeiden und zugleich Weidetierhalter "in vielfacher Weise" zu unterstützen. Verluste müssten schnell erstatten werden, "auch in Zweifelsfällen". Auch das Wolfsmanagement müsse verbessert werden, um Abschüsse "in sachlich begründeten Fällen zuzulassen". Um verhaltensauffällige Wölfe schneller identifizieren zu können, könnten diese beispielsweise mit einem Sender versehen werden. Tanja Meyer hofft auf "eine gemeinsame Lösung", damit es in Europa Wölfe geben dürfe und die Weidetierhaltung "ein rentabler und gerne betriebener Betriebszweig" sein könne.

Wolfsmutter mit Welpen im Moor zwischen Goldenstedt und Barnstorf, aufgenommen im Juli 2022. Foto: Matthias NiehuesWolfsmutter mit Welpen im Moor zwischen Goldenstedt und Barnstorf, aufgenommen im Juli 2022. Foto: Matthias Niehues

Bei Bratwurst und Bier lauschten rund 50 Teilnehmer des Wolfsmahnfeuers nicht nur den Worten der Landtagskandidaten, sondern auch denen des stellvertretenden Landrats Josef Kläne (CDU). Nach seiner Einschätzung kann die Wolfspopulation in Niedersachsen bis zum Jahr 2030 auf einen Bestand von 1000 Tieren anwachsen. Kläne sprach von "erheblichen Herausforderungen". "Der Schutz der einen Kreatur darf nicht zu Lasten der anderen Kreatur gehen", warnte er. Er forderte "klare, verbindliche Regeln, wie mit der zunehmenden Wolfspopulation umzugehen" ist. Hier könne auch regional differenziert vorgegangen werden – "tier- und artenschutzgerecht", sagte er und verwies dabei auf die lange Tradition der Weidetierhaltung im Landkreis Vechta.

Der Kreislandvolkvorsitzende Dr. Johannes Wilking bedankte sich bei allen Politikern für ihr Kommen und ihre Worte. Er gab sich überzeugt, dass der günstige Erhaltungszustand des Wolfes längst erreicht sei und formulierte die Forderungen des Kreislandvolks für eine Quotenregelung, für wolfsfreie Zonen und für die vollen Kostenübernahme bei Rissen sowie ein aktives Wolfsmanagement mit Bestandsregulierung.

Hoffnung auf einen "niedersächsichen Weg"

Wilking begrüßte auch Jürgen Göttke-Krogmann aus Kroge, der sich auf Bundesebene für die Weidetierhalter engagiert. Göttke-Krogmann versuchte einen differenzierten Blick in die Thematik. Er zeigte auf, wie wichtig eine offene Landschaft für die Zukunft vieler Tierarten ist. "Man kann nicht überall Zäune bauen", sagte er mit Blick auf Herdenschutzmaßnahmen. Zugleich warf er Gedanken auf, auf welche Weise eine Bestandsregulierung bei Wölfen erfolgen kann, ohne die Rudelstrukturen zu gefährden.

Göttke-Krogmann sprach sich dafür aus, sich auf Wanderwölfe zu konzentrieren, die noch kein eigenes Revier haben. Er forderte klare Regeln für ein solches Management. Dieses solle auch illegale Abschüsse verhindern, betonte er. Zugleich lobte er Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) für sein Vorpreschen beim Thema Wolf. "Die anderen Bundesländer hoffen auf den niedersächsischen Weg", sagte Göttke-Krogmann.

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