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Landkreis Vechta hat keinen Überblick über gesamte Grundwassernutzung

Lücken tun sich bei den Brunnen auf, die keiner Genehmigung bedürfen. Das geht aus einer Antwort auf die Anfrage der Kreistagsgruppe UWG/Die Linke hervor. Die sieht ihren Verdacht bestätigt.

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Durch die Luft geschossen: Künstlich beregnetes Maisfeld. Das Grundwasser wird derweil vor Ort immer knapper.    Symbolfoto: dpa/Hollemann

Durch die Luft geschossen: Künstlich beregnetes Maisfeld. Das Grundwasser wird derweil vor Ort immer knapper.    Symbolfoto: dpa/Hollemann

In Zeiten des immer knapper werdenden Grundwassers hat der Landkreis Vechta keine exakten Erkenntnisse darüber, wie viel von dem kostbaren Gut vor Ort insgesamt genutzt wird. Eine Lücke bei den Daten ergibt sich mit Blick auf jene Brunnen, für die es keiner Genehmigung bedarf.

Eine Statistik oder Erfassung über nicht erlaubnispflichtige Grundwasserentnahmen liege nicht vor. „Insofern kann auch keine verlässliche Aussage zu den tatsächlichen Entnahmemengen dieser Brunnen getroffen werden“, heißt es in der schriftlichen Antwort von Landrat Tobias Gerdesmeyer auf eine Anfrage zum Thema der Kreistagsgruppe UWG/Die Linke.

Die Ausführungen von Gerdesmeyer treffen auf Kritik bei Heinrich Luhr aus Steinfeld, dem Vorsitzenden der Kreistagsgruppe UWG/Die Linke. Er sagte gegenüber OM-Online: Wenn der tatsächliche Verbrauch an Grundwasser der Verwaltung unbekannt sei, dann sei es nicht möglich, das Grundwasserdargebot, die nutzbare Menge, korrekt darzustellen. Es sei wichtig, genaue Zahlen zur Entnahme zu haben, mahnt Luhr.

Fordert verlässliche Angaben: Heinrich Luhr, Vorsitzender der Gruppe UWGDie Linke.    Foto: M. NiehuesFordert verlässliche Angaben: Heinrich Luhr, Vorsitzender der Gruppe UWG/Die Linke.    Foto: M. Niehues

Er sieht den Verdacht bestätigt, der der Anfrage der Gruppe UWG/Linke zugrunde lag – dass nämlich wesentlich mehr Grundwasser verbraucht wird als amtlich registriert. Mithin könne die Berechnung der nutzbaren Menge nicht stimmen. Luhr drängte darauf, dass es beim Verbrauch durch nicht genehmigungspflichtige Brunnen mindestens verlässliche Schätzungen geben müsse. Die seien durchaus möglich.

Im Fokus stehen Hausbrunnen, die etwa zum Sprengen des Rasens genutzt werden, aber auch private Brunnen in der Tierhaltung oder solche, die zum Abpumpen von Wasser in Neubaugebieten eingesetzt werden.

UWG/Die Linke stellte eigene Recherchen an

In der Anfrage der Gruppe UWG/Die Linke sind auch Zahlen und Erläuterungen aufgrund eigener Recherchen angeführt. Demnach verbrauchen die im Landkreis gehaltenen Nutztiere mindestens 7 Millionen Kubikmeter an Wasser pro Jahr. Der Landkreis Vechta hingegen gebe den Grundwasserverbrauch in der Tierhaltung mit etwa 1,620 Millionen Kubikmeter jährlich an.

Erwähnt ist zudem, dass die meisten Tierhalter wohl eine eigene Grundwasserversorgung haben. Und dass etwa 2000 Mastschweine mit einem Grundwasserbrunnen versorgt werden könnten, bei dem die Entnahmemenge nicht anzeigepflichtig ist, da sie unter 3650 Kubikmetern im Jahr liegt.

In der Antwort von Landrat Gerdesmeeyr, die er zu Beginn der Kreistagssitzung am Donnerstagabend vorlas, geht es allerdings zunächst um die Menge an Wasser für die Tierhaltung, die auf Entnahmerechten beruht – also nicht auf Brunnennutzungen, für die es keiner Erlaubnis bedarf. Diese Rechte gebe es für eine Entnahme von 1,8 Millionen Kubikmetern pro Jahr.

Neubauer widerspricht Landrat

„Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass Tierhalter sich auch über die öffentlichen Trinkwasserversorger mit Wasser für die Tierhaltung versorgen können“, heißt es weiter von Gerdesmeyer.

„Das wird kein Tierhalter machen“, sagte der Kreistagsabgeordnete Lutz Neubauer, Wasser-Experte der Gruppe UWG/Die Linke und Urheber der Überschlagsrechnungen, gegenüber OM-Online. Denn: Wasser vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) zu nutzen und teuer zu bezahlen, wenn es die Möglichkeit gibt, über private Brunnen die benötigte Menge zu bekommen, hält Neubauer für sehr unwahrscheinlich.

Auch Grundwasserabschöpfung in Neubaugebieten im Fokus

Klarheit wollte die Gruppe UWG/Die Linke auch über die Menge des Grundwassers, das in Neubaugebieten abgepumpt wird. In der Anfrage hieß es: Wenn in der Bauphase die Pumpen aktiv sind, würden sie bis zu 100 Kubikmeter Wasser in der Stunde entziehen können – und mitunter wochenlang laufen. Der Landkreis sollte erklären, ob es zum Verbrauch eine Abschätzung gibt.

In der Antwort wird lediglich darauf verwiesen, dass es eine Erlaubnispflicht ab einer Brunnennutzung von 50 Kubikmetern täglich bei einer Dauer von mehr als 6 Monaten gebe. „In diesem Zusammenhang müssen vom Erlaubnisinhaber auch die tatsächlich entnommenen Mengen erfasst und gemeldet werden.“

Luhr pocht darauf, dass auch verlässliche Werte für die Brunnen, deren Entnahmemenge unter der Grenze von 50 Kubikmetern täglich liegt, erforderlich sind. Es könnten Vergleichsrechnungen vorgenommen werden, belastbare Schätzungen. Die Gruppe UWG/Die Linke stellte diese vorsichtige Beispielrechnung auf: Wenn nur vier Pumpen durchgehend mit 20 Prozent ihrer Leistung liefen, ergeben sich jährlich 700.000 Kubikmeter an Grundwasser.

Auffälliger Unterschied bei Zahlen

Der Gruppe UWG/Die Linke war auch dies aufgefallen: Laut der Kalkulation der Landesregierung ist im Landkreis eine Entnahme aus beiden Grundwasserkörpern im Kreisgebiet von 36,67 Millionen Kubikmetern jährlich erlaubt. Der Landkreis gebe als tatsächliche Entnahmen – mit Erlaubnis – knapp 20 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr an. Mithin müsste die nutzbare Reserve des Dargebots an Wasser 17 Millionen Kubikmeter betragen. Laut Verwaltung seien es aber 19,35 Millionen Kubikmeter. Wie ist diese Differenz zu erklären?

Hierzu heißt es in der Antwort von Gerdesmeyer: Von der durch das Land ausgewiesenen nutzbaren Dargebotsreserve würden die Erlaubnisse zur Wasserentnahme abgezogen – also die genehmigte Menge, nicht aber die tatsächlich entnommene.

Neubauer beharrt: Die großen Unterschiede zwischen erlaubter und tatsächlich entnommener Grundwassermenge seien nicht nachvollziehbar. Möglicherweise liege ein Rechenfehler vor, sagt er.

Weitere Anfrage oder Antrag soll folgen

Die Gruppe UWG/Die Linke mahnte auch ein Wassermanagement an, hatte gefragt, was dazu geplant sei oder bereits umgesetzt werde. In der  aufgeführten Liste der Antwort von Gerdesmeyer erkennt Luhr eher nur "Absichtserklärungen".

Nach Angaben der UWG/Die Linke ist von einem Abfallen des Grundwasserstandes im Landkreis um 1 Zentimeter pro Jahr auszugehen – grob kalkuliert. Das sei „als ganz erheblich anzusehen“. Die Gründe seien vielfältig, eine große Rolle spiele der Klimawandel. Luhr sagte, es werde eine neue Anfrage zum Thema geben oder auch einen Antrag.

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