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Land will Population der Wölfe erforschen

Immer wieder gibt es Streit um den Wolf. Nun will das Land eine Studie zur genauen Population des Tiers auf den Weg bringen – auch, um Argumente für eine Steuerung der Populationsgröße zu haben.

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Symbolfoto: dpa

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Das Land Niedersachsen will eine Studie über die Größe der Wolfspopulation auf den Weg bringen. Angesichts einer noch immer exponentiell wachsenden Wolfspopulation stelle sich die Frage nach der aus Artenschutzsicht erforderlichen Wolfsdichte, sagte Landesumweltminister Olaf Lies (SPD) am Freitag. Erstellt werden soll die Studie vom Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der Universität für Bodenkultur Wien, teilte das Umweltministerium mit.

Niedersachsen wolle seinen Anteil an einer gesunden, vernetzten Wolfspopulation in Deutschland leisten, sagte Lies. "Gleichzeitig können wir nicht einfach abwarten und zusehen, ob das exponentielle Wachstum der Population der vergangenen Jahre sich tatsächlich irgendwann verlangsamt, wenn wir in wenigen Jahren eine dreistellige Zahl von Rudeln allein bei uns in Niedersachsen haben", sagte Lies.

Experten nehmen dem Ministerium zufolge an, dass es in Deutschland in den Jahren 2019/2020 176 Wolfsterritorien gab, darunter 128 Wolfsrudel, 39 Paare und 9 sesshafte Einzeltiere. Die Population sei aber sehr ungleich über Deutschland verteilt, Niedersachsen mit seinem hohen Bestand an Weidetieren sei besonders betroffen, sagte Lies. In einigen Regionen des Landes gebe es mitunter die höchste Wolfsdichte weltweit. Für das laufende Jahr seien in Niedersachsen bereits 36 Territorien gemeldet, was einem Zuwachs von 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspreche.

Nabu: Abschussquote verringert nicht Gefahren für Nutztiere

Deutschland besitze einer Studie zufolge das Potenzial für 700 bis 1400 Wolfsterritorien, sagte Lies. Allerdings blieben bei dieser Betrachtung einer maximal möglichen Besiedelung durch Wölfe aber die negativen Auswirkungen wie die Konflikte für die Nutz- und Weidetierhaltung und der Erhalt anderer gefährdeter Arten außer Betracht. Für den Erhalt der Biodiversität müsse man sich auch Gedanken über eine kritische Untergrenze der Wolfspopulation machen, forderte der Politiker.

Der Naturschutzbund Niedersachsen (Nabu) begrüßte zwar, dass es eine wissenschaftliche Datenbasis zur Populationsdichte von Wölfen geben soll. Lies scheine es aber eher darum zu gehen, Abschussquoten für Wölfe einführen zu wollen, sagte Holger Buschmann, Chef des Nabu Niedersachsen. Das sei weder mit dem Naturschutzgesetz noch mit den EU-Richtlinien zu vereinbaren. Auch verringere eine Abschussquote nicht die Gefahren für die Nutztiere. Besser sei es, auf eine Verbesserung des Herdenschutzes zu setzen und auf eine qualifizierte Beratung der Nutztierhalter vor Ort.

Buschmann äußerte auch Zweifel an den vom Ministerium vorgelegten Zahlen zum Wolfsbestand. "Im Monitoringjahr 18/19 wurden 31 Wolfsterritorien festgestellt. Im folgenden Monitoringjahr 36. Dies entspricht einer Wachstumsrate von etwa 16 Prozent und nicht wie angegeben 57 Prozent", sagte Buschmann. Er bezweifele zudem, dass regional in Niedersachsen die höchsten Wolfsdichten weltweit zu verzeichnen seien.

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