Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Land weitet Freiheiten für Geimpfte und Genesene aus

Gastronomen, Kulturbetriebe und Veranstalter dürfen ihren Zutritt künftig auf Geimpfte und Genesene (2G) beschränken. Für Ungeimpfte wird das Leben aufwendiger. Von Mittwoch an gelten neue Regeln.

Artikel teilen:
Betriebe und Einrichtungen, die auf die 2G-Regel umstellen, sind von der Durchsetzung der Maskenpflicht und Abstandsregeln befreit. Foto: dpa/Michael

Betriebe und Einrichtungen, die auf die 2G-Regel umstellen, sind von der Durchsetzung der Maskenpflicht und Abstandsregeln befreit. Foto: dpa/Michael

Die sogenannte 2G-Regel in der Corona-Pandemie wird in Niedersachsen künftig in vielen Bereichen angewendet werden können – etwa in der Gastronomie, bei Kultur- oder Sportveranstaltungen. Betreiber und Veranstalter, die sich dazu entscheiden, nur noch Geimpften und Genesenen (2G) Zutritt zu gewähren, sind in ihren Betrieben und Einrichtungen von der Durchsetzung der Maskenpflicht und Abstandsregeln befreit. Eine entsprechende Änderungsverordnung tritt am Mittwoch (22. September) in Kraft und gilt bis zum 10. November, wie die Landesregierung am Dienstag ankündigte.

Die Freiheiten für Geimpfte und Genesene werden damit ausgeweitet. Für Ungeimpfte wird das Leben hingegen aufwendiger, ein negativer Corona-Test reicht für den Zutritt zu bestimmten Bereichen dann nicht mehr aus. Wie Claudia Schröder vom Corona-Krisenstab der Landesregierung mitteilte, dürfen aber Menschen, denen aus medizinischen Gründen eine Impfung nicht empfohlen wird, nicht ausgeschlossen werden. Sie können ein medizinisches Attest vorlegen.

Hospitalisierung als neuer Leitindikator herangezogen

Auch Menschen bis 18 Jahre sollen ohne Impfung oder Genesung Zutritt bekommen, da sie sich üblicherweise regelmäßig vor dem Schulbesuch testen. Kinder, die jünger als 12 Jahre sind, können sich noch nicht impfen lassen.

Für die Bewertung der Corona-Lage in Niedersachsen wird künftig die Hospitalisierung als neuer Leitindikator herangezogen. Sie bestimmt sich nach der landesweiten Zahl der Einweisungen von Covid-19 Erkrankten je 100.000 Einwohner in den letzten 7 Tagen, wie Schröder erläuterte.

"Wir möchten, dass das Leben für diejenigen Menschen, die sich bereits haben impfen lassen, so unkompliziert und so wenig beeinträchtigt wie möglich weitergehen kann", sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen. Es gebe weiterhin eine Alternative, aber die sei unbequem und mühsam.

Eine Warnstufe wird künftig erreicht, wenn der neue Leitindikator und mindestens einer der beiden anderen bereits bekannten Indikatoren (Neuinfizierte und Intensivbetten) die in der Verordnung definierten Schwellenwerte überschreiten. Der Indikator Neuinfizierte richtet sich für jeden Landkreis und jede kreisfreie Stadt nach der Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den letzten 7 Tagen. Der Indikator Intensivbetten meint den landesweiten prozentualen Anteil der von Covid-19-Patienten belegten Intensivbetten an der gesamten Intensivbettenkapazität.

Maskenpflicht entfällt für erste und zweite Klassen im Unterricht

Ausgerufen werden die Warnstufen künftig vom Land, wenn die Indikatoren Hospitalisierung und Intensivbetten die kritischen Werte an 5 aufeinanderfolgenden Tagen überschreiten. Wenn hingegen die Indikatoren Hospitalisierung und Neuinfizierte die Schwellenwerte überschreiten, rufen Landkreise oder kreisfreie Städte die Warnstufen aus. Hintergrund ist, dass die Werte Hospitalisierung und Intensivbetten landesweit erhoben werden, während sich die 7-Tage-Inzidenz bei den Neuinfizierten auf den Wert in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt bezieht.

In der neuen Verordnung wird auch ausformuliert, was bei den Warnstufen 2 und 3 passiert. Unterschiede gibt es beispielsweise bei größeren Veranstaltungen ab 1000 Besuchern: Während bei der ersten Warnstufe 3G möglich ist und dann ein negativer Corona-Schnelltest als Nachweis reicht, wird bei der zweiten Warnstufe ein negativer PCR-Test verlangt. Ab der 3. Warnstufe sind Veranstalter drinnen zu 2G verpflichtet, draußen braucht es einen negativen PCR-Testnachweis.

Neu ist auch, dass Schülerinnen und Schüler der ersten und zweiten Klassen in Niedersachsen künftig keine Schutzmaske mehr im Unterricht tragen müssen. Das gilt ebenfalls bereits von Mittwoch an. Seit Beginn des neuen Schuljahres Anfang September mussten alle Schülerinnen und Schüler im Bundesland eine Maske anlegen - auch während des Unterrichts.


Freiwillige Einführung der 2G-Regel – Betriebe wollen erstmal abwarten

OM Online hat sich bereits vor der Veröffentlichung der neuen Corona-Verordnung bei verschiedenen Betrieben und Einrichtungen umgehört. Wie stehen diese zur freiwilligen Einführung der 2G-Regel? 

Das Museum im Zeughaus Vechta wollte zunächst die Verordnung abwarten und sich danach beraten. Momentan verfahre der Betrieb nach der 3G-Regel und kontrolliere die Besucher am Eingang nach geimpft, genesen oder getestet – und das auch mit guten Erfahrungen, versicherte der Museumsleiter Kai Jansen. Für den normalen Besuch müssten zwar die Besucherzahlen wegen der Abstandsregel reduziert werden, aber dennoch seien die Besucher mittlerweile an die 3G-Regelung gewöhnt und würden es auch akzeptieren. "Trotz der Lage kommen auch welche aus dem Ausland, wie den Niederlanden", sagt Kai Jansen. Er könne sich vorstellen, dass für den normalen Betrieb im Museum weiterhin an der 3G-Regel festgehalten werde, aber bei Führungen oder anderen Veranstaltungen die 2G-Regel interessanter wäre, da hier bislang nur eine sehr begrenzte Anzahl an Personen teilnehmen konnte. Viele Führungen und Veranstaltungen hätten somit nicht stattgefunden.

Auch das Museumsdorf Cloppenburg wollte die 3G-Regel vorerst beibehalten und die genauen Regelungen der Verordnung abwarten. Denn die meisten Veranstaltungen und Aktionen im Freilichtmuseum fänden draußen und nicht in geschlossenen Räumen statt, sagte Verwaltungsleiter Eike Pöhler. Bislang seien auch hier die Besucher und der Betrieb gut mit der 3G-Regel klargekommen.

"Bei uns gilt noch die 3G-Regel, und bislang sind damit auch keine Schwierigkeiten aufgekommen. Es wurde noch nicht entschieden, ob die 2G-Regel bei uns auch eingeführt wird", sagt Jeremy Suckert, Auszubildender des Schauburg Cineworld in Vechta. Um die Abstandsregel zu bewahren, sei im Kinosaal selbst zwischen den Personen immer genügend Platz, da nicht alle Sitzplätze belegt werden und somit während der Vorstellung die Maskenpflicht wegfallen könne. Auf den Fluren gelte aber weiterhin die Maskenpflicht.

Doppelte Sicherheit in der Kulturscheune

Ein etwas anderes Konzept verfolgte bisher die Kulturscheune in Barßel: Laut dem Inhaber Rainer Pagel gelte auch in seiner Einrichtung die 3G-Regel. Hinzukomme aber, dass zwar alle – ganz gleich, ob sie geimpft, genesen oder getestet sind – die Veranstaltungen besuchen dürfen, aber trotzdem zusätzlich einen tagesaktuellen, zertifizierten Test vorlegen müssen. "Damit möchten wir optimale Sicherheit erlangen", erklärt Pagel.

Und das auch mit Erfolg: "Die Karten zu den Veranstaltungen werden sehr schnell verkauft. Der Andrang ist groß und wir bekommen viel Zuspruch. Die Leute finden es sogar besser, dass sich alle testen lassen müssen, weil auch Geimpfte das Virus übertragen können", teilt Rainer Pagel mit. Die Kulturscheune plante daher zunächst keine voreiligen Entscheidungen, ohne die genauen Auflagen zu kennen.

Fitnessstudio plant, 2G-Regel vorerst nicht einzuführen

"Wir möchten niemanden ausgrenzen und halten auch weiterhin die 3G-Regel ein. Solange die 2G-Regel keine Pflicht ist, wird sie bei uns auch nicht eintreten", sagte Jasmin Schmidt, Mitarbeiterin des Fitnessstudios Injoy in Damme, gegenüber OM Online. Die 3G-Regel würde bisher gut funktionieren, und die Mitglieder sind alle bereits mit dem Verfahren bekannt: Die Kontrollen nach geimpft, genesen und getestet finden am Eingang statt, und auch Schnelltests seien unter Aufsicht der Mitarbeiter möglich.

"Die Mitglieder, die geimpft oder genesen sind, können ihre Daten in unserem System speichern lassen. So müssen sie nicht jedes Mal ihren Impfpass oder Genesenenschein vorzeigen", erklärt Jasmin Schmidt. Diejenigen, die ihre Daten nicht speichern wollen, müssten dann bei jedem erneuten Besuch ihre Dokumente vorzeigen. Es gebe genügend Platz, um die Abstandsregeln befolgen zu können, sagt Schmidt. Einige Geräte seien abgesperrt, um mehr Platz zu schaffen und dabei die Möglichkeit zu bieten, an den Geräten die Masken abzusetzen – auf den Wegen und in den Umkleiden gelte aber auch hier weiterhin die Maskenpflicht. Zudem würden auch viele Kurse weitestgehend draußen stattfinden, um mehr Räumlichkeiten bieten zu können.

Linderner Hotel will ab Oktober auf "2G" umstellen

Anders wird die Situation im Hotel Anno 1848 in Lindern gesehen:  Momentan gelte zwar noch die 3G-Regel, aber ab dem 1. Oktober trete dann die 2G-Regel in Kraft. Roland Wüst, Chef des Hotels sagt deutlich: "Wir lassen uns impfen, um andere zu schützen. Wir sind selbst auch alle geimpft und wollen den Druck erhöhen für diejenigen, die sich nicht impfen lassen." Kinder, Schwangere oder Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen, schließe das Hotel Anno 1848 aber natürlich nicht aus. "Jeder, der die Möglichkeit hat, sollte sich impfen lassen", sagt der Hotelchef.

Wichtig sei ihm dabei auch, dass mit der 2G-Regel nicht mehr mit Maske gearbeitet werden müsse und die Abstandsregel wegfalle, um somit mehr Plätze anbieten zu können. Gerade werde noch der Außenbereich genutzt, aber wenn dieser wetterbedingt wegfällt, müssen im Innenbereich mehr Möglichkeiten geboten werden.

Jetzt neu! Moin Friesoythe! Der wöchentliche Newsletter für die Eisenstadt mit aktuellen News und Informationen. So verpassen Sie nichts mehr. Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach. Jetzt hier anmelden.  

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Land weitet Freiheiten für Geimpfte und Genesene aus - OM online