Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Land hat keinen Überblick über Gasspeicher-Füllstände

Angesichts des Ukraine-Kriegs steigt auch die Sorge um die Gasversorgung. In Niedersachsen befinden sich rund 50 Gasspeicher – über den konkreten Füllstand liegen dem Land keine Informationen vor.

Artikel teilen:
Die Anlage des Erdgasspeichers (Astora GmbH) in Rehden. Foto: dpa/Assanimoghaddam

Die Anlage des Erdgasspeichers (Astora GmbH) in Rehden. Foto: dpa/Assanimoghaddam

Wie voll die Gasspeicher in Niedersachsen sind, lässt sich nur schwer sagen. Dem Land liegen wegen fehlender gesetzlicher Voraussetzungen dazu keine eigenen Informationen vor, sagten am Freitag Sprecher des Umwelt- und Energieministeriums sowie des Wirtschaftsministeriums in Hannover. Bundesweit lag der Füllstand aller Gasspeicher bei rund 30 Prozent. Dieser Wert habe eine höhere Aussagekraft für die Versorgungslage als der Füllstand der niedersächsischen Speicher, hieß es dazu aus dem Umwelt- und Energieministerium. Experten hatten die Speicherfüllstände zuletzt als niedrig, aber nicht mehr historisch tief bezeichnet.

Es gebe keine energierechtliche Anzeigepflicht der Speicherbetreiber an das Land, erläuterte der Sprecher des Energieministeriums. Zumindest einige der in Niedersachsen liegenden Speicher seien mit etwa 40 Prozent noch überdurchschnittlich gut gefüllt.

Füllstand des Speichers in Rehden derzeit bei 3,64 Prozent

Der Füllstand des größten deutschen Speichers in Rehden im Landkreis Diepholz liegt dem Ministerium zufolge bei derzeit nur noch rund 4 Prozent. Das Unternehmen Astora betreibt den Speicher in Rehden und ist ein Tochterunternehmen von Gazprom. "Ob der Speicher aus politischen Gründen "geleert" wurde, kann von unserer Seite nicht beurteilt werden", hieß es vom Wirtschaftsministerium. Seitens des Unternehmens werde darauf hingewiesen, dass Astora den Speicher zwar betreibe, aber keinen Einfluss darauf habe, was die Kunden dort ein- oder auslagerten.

Astora verwies bei einer entsprechenden Anfrage auf die Webseite der Gas Infrastructure Europe, auf der aktuelle Auslastungen von Gasspeichern einsehbar sind. Demzufolge liegt der Füllstand des Speichers in Rehden derzeit bei 3,64 Prozent. Für den Astora-Speicherort im ostfriesischen Jemgum ist eine Auslastung von 38,66 Prozent angegeben.

Das in den Gasspeichern gespeicherte Gas sei keine öffentliche Reserve, über die zum Beispiel das Land frei verfügen könne, hieß es dazu aus dem Energieministerium. Das Gas befinde sich im Eigentum privater Unternehmen, die die entsprechenden Kapazitäten des jeweiligen Gasspeichers buchen und nutzen. Die Speicher bedienten nicht automatisch den Bedarf in einer bestimmten Region, sondern eher im gesamten Marktgebiet Deutschlands, zum Teil aber auch in angrenzenden Marktgebieten innerhalb Europas.

Aussagekraft des Füllstandes von Speichern in Niedersachsen sei begrenzt

Daher diene das Gas, das in den Speichern in Niedersachsen vorhanden sei, nicht automatisch nur der Versorgung in Niedersachsen. Die Aussagekraft des Füllstandes von Speichern in Niedersachsen sei daher begrenzt. Der bundesweite Füllstand habe eine höhere Aussagekraft für die Versorgungslage in Niedersachsen und bundesweit.

Nur wenn das Bundeswirtschaftsministerium formal eine Gasversorgungskrise feststellt, werde die Bundesnetzagentur gemäß Energiesicherungsgesetz für die Sicherstellung der im überregionalen öffentlichen Interesse liegenden Versorgung zuständig. Dann könne sie auch den Einsatz von unterirdischen Gasspeichern regeln, erklärte der Sprecher des Energieministeriums.

Deutschland besitzt absolut betrachtet das größte Speichervolumen in Europa. Der durchschnittliche Füllstand betrug Anfang September 2021 knapp 60 Prozent, während ein Jahr zuvor noch ein Füllstand von 93 Prozent angegeben wurde, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. Im Februar 2022 waren die Erdgas-Speicherkapazitäten in Deutschland noch zu knapp 31 Prozent gefüllt. Niedersachsen ist dem Ministerium zufolge als Deutschlands Förder-, Import- und Transitregion maßgeblich an der Untertage-Speicherung mit derzeit etwa 50 Speicherbetrieben beteiligt.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Land hat keinen Überblick über Gasspeicher-Füllstände - OM online