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Land hält am Verteilschlüssel für Corona-Impfstoff fest

Die Landkreise ringen um mehr Impfstoff für eine zügige Fortsetzung der Kampagne. Dabei hält das Land trotz Kritik am Verteilschlüssel nach Einwohnerzahl fest.

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Viele Landkreise, vor allem in den ländlichen Regionen, fühlen sich bei der Verteilung des Impfstoffs benachteiligt. Foto: dpa

Viele Landkreise, vor allem in den ländlichen Regionen, fühlen sich bei der Verteilung des Impfstoffs benachteiligt. Foto: dpa

Trotz Klagen von Landkreisen über Umfang und Rhythmus der Impfstofflieferungen hält Niedersachsen an dem gewählten Verteilschlüssel für den Corona-Impfstoff fest. Es sei verständlich, dass die Landkreise mehr impfen wollten, die Lieferungen an das Land aber seien begrenzt, sagte ein Sprecher des Sozialministeriums am Freitag in Hannover. Mit derzeit wöchentlich verfügbaren rund 30.000 Dosen des Impfstoffs von Biontech/Pfizer in Chargen von 975 Dosen lasse sich nicht jedes der 50 Impfzentren in Niedersachsen wöchentlich beliefern.

Der auf der Einwohnerzahl beruhende Verteilschlüssel sei fair, sagte der Sprecher. Ansonsten würden zusätzliche Lieferungen an einzelne Landkreise bedeuten, dass diese Impfstoffmengen einem anderen Landkreis weggenommen werden müssten. Inzwischen wurden in Niedersachsen 78.174 Menschen gegen das Coronavirus geimpft, am Donnerstag allein 6442. Am Freitag begannen unterdessen die Impfungen auch mit dem Moderna-Impfstoff, zunächst in Kliniken in Oldenburg und Osnabrück.

Unmut über die Impfstoffverteilung gab es unter anderem in Kreisen in Ostfriesland. "Wir bedauern natürlich, dass wir unsere schwungvoll begonnene mobile Impfung in den besonders von der Pandemie betroffenen Pflegeheimen im Landkreis Wittmund nicht im gleichen Tempo fortsetzen können. Und dass wir jetzt eine Pause bis zur nächsten Belieferung einlegen müssen", sagte Landrat Holger Heymann (SPD) am Freitag. Wegen fehlenden Impfstoffs musste der Landkreis die Impfungen in Pflegeheimen unter der Woche einstellen. Eine zweite Lieferung wird erst für den 4. Februar, also in mehr als zwei Wochen, erwartet.

Ländliche Regionen beklagen Lieferrhythmus des Impfstoffs

Der Lieferrhythmus sorgte auch in anderen eher ländlichen Regionen Niedersachsens zuletzt für Unmut. Der von der Infektionswelle stark betroffene Kreis Gifhorn etwa klagte, dass er zunächst nur noch alle 10 statt zunächst alle 7 Tage beliefert wird - das bringe Planung und Abläufe durcheinander, erklärte Landrat Andreas Ebel (CDU).

Auch aus der kreisfreien Stadt Emden war Unmut über die Impfstoff-Verteilung zu vernehmen. Die Verteilungsregelung sei aus Emder Sicht "unglücklich" und führe vor Ort zu Unverständnis, sagte der Emder Stadtbaurat Andreas Docter am Freitag der "Ostfriesen-Zeitung". Wegen fehlenden Impfstoffs müssten Impfteams nach Hause geschickt werden. "Wir befürchten, dass diese Pause zu einem Nachlassen der Impfbereitschaft führt", sagte Docter, der auch im Katastrophenschutzstab der Stadt arbeitet.

Der Kreis Cloppenburg indes verwies darauf, dass bereits alle impfbereiten Personen in den 27 Senioren- und Pflegeeinrichtungen des Landkreises geimpft seien. "Die Impfkampagne des Landes begann bei uns am 27. Dezember, gemeinsam mit dem Landkreis Osnabrück", sagte ein Kreissprecher. Von Sonntag an erhalten die als erste vor drei Wochen Geimpften ihre zweite Impfdosis. An diesem Samstag starte der Landkreis außerdem die dezentralen Impfungen der Über-80-Jährigen, die nicht in einem Heim leben.

Landtagsopposition kritisiert gesonderte Einwilligung für zweite Impfdosis

Für Kritik der Landtagsopposition sorgte unterdessen die vom Ministerium an die Heimaufsichten gerichtete Maßgabe, dass für die zweite Corona-Impfdosis eine gesonderte Impfeinwilligung für jede Bewohnerin und jeden Bewohner eingeholt werden muss. "In der jetzigen Situation ist schnelles, möglichst unbürokratisches Handeln nötig", sagte die FDP-Abgeordnete Susanne Schütz. Stattdessen verkompliziere das Sozialministerium die Prozesse noch zusätzlich. "Es ist nicht nachvollziehbar, warum für eine Impfung, die von vornherein auf zwei Impfdosen ausgelegt ist, zwei separate Einwilligungen verlangt werden."

Auch die Grünen-Abgeordnete Meta Janssen-Kucz reagierte zornig: "Die Empörung in der Pflege ist absolut verständlich. Was da zum Wochenende aus dem Sozialministerium verlangt wird, sprengt alle Impfpläne." Die zweite Impfung gerate in Gefahr. Dem widersprach das Sozialministerium. Die Erfordernis einer zweiten Einwilligung sei den Heimen längst bekannt. Sie sei bundesgesetzlich erforderlich, weil es sich jeweils um einen ärztlichen Eingriff handelt. Nach dem Anschreiben des Ministeriums an die Heime kann die Einwilligung auch vorab per Mail oder Fax übermittelt werden, wenn die Zeit drängt.

Inzidenz: Landkreis Cloppenburg ist landesweit auf Platz 2

Unterdessen ging die Zahl der Neuinfektionen in Niedersachsen am Freitag leicht zurück, ebenso die der Klinikpatienten und die landesweite 7-Tage-Inzidenz, die auf 105,7 sank - nach 108,6 am Vortag. Der Wert gibt die Zahl der Menschen an, die sich in der vergangenen Woche gerechnet auf 100.000 Menschen nachweislich mit dem Virus infiziert haben. Sämtliche Kreise und großen Städte sackten wieder unter den kritischen Inzidenzwert von 200, darunter auch die zuletzt stark betroffenen Landkreise Gifhorn (192) und Cloppenburg (168,7).

Im Kreis Gifhorn waren am Dienstag Ausgangsbeschränkungen in Kraft getreten. Von 20.00 Uhr bis zum nächsten Morgen um 5.00 Uhr müssen die Menschen zu Hause bleiben - das gilt bis Ende Januar. Allerdings verzichtete der Kreis auf ein geplantes Verbot, bei dem Kontakte außerhalb des eigenen Haushalts untersagt werden sollten. Die Behörden begründeten den Schritt am Freitag mit enormen Schwankungen des Inzidenzwerts.

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