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Kritik an Merkels Energiepolitik: Neunmalklug im Nachhinein

Thema: Kritik an Merkels Energiepolitik – Es gibt zwei Fehler, die unter Merkel mit Blick auf die Energiepolitik passiert sind. Aber das ist vergossene Milch. Hat man aus der Geschichte gelernt?

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Heute fällt einem wie Schuppen von den Augen, was Putins Strategie war, auf die Merkel, Gabriel und Co. hereingefallen sind: Erst die deutschen Energie-Junkies mit Nord Stream 2 an die Gas-Nadel hängen und dann einen Krieg gegen die Ukraine anfangen, gegen den die Deutschen nichts machen können, wenn sie nicht frieren wollen. So ungefähr.

Nachher ist man immer klüger. Nur, wenn man mitten in der Geschichte steht, sieht es eben anders aus, und darauf beruft sich die Alt-Kanzlerin: "Man handelt immer in der Zeit, in der man ist", sagt sie, und weist darauf hin, dass sie damals den gleichzeitigen Ausstieg aus Kohle- und Atomstrom zu bewältigen hatte und die Gesellschaft einhellig fand, billiges russisches Gas solle die Lücke füllen.

Damit hat Angela Merkel Recht und Unrecht zugleich. Recht, weil alle Parteien mit Ausnahme der Grünen es seinerzeit so gesehen haben. Die Wirtschaft ebenso, und auch aus jenen Medien, die die Altkanzlerin jetzt heftig wegen politischer Kurzsichtigkeit angreifen, gab es kaum Kritik. Das sind die Neunmalklugen, die es hinterher immer besser wissen. Unrecht hat Merkel, weil es schon damals, also nicht im Nachhinein, mindestens 2 wichtige Hinweise gab, denen sie hätte folgen können.

Härteren Kurs gegen Moskau wollte damals keiner

Erstens den der Grünen, dass der Ausbau von Wind- und Solarenergie viel zu langsam gehe. Das hat sie missachtet, auch weil ihre eigene Partei gegen eine schnellere Energiewende war. Wenn man ehrlich ist: In der gesamten Bevölkerung waren und sind Windräder und Stromtrassen nicht gerade populär, geschweige denn Energiesparen. Wenn Merkel also schuld ist an der Lage, dann jedenfalls nicht allein.

Der zweite Hinweis kam von den Polen und Balten und besagte, dass Putin kreuzgefährlich sei, weshalb Deutschland seine Russlandpolitik ändern müsse. Aber einen härteren Kurs gegen Moskau wollte damals ebenfalls keiner.

Das sind die beiden Fehler, die nicht mit "wusste man halt alles nicht" zu erklären sind. Aber das ist vergossene Milch. Wichtiger ist, ob man aus der Geschichte gelernt hat. Da sind leider Zweifel angebracht. Jetzt kauft Deutschland in der Not Öl und Gas von Saudi-Arabien und Katar und liefert dorthin im Gegenzug Waffen. Es sind Länder, die keinen Deut besser sind als Russland. Hauptsache billige Energie. Und Olaf Scholz schickt sich an diesem Wochenende an, mit China gute Geschäfte zu machen. Hauptsache, die Wirtschaft brummt. Alles wie zu Merkels Zeiten.


Zur Person:

  • Der Lohner Werner Kolhoff (66) hat für den Berliner Tagesspiegel und die Berliner Zeitung gearbeitet.
  • Er war Sprecher des Berliner Senats und leitete ein Korrespondentenbüro.
  • Heute ist er in der Hauptstadt als politischer Kolumnist tätig.

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