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Kritik am Industriegebiet reißt nicht ab

Eine Firmen-Ansiedlung im Dinklager Gewerbegebiet "Östlich Dinklager Ring" halten Naturschützer für fatal. Sie warnen vor den Auswirkungen für den Burgwald.

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Noch eine Ackerfläche, bald ein Gewerbegebiet? Die Firma Thees möchte sich östlich des Dinklager Ringes ansiedeln. Foto: Böckmann

Noch eine Ackerfläche, bald ein Gewerbegebiet? Die Firma Thees möchte sich östlich des Dinklager Ringes ansiedeln. Foto: Böckmann

In der Diskussion um das Gewerbegebiet "Östlich Dinklager Ring" reißt die Kritik nicht ab: Der kreisweit bekannte Umweltschützer Lutz Neubauer und der Umweltschutzverein Pro Natura warnen vor den langfristigen Auswirkungen – vor allem mit Blick auf den vom Austrocknen bedrohten Burgwald, sollte sich die Firma Thees auf der Fläche an der Umgehungsstraße ansiedeln. Der Kunststoffrecycler, dessen Kapazitäten an den fünf verschiedenen Standorten an ihre Grenzen stoßen, möchte auf dem 4,6 Hektar großen Areal drei Hallen (für Produktion, Lager und Verwaltung) bauen.

Neubauer ist überzeugt: Das Gewerbegebiet werde "einen schwerwiegenden Eingriff in den Grundwasserhaushalt bewirken". Der Lohner beruft sich dabei auf das bodenkundliche Gutachten und besonders die Stellungnahme der Naturschutzbehörde des Landkreises Vechta. Die baulichen Veränderungen des Bodens mit folgender Versiegelung seien gewaltig.

Denn das Oberflächenwasser werde nicht versickern, sondern direkt in den Mühlenbach eingeleitet. Daher sei eine Grundwasserabsenkung unvermeidbar, was sich langfristig massiv auf den Burgwald auswirken werde – auch, wenn es bei den dortigen Bodenverhältnissen Jahre dauern könne, bis die Folgen messbar und statistisch nachweisbar seien.

Neubauer: Burgwald leidet unter Autobahn-Bau

Für Lutz Neubauer hat der Dinklager Burgwald unter dem Bau der Autobahn (Fertigstellung 1968) und den Entwässerungsgräben und Drainagen "sehr gelitten". Um die Pfahlbauten des Klosters Burg Dinklage nicht vertrocknen und verrotten zu lassen, wird dort seit Jahrzehnten Wasser zugeführt. Der Grundwasserschwund lasse sich an den häufig trockenen Gräben und am Zustand der alten Bäume ablesen. 

Der parteilose Ratsherr aus Lohne – auf Lohner Gebiet liegt ein kleiner Teil des Burgwaldes – erklärt: "Ein alter Baum folgt mit seinem Wurzelwerk nicht dem sinkenden Grundwasser, er stellt das Wachstum ein und kränkelt vor sich hin, wird anfällig gegen Pilz- und Käferbefall und stirbt schließlich ab."

Grundwasserschwund sei ein langsamer Vorgang: Er habe weniger mit dem Mangel an Niederschlägen als an den Eingriffen in den Naturhaushalt zu tun. Das Gewerbegebiet, sollte es denn kommen, werde im Burgwald "den Grundwasserschwund nochmals verstärken", ist Lutz Neubauer überzeugt. Auch Pro Natura im Landkreis Vechta lässt beim Thema Thees nicht locker. 

In einer längeren Eingabe und einer Online-Petition hatte die Umweltschutzorganisation schon viele Gründe genannt, die gegen das Gewerbegebiet an der Stelle sprechen würden. Heinz Hanken und Manfred Schlömer vom Vorstand des Vereins nennen nun einen weiteren Aspekt: Durch die industrielle Nutzung würde zwangsläufig Mikroplastik in der Umwelt verteilt – "so dicht an einem Naturschutzgebiet, das geht gar nicht. Das ist ein Unding", sagt Hanken und sorgt sich um die Gräben, in denen dann auch Kammmolche und Frösche Mikroplastik aufnehmen würden.

"Wir haben nichts gegen einen Neubau der Firma Thees. Wohl aber an dem Standort direkt am Burgwald. Der ist nicht optimal gewählt."Heinz Hanken, 2. Vorsitzender Pro Natura

Der Varnhorner schimpft: Die Umweltschutzverbände hätten in den vergangenen Jahren viele verfehlte Planungen der Behörden der vergangenen Jahrzehnten ausgebügelt. Mit einem Industriegebiet an dieser Stelle würde der Naturschutz wieder einmal mit Füßen getreten, sagt Hanken. Er verstehe nicht, warum Dinklages Bürgermeister Frank Bittner der Firma keine Fläche an einer anderen Stelle anbiete. Er, sagt Hanken, habe den Eindruck, dass das Unternehmen von der Stadt bei der komplexen Thematik im Stich gelassen werde.

Ein Standort an einer anderen Stelle? Das scheint für die Firma Thees keine Option zu sein, wie Geschäftsführer Ansgar Thees-Ovelgönne auf Anfrage schriftlich mitteilte. "Für die Entwicklung unseres Unternehmens ist es notwendig an dem geplanten Standort am Dinklager Ring das Bauvorhaben umzusetzen. Hieran halten wir nach wie vor fest." Das Familienunternehmen warte die Ergebnisse und die Beschlussfassung des Rates über die erneute Auslegung des Flächennutzungsplanes ab und gehe davon aus, "dass während des Verfahrens etwaige Einwendungen und Bedenken ausgeräumt werden können".

  • Info: Geschäftsführer Ansgar Thees-Ovelgönne äußerte sich im März im Interview zu den Plänen seiner Firma.

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