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Kriegsangst: Menschen suchen Schutz in den Metro-Stationen von Kiew

Russland hat mit der Invasion in die Ukraine begonnen. Viele Menschen fliehen aus Angst vor einem noch größeren Angriff aus der Hauptstadt. Die, die bleiben, suchen Schutz in U-Bahn-Stationen.

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Menschen sitzen und liegen in einer U-Bahn-Station in Kiew. Foto: Emilio Morenatti / AP / dpa

Menschen sitzen und liegen in einer U-Bahn-Station in Kiew. Foto: Emilio Morenatti / AP / dpa

Tausende Menschen haben in der ukrainischen Hauptstadt Kiew am Donnerstagabend in U-Bahn-Stationen Schutz gesucht. Bürgermeister Vitali Klitschko hat die Bewohner dazu aufgerufen. In Kiew heulten am Morgen erneut die Sirenen, wie ein Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur berichtete.

Bilder aus der Großstadt Charkiw im Osten des Landes zeigten, wie auch dort Menschen mit Decken auf dem Boden einer Metro-Station lagen. Viele hatten Wasserflaschen und Nahrungsmittel dabei.

Die Straßen in Kiew seien am Abend fast menschenleer gewesen, berichtete ein Korrespondent der Deutschen-Presse-Agentur. Auf den Straßen waren demnach nur wenige Autos zu sehen. Seit 21.00 Uhr MEZ galt erstmals eine Sperrstunde. Dennoch war Kiew weiter wie gewohnt beleuchtet, unter anderem die Sehenswürdigkeiten wie die unter Unesco-Schutz stehende Sophienkathedrale und das Goldene Tor. Zudem zeigten alle TV-Sender nur noch das Programm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens mit den entsprechenden Nachrichten.

Menschen fliehen aus Kiew

Aus Angst vor einem noch größer angelegten russischen Angriff auf die Ukraine fliehen viele Menschen aus der Hauptstadt Kiew. Die Slowakei, die eine direkte Grenze mit der Ukraine hat, stellt einen zunehmenden Andrang von Reisenden aus der Ukraine fest. Am Grenzübergang Vysne Nemecke sei mit bis zu achtstündigen Wartezeiten zu rechnen, teilte die slowakische Zollverwaltung am Abend mit. Konkretere Angaben über die Zahl der Einreisenden wollten Polizei und Innenministerium am Freitag veröffentlichen. Noch zum Mittag hatten sie die Lage an den Grenzübergängen zur Ukraine als ruhig bezeichnet.

Vor Bankautomaten Kiew bildeten sich lange Schlangen, wie ein Korrespondent der Deutschen Presse-Agentur vor Ort berichtete. Fotos zeigten zudem lange Autokolonnen. Andere versuchten, mit Zügen aus der Millionenmetropole zu flüchten. Viele Menschen deckten sich mit Lebensmitteln und Trinkwasser ein. Befürchtet wird offenbar, dass die Versorgung im schlimmsten Fall zusammenbrechen könnte.

Aufgrund des verhängten Ausnahmezustandes dürfen jedoch nach ukrainischen Behördenangaben männliche ukrainische Staatsbürger im Alter von 18 bis 60 Jahren das Land nicht verlassen.

Foto: AP  dpaFoto: AP / dpa

Nach vorläufigen Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) sind in der Ukraine bereits 100.000 Menschen auf der Flucht. «Es hat eindeutig erhebliche Vertreibungen im Land gegeben und es gibt Bewegungen Richtung Grenzen und ins Ausland», sagte eine UNHCR-Sprecherin am Donnerstagabend in Genf.

Die Präsidentin der Republik Moldau, Maia Sandu, twitterte am Abend, dass am Donnerstag mehr als 4000 Menschen aus der Ukraine über die Grenze gekommen seien. Die Regierung habe bei Palanca und Ocnița Auffanglager eingerichtet. «Unsere Grenzen sind offen für Menschen aus der Ukraine, die einen sicheren Aufenthalt brauchen oder durchreisen möchten», schrieb sie auf dem Kurznachrichtendienst.

Nach Angaben der UN-Organisation für Migration (IOM) sind in der Ukraine nach acht Jahren Konflikt bereits mehr als 1,4 Millionen Menschen Vertriebene. «Die Eskalation wird die humanitären Bedürfnisse noch verstärken und das Leid von Millionen von Familien verschlimmern», teilte IOM-Generaldirektor António Vitorino mit. Die Organisation stehe bereit, um in enger Absprache mit Regierungen und Partnern den Menschen zu helfen, die Hilfe brauchten.

Sorge vor humanitärer Krise

Das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation WHO ist angesichts um das Wohlbefinden der betroffenen Zivilisten in der Ukraine besorgt. Jede weitere Eskalation in dem Konflikt könne zu einer humanitären Katastrophe in Europa mit vielen Todesopfern und weiteren Schäden für die ohnehin schon anfälligen Gesundheitssysteme führen, teilte die WHO Europa am Donnerstag mit.

«Gesundheitspersonal, Krankenhäuser und andere Einrichtungen dürfen nie zu einer Zielscheibe werden und ihnen muss gestattet sein, den Gesundheitsbedürfnissen von Gemeinschaften weiter zu dienen», erklärte die Organisation. Der Schutz von Zivilisten sei eine im humanitären Völkerrecht verankerte Verpflichtung.

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Auch aus Sicht der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat die russische Militäraktion dramatische Folgen für die Bevölkerung vor Ort. «Es entsteht eine humanitäre Krise», sagte OSZE-Generalsekretärin Helga Schmidin Wien. Ein Strom an Menschen werde fliehen, während es für die Verbleibenden keine funktionierende Grundversorgung geben werde, sagte die deutsche Diplomatin bei einer Sitzung von Parlamentariern aus den 57 OSZE-Staaten.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat sich ebenfalls tief besorgt gezeigt. «Die humanitären Folgen für die Zivilbewohner werden verheerend sein», teilte UNHCR-Chef, Filippo Grandi mit, ohne den Einmarsch Russlands zu erwähnen. Die Organisation rief Nachbarländer auf, die Grenzen für Menschen, die Sicherheit und Schutz suchen, offen zu halten. Das UNHCR stehe in der Ukraine und Nachbarländern bereit zu helfen.

Norwegen erhöht Nothilfe für Ukraine

Norwegen erhöht seine Nothilfe für die Ukraine um 200 Millionen norwegische Kronen (rund 20 Millionen Euro). Das gab Regierungschef Jonas Gahr Støre am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Oslo bekannt.

«Heute sind wir zu Krieg in Europa aufgewacht», sagte Støre zum russischen Einmarsch in die Ukraine. Man habe lange befürchtet, dass Russland einen massiven militärischen Angriff auf die Ukraine starten werde - genau das geschehe nun. «Das ist auch ein Angriff auf das freie und demokratische Europa.» Norwegen als Nicht-EU-Mitglied werde sich den geplanten EU-Sanktionen gegen Russland anschließen.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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