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Krieg in Europa: Deutsche Waffen in der Ukraine angekommen

Zum zweiten Mal treffen sich Unterhändler Moskaus und Kiews. Die Ukraine meldet den Tod von mehr als 2000 Zivilisten. Die deutschen Waffen sind soeben in der Ukraine angekommen.

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Foto: dpa/Lukatsky

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Die von Deutschland bereitgestellten Waffen für die Ukraine sind übergeben worden. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen in Berlin.

Am Samstag hatte die Bundesregierung angekündigt, die ukrainischen Streitkräfte mit 1000 Panzerabwehrwaffen sowie 500 Boden-Luft-Raketen vom Typ „Stinger“ unterstützen zu wollen.

Zum zweiten Mal seit Kriegsbeginn wollen Unterhändler Russlands und der Ukraine zu offiziellen Gesprächen über eine Waffenruhe zusammenkommen.

Zweite Runde Friedensgespräche geplant

Russland zeigte sich bereit, die Verhandlungen mit der Ukraine noch heute Abend fortzusetzen, wie Putins Sprecher Dmitri Peskow laut Agentur Interfax sagte. Den Ort nannte er zunächst nicht. Die erste Runde am Montag war ohne greifbare Ergebnisse geblieben.

Peskow unterstrich die Forderungen Putins: Die Regierung in Kiew müsse die „Volksrepubliken“ Luhansk und Donezk sowie Russlands Souveränität über die Schwarzmeer-Halbinsel Krim anerkennen. Zudem fordert Russland eine „Demilitarisierung“ der Ukraine.

Die Ukraine hat der Nachrichtenagentur Unian zufolge neuen Verhandlungen mit Russland zugestimmt. Unian bezog sich dabei auf Informationen des ukrainischen Delegationsleiters David Arachamija. Uhrzeit und Ort für die Gespräche wurden ebenfalls nicht genannt.

Angriff auf Holocaust-Gedenkstätte Babyn Jar

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte den russischen Angriff auf den Fernsehturm in Kiew nahe der Holocaust-Gedenkstätte Babyn Jar. Am Dienstag waren mutmaßlich zwei Raketen in unmittelbarer Nähe von Babyn Jar eingeschlagen. Im September 1941 hatten deutsche Truppen nach dem Einmarsch in Kiew in Babyn Jar mehr als 33.000 Juden erschossen. Selenskyj hat jüdische Wurzeln. Putin bezeichnet die ukrainische Führung als Nazis und rechtfertigte seinen Angriff auch mit dem Ziel einer „Entnazifizierung“ der Ukraine.

Russische Angriffe gegen Cherkiw und Cherson

Sowohl die Ukraine als auch Russland berichteten von militärischen Erfolgen. Zu eigenen Verlusten machten weder Moskau noch Kiew Angaben. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums wurden mehr als 5840 russische Soldaten seit Kriegsbeginn getötet. Außerdem kamen nach Angaben Kiews mindestens 2000 Zivilisten ums Leben, wie der Rettungsdienst bei Facebook mitteilte. Unabhängig können die Berichte nicht überprüft werden. Die UN sprach zuletzt von 142 toten Zivilisten.

Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, gegen Geheimdienst-Einrichtungen in Kiew seien „hochpräzise Waffen“ eingesetzt worden. Der Fernsehturm sei deaktiviert. Seit Beginn des Krieges seien mehr als 1500 ukrainische Militärobjekte zerstört worden.

Das russische Militär gab an, Kontrolle über die seit Tagen umkämpfte südukrainische Großstadt Cherson zu haben – die Ukraine weist das zurück. Die Kämpfe dauerten noch an, sagte der Berater des Büroleiters im ukrainischen Präsidialamt, Olexij Arestowitsch. Mit der Einnahme Chersons könnte Russland den ukrainischen Nachschub zwischen dem Westen und dem Osten des Landes schwer treffen. Auch die ostukrainische Millionenstadt Charkiw erlebte erneut schwere Angriffe.

Mehr als als 400 Brände, die „durch Feindbeschuss“ entstanden, seien nach Angaben aus Kiew seit vergangenen Donnerstag gelöscht worden. Den Angaben zufolge wurden 500 Menschen in Sicherheit gebracht. Mit Blick auf die andauernden Angriffe hieß es: „Jede Stunde kostet das Leben unserer Kinder, Frauen und Verteidiger.“

Die militärische Einschätzung

Eine langfristige Besatzung der Ukraine wäre nach Ansicht des britischen Verteidigungsministers Ben Wallace eine große Herausforderung. Russland müsse sich auf „Jahre des Widerstands“ einstellen. Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, André Wüstner, rechnet mit einem Guerillakrieg in den ukrainischen Städten.

Sanktionen gegen Russland und Belarus verschärft

Die USA werden – wie zuvor die Europäische Union und Kanada – ihren Luftraum für russische Flugzeuge sperren. Die EU setzte ihre Sanktionen zum Ausschluss sieben russischer Finanzinstitute aus dem Banken-Kommunikationsnetzwerk Swift in Kraft. Es gilt eine Übergangsfrist von zehn Tagen. Die Banken werden damit keine internationalen Zahlungen mehr vornehmen können. Die größte russische Bank Sberbank sowie die Gazprombank sind nicht betroffen.

Die EU-Staaten verständigten sich auf neue Sanktionen gegen Russlands Verbündeten Belarus, wie die französische EU-Ratspräsidentschaft auf Twitter mitteilte. Betroffen sind demnach vor allem die belarussische Holz-, Kali,- und Stahlindustrie.

Die Türkei verhinderte den Versuch Russlands, weitere Kriegsschiffe durch die türkischen Meerengen ins Schwarze Meer zu bringen, wie Außenminister Mevlüt Cavusoglu mitteilte.

USA fordern Verurteilung

Vor einer Abstimmung in der UN-Vollversammlung zur Verurteilung von Russlands Angriffskrieg in der Ukraine haben die USA die Staaten der Welt zur Unterstützung einer entsprechenden Resolution aufgefordert. „Zu keinem anderen Zeitpunkt in der jüngeren Geschichte wurden die UN so herausgefordert. Wenn die Vereinten Nationen irgendein Ziel haben, dann ist es, Krieg zu verhindern“, sagte die amerikanische UN-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield zum Ende einer dreitägigen Dringlichkeitssitzung vor dem größten UN-Gremium. Den diplomatischen Vertretern der UN-Mitglieder sagte sie: „Das ist heute unsere Aufgabe hier. Es ist der Job, für den Sie hierher geschickt wurden, nicht nur von Ihren Hauptstädten, sondern von der ganzen Menschheit.“

Kiew hat die Länder der Welt zum Zusammenhalt aufgerufen. „Wir erleben einen entscheidenden Moment für unsere Generation“, sagte der ukrainische UN-Botschafter Serhij Kyslyzja vor dem größten UN-Gremium. Russland sei nicht nur für seine außenpolitischen Ziele einmarschiert. „Sie sind gekommen, um der Ukraine das Existenzrecht zu nehmen.“ Es sei die Aufgabe der Weltgemeinschaft, Moskau zu verurteilen.

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