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Krieg gegen die Ukraine: Auch in der Waffenruhe zum Fest töten Bomben

Es ist das erste orthodoxe Weihnachtsfest seit dem russischen Angriff. Die Waffen aber schweigen nicht – daran ändert auch eine einseitig von Moskau ausgerufene Feuerpause nichts. Ein Überblick.

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Ein Mann zündet in Donetsk während eines Weihnachtsgottesdiensts in einer orthodoxen Kirche eine Kerze an. Foto: dpa/Alexei Alexandrov

Ein Mann zündet in Donetsk während eines Weihnachtsgottesdiensts in einer orthodoxen Kirche eine Kerze an. Foto: dpa/Alexei Alexandrov

Trotz der von Kremlchef Wladimir Putin angeordneten einseitigen Feuerpause anlässlich des orthodoxen Weihnachtsfests hat Russlands Armee eigenen Angaben zufolge ukrainische Angriffe erwidert.

Die Kampfhandlungen gingen nach Einschätzung britischer Geheimdienste vom Samstag an den Feiertagen unvermindert weiter. Eine der am härtesten umkämpften Gegenden sei weiterhin die um die Stadt Kreminna in der Region Luhansk, hieß es im täglichen Kurzbericht des britischen Verteidigungsministeriums.

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksii Makeiev, zeigte sich nach der Zusage der Bundesregierung, Marder-Schützenpanzer an die Ukraine zu liefern, optimistisch, dass diese seinem Land im Abwehrkampf helfen würden. Samstag war der 318. Tag des russischen Angriffskriegs.

Russisches Militär will nur zurückgeschlagen haben

Die von Putin angeordnete 36-stündige Feuerpause hielt bereits am Freitag nicht. Offiziell sollte sie am Samstag um Mitternacht enden (22 Uhr Mitteleuropäischer Zeit). Das russische Verteidigungsministerium räumte am Samstag ein, trotz der einseitig ausgerufenen Waffenruhe ukrainische Angriffe zu erwidern. "Alle Positionen der ukrainischen Armee, von denen aus Beschuss erfolgte, wurden von den russischen Streitkräften durch Erwiderung des Feuers niedergeschlagen", sagte der Sprecher Igor Konaschenkow. Kampfhandlungen gab es demnach in den Gebieten Donezk, Cherson und Saporischschja. Ungeachtet dessen behauptete Konaschenkow, Russland halte sich an die Feuerpause.

Für den Widerstand gegen die russischen Angreifer bleibt für die Ukraine die Unterstützung ihrer Verbündeten zentral. Der ukrainische Botschafter Makeiev zeigte sich dankbar über die am Freitag nach langem Zögern erfolgte Zusage aus Deutschland zur Lieferung von Schützenpanzern an Kiew. «Vom Schützenpanzer Marder werden unsere Bodentruppen enorm profitieren», sagte er der «Wirtschaftswoche».

Gleichzeitig machte Makeiev deutlich, dass sein Land weiter auch auf Kampfpanzer hoffe. "Ich bin Optimist. Nach fast einem Jahr seit Beginn dieser großen russischen Invasion haben viele Menschen in Deutschland endlich begriffen, dass es in diesem Krieg um die Existenz der Ukraine geht und um Frieden im ganz Europa", sagte er auf die Frage, wie groß er die Chance einschätze, dass Deutschland nun auch Kampfpanzer vom Typ Leopard liefert.

Positive Resonanz auf Panzer-Beschluss

Auch in der EU wurde der Beschluss der Bundesregierung zur Lieferung von Marder-Schützenpanzern positiv aufgenommen. Die Präsidentin des Europaparlaments, Roberta Metsola, begrüßte die Entscheidung. "Es ist wichtig, dass wir das ukrainische Volk weiter unterstützen – politisch, humanitär, finanziell und militärisch", sagte sie am Samstag bei der Klausur der CSU-Bundestagsabgeordneten im oberbayerischen Kloster Seeon.

Der CDU-Außenpolitiker und frühere Bundeswehroffizier Roderich Kiesewetter zeigte sich überzeugt davon, dass nur mit solchen Lieferungen der Krieg rascher beendet werden könne, sagte er im Deutschlandfunk. Russland habe bei aller Zurückhaltung insbesondere Deutschlands immer weiter eskaliert. "Unsere Nichtlieferung hat ja nicht dazu geführt, dass Russland Verhandlungen wollte", fügte er hinzu.

Die Entscheidung für die Schützenpanzerlieferungen zeige eine Einigkeit des Westens. Nun könne man deutlich machen, wenn Russland nicht in Verhandlungen einlenke, "wäre der nächste Schritt die Ausbildung von Kampfpanzerbesatzungen und dann auch die Lieferung".

EU zahlt ein Viertel aller Finanzhilfen

Neben militärischer Hilfe wurde die Ukraine im vergangenen Jahr eigenen Angaben zufolge aus dem Ausland auch mit umgerechnet mehr als 30 Milliarden Euro an Hilfsgeldern und Krediten unterstützt. Rund 40 Prozent stammten dabei aus den USA, teilte die ukrainische Zentralbank mit. Knapp 25 Prozent seien von der Europäischen Union und etwa acht Prozent vom Internationalen Währungsfonds gekommen.

Die Unterstützung entsprach damit rund 16 Prozent der ukrainischen Wirtschaftsleistung vor dem Krieg. Das ukrainische Bruttoinlandsprodukt ist 2022 durch den Krieg nach Schätzungen des Wirtschaftsministeriums in Kiew um über 30 Prozent eingebrochen.

Trotz des Krieges feierten orthodoxe Christen in Russland und in der Ukraine am Samstag Weihnachten. In Kiew hielt die neue Orthodoxe Kirche der Ukraine erstmals eine Weihnachtsmesse im berühmten Höhlenkloster ab. Der Einladung zum Gottesdienst in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale folgten mehrere Hundert Gläubige, Dutzende Journalisten und der Kulturminister Olexander Tkatschenko. Bis Ende 2022 war die wohl wichtigste Kathedrale der Ukraine von der konkurrierenden ukrainisch-orthodoxen Kirche genutzt worden.

Inszenierung an Weihnachten

Russlands Präsident Wladimir Putin feierte Weihnachten auf dem Gelände des Kremls. Von staatlichen russischen Medien verbreitete Fotos und Filmaufnahmen zeigen, wie der 70-Jährige nur im Beisein von Kirchendienern in der Mariä-Verkündigungs-Kathedrale steht. Putin sagte einer Kreml-Mitteilung zufolge: "Dieser helle, geliebte Feiertag inspiriert die Menschen zu guten Taten und Bestrebungen und dient dazu, in der Gesellschaft unvergängliche geistliche Werte und moralische Richtlinien wie Barmherzigkeit, Mitgefühl, Güte und Gerechtigkeit zu bekräftigen."

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