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#Klimasicherheit

Kolumne: Irgendwas mit # – Die Klimakrise ist die größte Bedrohung unserer Sicherheit. Auch im Oldenburger Münsterland spüren wir die Folgen schon.

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Kennen Sie Lytton? Die kleine Gemeinde im kanadischen British Columbia stand während einer Hitzewelle 2021 in den Schlagzeilen. Tagelang kratzten die Temperaturen dort an der 50-Grad-Celsius-Marke. Am 29. Juni 2021 war es dort 49,5 Grad Celsius heiß. Es war die höchste Temperatur, die je in der Geschichte Kanadas gemessen wurde. Einen Tag später brachen in dem Dorf mehrere Feuer aus. Der Ort wurde zerstört, die Bewohner evakuiert.

Zugegeben: Lytton ist ein Extrembeispiel. Und doch gibt es immer mehr davon: Die Flut im Ahrtal mit 134 Toten zählt dazu, die aktuelle Hitzewelle in Indien ebenso. Auch das Leben in Cloppenburg und Vechta ist schon jetzt unsicherer geworden. Am prägnantesten ist wohl die zunehmende Hitze. „Das hat es immer schon gegeben“, mag der eine oder andere Ewiggestrige jetzt sagen. Natürlich: Hitzetage gab es schon immer. Nur waren sie damals weitaus seltener. Daten des Deutschen Wetterdienstes belegen: Die Zahl der Hitzetage in Nordwestdeutschland hat deutlich zugenommen. Waren in den 60er Jahren Sommertage mit Höchsttemperaturen über 30 Grad die absolute Ausnahme, sind sie heute nichts Besonderes mehr. Hitze belastet unsere Körper und setzt insbesondere alten Menschen zu. Sie führt zu Todesfällen.

Schon jetzt sind die Folgen gravierend

Auch Dürren und in der Folge Ernteausfälle und Wasserknappheit werden im Oldenburger Münsterland immer wahrscheinlicher. Einige Lohner werden sich noch gut an den Dürresommer 2018 erinnern können, als bei ihnen stundenlang kein Wasser mehr ankam. Schon bei einer Erderwärmung von 1,2 Grad sind die Folgen also gravierend.

"Es wäre zynisch, den kommenden Generationen eine in vielen Teilen unbewohnbare Erde zu hinterlassen."Friedrich Niemeyer

Bei den 1,2 Grad wird es aber nicht bleiben, so viel steht fest. Und selbst wenn: Wir haben uns schon jetzt in eine Situation hineinmanövriert, die auf Jahrhunderte unumkehrbar sein wird – sieht man mal von Gedankenspielen ab, die Erde zum Beispiel mit Weltraumspiegeln abzukühlen. Zudem steuern wir gerade auf eine Erderhitzung von weit mehr als 2 Grad zu, und mit jeder Tonne CO2 mehr in der Atmosphäre kann eine Kettenreaktion in Gang gesetzt werden, die das Klima auch ohne Zutun des Menschen entgleisen lässt, mit katastrophalen Folgen. Das sollte Legitimation genug sein, die Erderhitzung auf maximal 1,5 Grad zu begrenzen. Weil die vorherigen Regierungen die nötige Wende allerdings verschlafen haben, erfordert das 1,5-Grad-Ziel heute eine abrupte Dekarbonisierung unserer Lebens- und Wirtschaftsweise, die den Wählerinnen und Wählern nur schwer zu vermitteln wäre. Andererseits wäre es zynisch, den kommenden Generationen eine in vielen Teilen unbewohnbare Erde zu hinterlassen. Genau darauf steuern wir aber gerade zu.

Falsche Prioritätensetzung

Für mich ist es unverständlich, wenn Regierungen dann doch plötzlich die Sicherheit auf ihre Fahnen schreiben und an anderen Stellen radikale Entscheidungen treffen. Bayern zum Beispiel hat 2017 ein Gesetz beschlossen, das es der Polizei ermöglicht, sogenannte „Gefährder“ in potenziell zeitlich unbestimmte Präventivhaft zu nehmen – ohne, dass sie je eine Straftat begangen haben. Nebenbei beschließt der bayerische Landtag die 10-H-Regel, die den Ausbau der Windkraft dort quasi zum Erliegen brachte. Falscher könnte die Prioritätensetzung kaum sein. Dabei geht es doch um unser aller Sicherheit.


Zur Person:

Verpassen Sie nichts von der Landtagswahl in Niedersachsen am Sonntag. Wer regiert in den nächsten 5 Jahren? Wer zieht in den Landtag in Hannover ein?  Alle Ergebnisse aus allen Wahlkreisen und den Städten und Gemeinden im OM finden Sie auf unserer Themenseite, inklusive Liveticker. 

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