Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Katholische Kirche Dinklage erhält 244.000 Euro aus dem Friedhofsschatz

Mit dem Geld möchte die Pfarrgemeinde den Friedhof sanieren. Wie sehen eigentlich die Pläne in den beiden evangelischen Kirchengemeinden aus? Wir geben die Antworten zur jüngsten Ratsentscheidung.

Artikel teilen:
Sanierungsbedürftig: Der Haupteingang des katholischen Friedhofes soll jetzt mit Hilfe des Geldes aus dem Friedhofsfund neu gestaltet werden. Foto: Röttgers

Sanierungsbedürftig: Der Haupteingang des katholischen Friedhofes soll jetzt mit Hilfe des Geldes aus dem Friedhofsfund neu gestaltet werden. Foto: Röttgers

Die katholische Kirchengemeinde St. Catharina erhält aus dem Dinklager Friedhofsschatz einen Anteil von 244.000 Euro. Das hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung vor der Sommerpause einstimmig entschieden und folgte damit wenig überraschend der Empfehlung des Finanzausschusses. "Das ist eine gute Entscheidung für Dinklage“, befand der stellvertretende Fraktionsvorsitzende des Bürgerforums Dinklage, Henning Hilgefort. Das Geld komme damit dem Allgemeinwohl zu, sagte der Rechtsanwalt, der die Entscheidung als "juristisch einwandfrei" bewertete.

Der Friedhofsschatz – 105.000 Euro Bargeld und 450 Krügerrandmünzen in Gold – hat aktuell einen Wert von mehr als 900.000 Euro. Bei seinem Fund am 9. Juni 2016 lag dieser Wert noch bei 600.000 Euro. Doch der Goldkurs stieg in den vergangenen Jahren peu à peu. Bürgermeister Carl Heinz Putthoff teilte der Politik jetzt mit, dass er den Schatz bald verkaufen wird. Die Stadt verwahrt den Fund seit 6 Jahren in einem Bankschließfach.

Warum erhält die Pfarrgemeinde St. Catharina Geld aus dem Friedhofsfund?
Der Rat der Stadt Dinklage hatte bereits in seiner Sitzung im Oktober 2021 beschlossen, dass 40 Prozent des „Goldschatzes“ dem Dinklager Friedhofswesen für Maßnahmen auf den drei Friedhöfen zur Verfügung gestellt werden. Die drei Kirchengemeinden wiederum hatten sich darauf verständigt, dass von dieser Summe die Pfarrgemeinde St. Catharina 80 Prozent erhält. Die beiden evangelischen Kirchengemeinde Dinklage und Wulfenau bekommen zusammen 20 Prozent der Summe für Arbeiten auf ihren Friedhöfen. 60 Prozent des Geldes sollen in eine noch zu gründende Bürgerstiftung fließen.

Wofür setzt die Pfarrgemeinde St. Catharina das Geld ein?
Für Pflasterarbeiten beziehungsweise die  Herstellung von wasserundurchlässigem Verbundstoff werde ein Betrag von 110.000 Euro benötigt, hieß es in dem Antrag von Pastor Johannes Kabon. Sanierungsbedürftig sei die Friedhofsmauer. Der Haupteingang (ohne Parkplatz) müsse für rund 38.000 Euro neu gestaltet werden. „Für die Anschaffung dringend benötigter technischer Ausstattung – ein neuer Bagger für 70.000 Euro und ein Kipper im Wert von 26.000 Euro  – wird ein Betrag von 96.000 fällig“, beantragte Kabon. Macht zusammen 244.000 Euro. Damit schöpft die Pfarrgemeinden ihren Anteil also gar nicht ganz aus.

Was haben die beiden evangelischen Kirchengemeinden mit ihrem Anteil eigentlich vor?
Das wissen sie noch nicht genau. "Es gibt einige Vorschläge, aber noch nichts Konkretes", teilte Wladimir Shukowski als stellvertretender Vorsitzender des Gemeindekirchenrates Dinklage mit. Er werde in der nächsten Zeit das Gespräch mit Bürgermeister Putthoff suchen.
Ähnlich ist die Situation in Wulfenau. Anne Budde als stellvertretende Vorsitzende des Gemeindekirchenrates sagte: "Wir freuen uns sehr über eine mögliche Zuweisung aus dem Friedhofsschatz.  Der gesamte Friedhof in Verbindung mit unserer Kirche bildet eine denkmalgeschützte Einheit. Natürlich liegt es uns sehr am Herzen, dieses idyllische und sehenswerte Ensemble weiterhin zu pflegen und zu erhalten." In einer der nächsten Sitzungen des Gemeindekirchenrates wolle man das Thema besprechen.

Wer entdeckte wann das Bargeld und die Goldmünzen?
Ein Unternehmen aus Bahlen war am 9. Juni 2016 mit Gärtnerarbeiten auf dem katholischen Friedhof beschäftigt. Mitarbeiter Josef Arlinghaus grub in einem Erdhaufen zwischen dem Friedhofszaun und der daneben liegenden Grabstelle die ersten zwei Plastikbehälter aus. Danach entdeckte die verständigte Polizei drei Boxen mit Goldmünzen. Einen Tag später wurden auf dem Hof des Tiefbauunternehmens, bei dem Arlinghaus damals beschäftigt war, im Beisein von zwei weiteren Personen noch drei weitere Boxen gefunden.

Wie ging es dann weiter?
Finder Josef Arlinghaus lehnte ein erstes Angebot der Stadt Dinklage auf einen gesetzlichen Finderlohn in Höhe von 18.000 Euro ab. Es kam zum Rechtsstreit zwischen dem Schatzfinder und der Stadt Dinklage. Arlinghaus klagte auf Prozesskostenhilfe – und hatte Ex-Bürgermeister Frank Bittner auch wegen Untreue angezeigt. Beides erfolglos. Via Bild-Zeitung hatte Arlinghaus angekündigt, dass es ihm gar nicht um das Geld gehe, sondern er einen Großteil des Schatzes spenden wolle.

Das Oberlandesgericht Oldenburg stellte schließlich im Januar 2021, wie zuvor das Landesgericht Oldenburg, fest: Finder Josef Arlinghaus hat keine Aussicht auf eine erfolgreiche Klage. Es liege weder ein Fund noch ein Schatzfund vor. Weil es sich eben nicht um eine verlorene und von ihm wiedergefundene Sache handele, habe der Bahler auch keinen Anspruch auf Finderlohn, begründete das Oberlandesgericht seine Entscheidung. Gegen diesen Beschluss des Oberlandesgerichtes kann der Bahler keine weiteren Rechtsmittel einlegen.

Der neue Newsletter für Friesoythe. Immer am Donnerstag das Wichtigste aus der Eisenstadt in ihrem Postfach. So verpassen Sie nichts mehr.  Jetzt hier kostenlos anmelden

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Katholische Kirche Dinklage erhält 244.000 Euro aus dem Friedhofsschatz - OM online