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Junge Menschen sollen an der Politik in Vechta teilhaben

Grünen-Ratsfrau Ilka Middelbeck (20) setzt sich für die Einführung eines Jugendparlaments in Vechta ein. Als jüngstes Ratsmitglied will sie mit gutem Beispiel vorangehen.

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Ihr Weg führt jetzt häufiger ins Rathaus: Ilka Middelbeck ist mit 20 Jahren das jüngste Mitglied im neu gewählten Rat der Stadt Vechta. Als Vorsitzende eines Fachausschusses übernimmt die Grüne gleich zusätzliche Verantwortung.   Foto: Speckmann

Ihr Weg führt jetzt häufiger ins Rathaus: Ilka Middelbeck ist mit 20 Jahren das jüngste Mitglied im neu gewählten Rat der Stadt Vechta. Als Vorsitzende eines Fachausschusses übernimmt die Grüne gleich zusätzliche Verantwortung.   Foto: Speckmann

Ilka Middelbeck sorgt für frischen Wind im Vechtaer Stadtrat. Sie ist mit 20 Jahren das mit Abstand jüngste Mitglied im Kommunalparlament. Im Interview spricht die neue Ratsfrau der Grünen über ihren Weg in die Politik. Sie schildert ihre ersten Erfahrungen in der Ratstätigkeit und sie macht klar, warum ihr die Einführung eines Jugendparlaments so wichtig ist.

Frau Middelbeck, wie fühlt es sich an, als jüngstes Mitglied im Stadtrat zu sitzen?
Es ist auf jeden Fall aufregend, zumal ich oft auf die Ratsmitgliedschaft angesprochen werde. Nun habe ich eine gute Möglichkeit, Vorbild zu sein. Wenn ich es gut mache, dann rücken bei der nächsten Wahl vielleicht weitere junge Menschen nach, sodass ich nicht mehr mit großem Abstand die Jüngste bin.

Nun haben Sie gleich den Vorsitz im Ausschuss für Kultur und Erwachsenenbildung übernommen. Wie war Ihre erste Sitzung?
Interessant und – ich muss zugeben – auch etwas komisch. Ich habe im Vorfeld ein Briefing von der Verwaltung erhalten, worauf ich bei der Sitzungsleitung achten muss. Das war nicht nur für mich eine neue Erfahrung, sondern auch für unsere Fraktion, weil wir vorher noch keinen Ausschussvorsitz besaßen

Sind Sie überrascht vom Ablauf der Beratungen?
Als ich mich für den Stadtrat aufstellen lassen habe, konnte ich mir schon vorstellen, dass es viele Regularien gibt. Aber einiges ist schon neu. Hinzu kommt, dass man mit Inhalten überworfen wird. Beim Haushaltsplan sind super viele Seiten durchzuarbeiten. Da weiß man erst gar nicht, wo man anfangen soll. Da ist es schön, wenn Fraktionskollegen sagen, worauf man den Blick werfen muss und was das Wichtigste ist.

In der Grünen-Jugend haben Sie bereits Erfahrungen gesammelt. Kommt Ihnen die Vorstandstätigkeit nun entgegen?
Ich habe den Vorsitz kürzlich abgegeben, damit ich mich mehr auf den Stadtrat konzentrieren kann. Ich bin aber weiter im Vorstand tätig und unterstütze die anderen, wo es geht. Bei uns gibt es flache Hierarchien. Viele Entscheidungen werden im großen Team getroffen. Wir machen sehr viel gemeinsam und teilen uns die Aufgaben.

Wie sind Sie eigentlich zur Politik gekommen?
Ich hatte in der elften Klasse eine Hausarbeit über das Pariser Klimaabkommen geschrieben und dabei gemerkt, was in der Politik nicht läuft. Dann habe ich mir gesagt: Ich will nicht nur meckern, sondern auch etwas machen.

Führte der Weg automatisch zu den Grünen?
Ich habe zuerst geguckt, welche Ziele die einzelnen Parteien haben. Dann habe ich mit Johannes Babilon die Grünen-Jugend neu gegründet, deren Arbeit in Vechta zuletzt geruht hatte. Später wurde ich von Parteifreunden gefragt, ob ich Lust hätte, im Stadtrat mitzuarbeiten. Hier werde ich jetzt von meiner Fraktion gut unterstützt.

Welche Ziele haben Sie sich für die Ratsarbeit gesteckt?
Natürlich möchte ich grüne Akzente setzen. In den ersten Monaten habe ich schon mitbekommen, dass Vechta noch keine Zielvorgaben zur Klimaneutralität hat. Das Thema hat der alte Stadtrat vertagt. Hier muss schnell etwas geschehen. Man braucht einen Grundstein, um Maßnahmen darauf aufzubauen.

Gibt es ein weiteres Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?
Ganz wichtig finde ich die Jugendpartizipation. Deswegen hat unsere Fraktion jetzt auch den Antrag gestellt, ein Jugendparlament in der Stadt Vechta einzuführen.

Warum halten Sie ein solches Gremium für notwendig?
Vechta ist durch die Studenten eine recht junge Stadt. Wenn man jedoch die Altersstruktur im Rat sieht, sind nur wenige Mitglieder unter 30 Jahren. Hinzu kommt, dass man erst ab 18 gewählt werden darf. Auch diese Altersgruppe sollte eine Chance bekommen, ihre Meinung zu äußern. Eine Demokratie sollte alle Altersgruppen repräsentieren.

Welche Aufgaben und Rechte sollte das Jugendparlament haben?
Es sollte ein Sprachrohr für junge Menschen sein, sich mit seinen Wünschen und Problemen direkt an Bürgermeister, Verwaltung und Rat wenden zu können und auch einen gewissen finanziellen Etat zur Verfügung haben, um beispielsweise Maßnahmen zur politischen Bildung ergreifen zu können. Ganz wichtig ist ein Rede- und Antragsrecht in relevanten Ausschüssen, wie dem Ausschuss für Jugend und Sport.

Wäre es nicht wünschenswert, wenn mehr junge Menschen Ihrem Beispiel folgen und ebenfalls für den Stadtrat kandidieren?
Das wäre natürlich schön. Aber wer nicht volljährig ist, hat dazu noch keine Chance. Das Jugendparlament könnte ein Anfang sein. Wenn sich jemand hier engagiert, ist der Sprung in den Rat nicht ganz so groß. Der Ablauf von Sitzungen wären dann schon bekannt. Das würde auch ein bisschen die Angst nehmen.

Sie haben den Mut aufgebracht und sind jetzt eine von 9 Frauen im 33-köpfigen Stadtrat. Was muss geschehen, damit diese Quote steigt?
Da ist noch viel Luft nach oben. Um den Anteil zu erhöhen, muss man das Selbstbewusstsein der Frauen stärken. Dazu gibt es verschiedene Programme auf Landes- und kommunaler Ebene. Aber Parteien müssen Frauen auch das Vertrauen schenken und sie dazu ermutigen, für ein Amt zu kandidieren. Um ihnen eine echte Chance zu geben, braucht es dann auch aussichtsreiche Listenplätze.

Nochmal zurück zum Alter: Gibt es etwas, was Sie von langjährigen Ratskollegen lernen oder abgucken möchten?
Dazu gehört auf jeden Fall die Routine. Und die kleinen Tipps und Tricks, wo man Informationen bekommt. Am Anfang hat man super viele Ideen, was man machen und umsetzen könnte. Hier hilft sicher die Erfahrung, wie man an ein Thema herangeht.

Und was könnte die ältere Generation von Ihnen lernen?
Dazu gehört sicherlich die Digitalisierung. Das fängt schon beim Umgang mit den Medien an. Aber auch neue Themen und Perspektivwechsel gehören dazu. Ich bekomme von meinen Freunden und Bekannten verschiedene Anregungen, die ich im Stadtrat weitergeben möchte.


Zur Person:

  • Ilka Middelbeck wohnt in Vechta, ist 20 Jahre alt und studiert Wirtschaftsingenieurwesen an der Privaten Fachhochschule für Wirtschaft und Technik (PHWT).
  • Sie war von 2019 bis 2021 Vorsitzende der Grünen-Jugend Vechta und ist jetzt stellvertretende Vorsitzende. Dem Stadtrat gehört sie seit 2021 an. Sie leitet den Ausschuss für Kultur und Erwachsenenbildung und ist Mitglied in den Ausschüssen für Jugend und Sport sowie Wirtschaftsförderung und Marktwesen.
  • In ihrer Freizeit engagiert sie sich in der Bücherei in Oythe. Weitere Hobbys sind Lesen und Yoga.

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