Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Jugendgewalt: Löningen will Prävention verbessern

Wochenlang erschütterten gewalttätige Auseinandersetzungen rivalisierender Gruppen die Ruhe in der Stadt. Die Aufklärung läuft noch. Bürgermeister Sibbel sieht die Gefahr von Parallelgesellschaften.

Artikel teilen:
Auf Krawallkurs: In Löningen ließen Jugendliche zuletzt häufiger die Fäuste sprechen. Foto: dpa

Auf Krawallkurs: In Löningen ließen Jugendliche zuletzt häufiger die Fäuste sprechen. Foto: dpa

In Löningen ist es in den vergangenen Wochen wiederholt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen gekommen. In der Stadt sorgen die Vorfälle für Diskussionsstoff. Während die Polizei ermittelt, versuchen auch die Jugendarbeiter des Leinerstifts, den Ursachen für das aggressive Verhalten auf den Grund zu gehen.

Dabei wird offenbar immer deutlicher, dass es sich bei den gewaltbereiten Jugendlichen um Angehörige zweier rivalisierender Gruppen beziehungsweise Familien mit unterschiedlichem Migrationshintergrund handelt. Der Anlass liegt wohl schon länger zurück, die Rede ist von einem Streit im Wellenfreibad. Aktenkundig geworden ist unter anderem der Angriff auf einen 18-Jährigen am späten Nachmittag des 16. August. Die beiden auf 15 oder 16 Jahre geschätzten Täter waren in der Lagestraße auf den jungen Mann losgestürmt und schlugen ihn noch zusammen, als er bereits am Boden lag. Erst, als ein Zeuge zur Hilfe eilte, ergriff das Duo die Flucht. Es soll laut Polizeibericht ein „südländisches Erscheinungsbild“ gehabt haben.

Für großes Aufsehen sorgte nur eine Woche später eine Schlägerei in der Ehlerstraße. Die Streithähne sollen sogar mit Schlagwerkzeugen aufeinander losgegangen sein. Ein 21-Jähriger, den die Polizei allein am Tatort vorfand, wurde mit einer Augenverletzung ins Krankenhaus geflogen. Er ist inzwischen wieder zu Hause. Die Polizei hatte danach vier Männer zwischen 16 und 42 Jahren kurzzeitig mit aufs Revier genommen. 

Gewaltopfer: Täter lachten "hämisch"

Ob der Angriff auf einen Löninger in der Nacht nach dem Weinfest  ebenfalls von Mitgliedern einer der beiden Gruppen verübt wurde, ist dagegen unklar. Der 47-Jährige, der mit Gesichtsverletzungen und Schürfwunden zum Arzt musste, konnte der Polizei nur wenige Angaben zu den 3 Tätern machen, weil die Attacke von hinten kam. "Ich erhielt einen Schlag in den Nacken, stürzte und fiel auf das Gesicht", sagt er gegenüber OM-Online. Während sie minutenlang auf ihn eintraten, hätten die Übeltäter "hämisch" gelacht. 

Im Zuge ihrer Ermittlungen statteten die Beamten auch dem Löninger Jugendtreff einen Besuch ab. Das bestätigt Heidjer Schwegmann vom Leinerstift. Die diakonische Einrichtung kümmert sich im Auftrag der Stadt um die sozialpädagogische Arbeit im Treff. Auch dort sind die Auseinandersetzungen ein Thema. Dabei stellte sich heraus, dass viele Jugendliche den Verlauf der Ereignisse genau beobachtet haben. "Über die sozialen Medien waren sie darüber gut informiert", bestätigt Schwegmann. Statt aber die Treffleitung oder die Polizei zu informieren, hätten sie lediglich abgewartet, was weiter passieren würde. "Sie haben die Situation falsch eingeschätzt", befindet Schwegmann, unterstellt den Minderjährigen aber keinen bösen Willen. 

Gegen einen früheren Treffbesucher hat die Einrichtung inzwischen ein Hausverbot erteilt. Außerdem sollen Präventiv-Strategien entwickelt werden, um die Jugendlichen besser zu sensibilisieren. Dazu findet in dieser Woche auch ein Gespräch im Rathaus statt. "Wir sind an dem Thema dran", betont Schwegmann. 

Sibbel lobt Arbeit im Jugendtreff

Den Jugendtreff nimmt Bürgermeister Burkhard Sibbel ausdrücklich in Schutz. Mit den Vorfällen habe er nichts zu tun, im Gegenteil: "Sie zeigen, wie notwendig es ist, eine Einrichtung zu haben, die sich um die jungen Leute kümmert." Die Stadt stehe mit der Polizei in ständigem Austausch. "Er funktioniert sehr gut, beruht aber auf Vertraulichkeit", erklärt Sibbel. Nur soviel will er sagen: Die Personen, die mit den verschiedenen Taten in Verbindung gebracht würden, seien mittlerweile namentlich bekannt. Der Verwaltungschef ist deshalb zuversichtlich, dass die Situation nicht weiter eskaliert.

Für Sibbel geht es jetzt auch darum, zu zeigen, wer in der Stadt eigentlich das Sagen hat. "Wir dürfen keine Parallelgesellschaften zulassen, die das Gewaltmonopol des Staates in Frage stellen." Dass diese Gefahr zumindest auf längere Sicht real sein könnte, spiegelt sich auch im Bericht einer Kindergartenleitung wider, der den Mitgliedern des Löninger Sozialausschusses vorliegt. Darin wird über "massive Auffälligkeiten" bei vielen Kindern geklagt. Die städtischen Kitas greifen deshalb seit dem Frühjahr auf die Hilfe einer externen Fachberatung zurück. 

Verpassen Sie nichts von der Landtagswahl in Niedersachsen am Sonntag. Wer regiert in den nächsten 5 Jahren? Wer zieht in den Landtag in Hannover ein?  Alle Ergebnisse aus allen Wahlkreisen und den Städten und Gemeinden im OM finden Sie auf unserer Themenseite, inklusive Liveticker. 

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Jugendgewalt: Löningen will Prävention verbessern - OM online