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Innenminister: "Augenscheinlicher Terroranschlag" in Wien

Update 1.40 Uhr: Mitten in der österreichischen Hauptstadt fallen Schüsse. Es gibt 2 Tote und Verletzte. Österreichs Kanzler spricht von einem Terroranschlag. Die Täter tragen automatische Waffen.

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In der Wiener Innenstadt sind am Montagabend Schüsse gefallen. Foto: dpa/Hochmuth

In der Wiener Innenstadt sind am Montagabend Schüsse gefallen. Foto: dpa/Hochmuth

Bei einem Terroranschlag in der Wiener Innenstadt sind am Abend mindestens 2 Menschen getötet und 15 verletzt worden. Das bestätigte ein Sprecher des Wiener Rettungsdienstes der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Die Attentäter sollen nach Angaben des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig wahllos auf Menschen in Lokalen geschossen haben. Einer der Männer soll mutmaßlich einen Sprengstoffgürtel getragen haben. Das Innenministerium konnte das bisher nicht bestätigen.

Innenminister Karl Nehammer erklärte eine Pressekonferenz in der Nacht, dass ein Täter von der Polizei ausgeschaltet worden sei. Der Mann sei mit einem Schnellfeuergewehr ausgerüstet gewesen. 

Österreichs Kanzler sagte gegen Mitternacht im ORF-Fernsehen: Die Täter sollen "sehr gut ausgerüstet", "hochprofessionell" mit "automatischen Waffen" vorgegangen. Der Einsatz der Polizei laufe noch auf Hochtouren. Es seien weiter Verdächtige auf der Flucht.

Innenminister Karl Nehammer sprach wenig später von einem Verdächtigen und appellierte aufgrund der Gefahrenlage an die Bürger in Wien, auch am Dienstag wenn irgend möglich zunächst zu Hause zu bleiben und die Innenstadt auf jeden Fall zu meiden. Die Wiener Schulen bleiben demnach am Dienstag geschlossen.

Polizei meldet: Täter tragen Langwaffen

Die Wiener Polizei hatte bereits gegen 22.30 Uhr getwittert, dass ein Passant gestorben und mehrere Menschen schwer verletzt worden seien, darunter ein Polizist. Ein Täter sei von der Polizei erschossen worden. Es habe mindestens sechs Tatorte gegeben.

Der Angriff hatte gegen 20 Uhr in einem Ausgehviertel begonnen, wo kurz vor Beginn neuer Corona-Ausgangssperren viele Menschen unterwegs waren. Ganz in der Nähe befindet sich eine Synagoge. 

Die Polizei meldete, dass mehrere Täter mit Langwaffen an dem Angriff beteiligt seien. Gegen 20 Uhr seien Schüsse "ausgehend vom Bereich Seitenstettengasse" abgegeben worden. 

Schwerbewaffnete Polizisten kontrollieren in der Wiener Innenstadt eine Person. Foto: dpaSchwerbewaffnete Polizisten kontrollieren in der Wiener Innenstadt eine Person. Foto: dpa

Nach Angaben des Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig ist noch unklar, wie viele Täter an dem mutmaßlichen Terrorangriff in der österreichischen Hauptstadt beteiligt waren. Auch zu den Hintergründen gebe es noch "keine gesicherten Erkenntnisse", sagte der 59-Jährige am Montagabend im ORF.

Ludwig erklärte, dass bei dem Angriff "wahllos auf Personen in den Lokalen" geschossen worden sei - vor allem auf jene, die draußen saßen. Es könne derzeit noch nicht abgeschätzt werden, ob es "weitere Gefahrenmomente gibt". Auch er rief die Wiener Bevölkerung daher dazu auf, zu Hause zu bleiben und Ruhe zu bewahren.

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz verurteilte den "widerwärtigen Terroranschlag". Auf Twitter kündigte er den Einsatz des Miltärs in der Hauptstadt an und erklärte: "Damit sich die Polizei ganz auf die Terrorismusbekämpfung konzentrieren kann, hat die Bundesregierung entschieden, dass das Bundesheer den bisher durch die Polizei durchgeführten Objektschutz in Wien ab sofort übernehmen wird."

Kurz erklärte gegenüber dem ORF: Das Motiv des Anschlags sei weiter offen. Ein antisemitischer Hintergrund könne angesichts des Tatorts nicht ausgeschlossen werden, sagte Kurz mit Blick auf den Ort der ersten Schüsse nahe einer Synagoge. "Wir können zu dem Hintergrund noch nicht wirklich etwas sagen."

Weit mehr als 50 Rettungswagen sollen zeitweise im Einsatz gewesen sein. Foto: dpaZakWeit mehr als 50 Rettungswagen sollen zeitweise im Einsatz gewesen sein. Foto: dpa/Zak

Weite Teile der Innenstadt abgeriegelt

Auf Videos, die der Privatsender "Oe24" am Montagabend ausstrahlte, war ein maskierter Schütze zu sehen, der auf offener Straße zumindest zwei Schüsse abfeuerte. Ein anderes Video zeigte eine große Blutlache vor einem Restaurant.

Ob die nahe gelegene Synagoge eines Tatorts Ziel des Angriffs war, lasse sich noch nicht bestätigen, sagte die Sprecherin des Ministeriums. Die Hintergründe waren zunächst unklar. Eine ORF-Reporterin berichtete, dass weite Teile der Innenstadt abgesperrt seien und die Polizei nach etwaigen weiteren Tätern suche.

Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, schrieb auf Twitter, es könne derzeit nicht gesagt werden, ob der Stadttempel eines der Ziele war. "Fest steht allerdings, dass sowohl die Synagoge in der Seitenstettengasse als auch das Bürogebäude an der selben Adresse zum Zeitpunkt der ersten Schüsse nicht mehr in Betrieb und geschlossen waren."

Polizei appelliert an Wiener: Keine Videos verbreiten

Die Polizei rief die Bürger dazu auf, öffentliche Plätze zu meiden. "Wir sind mit allen möglichen Kräften im Einsatz. Bitte meiden Sie alle öffentlichen Plätze im Stadtgebiet", hieß es bei Twitter. Zudem wurde darum gebeten, keine Videos oder Fotos hochzuladen und zu verbreiten. "KEINE Videos und Fotos in sozialen Medien posten, dies gefährdet sowohl Einsatzkräfte als auch Zivilbevölkerung!"

Stattdessen rief die Polizei in den sozialen Netwerken dazu auf, Videos und Bilder von den Attentätern direkt bei den Behörden hochzuladen, um die Ermittler zu unterstützen.

Die Polizei rückte schwer bewaffnet und mit schusssicherer Ausrüstung an. Foto: dpaDie Polizei rückte schwer bewaffnet und mit schusssicherer Ausrüstung an. Foto: dpa

In der Wiener Innenstadt werden nach Angaben der Polizei keine Haltestellen mehr vom öffentlichen Nahverkehr angefahren. "Bleiben Sie in Sicherheit, verlassen Sie öffentliche Orte umgehend", twitterte die Polizei. Zudem hat Google einen der Tatorte mit einem Warnzeichen markiert. Auf der Seitenstettengasse am Schwedenplatz wurde im Kartendienst von Google ein rotes Ausrufezeichen mit der Beschriftung "Wien - Vorfall" angezeigt.

Das deutsche Auswärtige Amt hat den mutmaßlichen Terroranschlag in Wien verurteilt. "Auch wenn das Ausmaß des Terrors noch nicht absehbar ist: unsere Gedanken sind bei den Verletzten&Opfern in diesen schweren Stunden", heißt es in einer Nachricht, die vom deutschen Außenministerium auf Twitter veröffentlicht wurde. "Wir dürfen nicht dem Hass weichen, der unsere Gesellschaften spalten soll."

Deutsches Außenministerium warnt Wien-Reisende

Das Außenministerium warnt in der Nacht auf Dienstag außerdem in seinen Reisehinweisen für Österreich vor der unklaren Lage nach dem mutmaßlichen Terrorangriff in Wien. "Im Bereich der Wiener Innenstadt kam es am Abend des 2. November zu mehreren Schusswechseln, die Lage ist noch unklar, es gibt Absperrungen", hieß in den Hinweisen. Es wurde empfohlen, die Nachrichten zu verfolgen und auf Informationen des Innenministeriums zu achten.

Grundsätzlich gilt aufgrund der Corona-Pandemie derzeit eine Reisewarnung für fast ganz Österreich. Das Land wurde mit Ausnahme von zwei kleinen Exklaven am Freitag von der Bundesregierung zum Corona-Risikogebiet erklärt.

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