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Individualsport im Fitnessstudio – jetzt ziehen auch die Landkreise Cloppenburg und Vechta nach

Einzelne oder mehrere Personen eines Haushalts dürfen jetzt wieder im Studio Sport treiben. Damit beugen sich Kreisverwaltungen und Landesregierungen 2 Gerichtsentscheidungen.

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Foto: dpa/Giddens 

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Fahrradtouren, lange Spaziergänge, Joggingrunden - als im Frühjahrslockdown auch die Fitnessstudios schließen mussten, konnten Sportbegeisterte noch nach draußen ausweichen. Im neuerlichen Lockdown fiel das angesichts der Kälte und des Wetters nicht mehr ganz so leicht. 

Hoffnung geben in dieser Situation Entscheidungen der Landkreise Vechta und Cloppenburg, die am Montag bekannt wurden. Demnach dürfen Fitnessstudios nun doch für den Individualsport öffnen. Individualsport bedeutet, dass einzelne oder mehrere Personen aus dem gleichen Haushalt stundenweise ein Fitnessstudio mieten und dort Sport treiben können.

Der Kreis Vechta habe mehrfach in Hannover nachgefragt, sagt Pressesprecher Steinkamp

Aus einem Schreiben des Landkreises Vechta an das Fitnessstudio Medifit Dinklage von Stefan Bramlage, welches  OM online vorliegt, geht hervor, dass sich das auch auf Schwimm- und Spaßbäder sowie auf EMS-Studios (also Studios für elektrische Muskelstimulation) bezieht. Voraussetzung ist in allen Fällen das Vorliegen eines Hygienekonzepts. Die Vechtaer Kreisverwaltung bestätigte auf Anfrage die Informationen. 

Mit dieser Entscheidung vollzieht der Landkreis Vechta eine Kehrtwende. Diese beruht, wie Kreissprecher Jochen Steinkamp auf Anfrage bestätigt, auf einer "verbindlichen Rechtsauskunft" der Landesregierung, die der Landkreis am Montagvormittag "auf wiederholte Anfrage" erhalten habe. Auf Anfrage von OM online bestätigt auch der Landkreis Cloppenburg, dass das Land seine Rechtsauffassung geändert habe und die Cloppenburger Kreisverwaltung dem folge. 

Grund dafür dürften 2 Gerichtsurteile sein. Anfang des Monats hatten die Verwaltungsgerichte in Hannover und Göttingen in Einzelfällen entschieden, dass der Individualsport in Fitnessstudios erlaubt werden müsse.

In dem Verfahren in Hannover ging es nach Angaben des dortigen Verwaltungsgerichts um ein Fitnessstudio im Landkreis Celle. Dessen Betreiberin hatte ein Hygienekonzept erarbeitet und wollte ihr Studio stundenweise an Kunden untervermieten, damit diese dort Einzelsport treiben könnten.

Nach den Urteilen keimte auch im Landkreis Vechta Hoffnung auf

Dieser ist in der geltenden niedersächsischen Corona-Verordnung ausdrücklich erlaubt. Das Gericht gewährte der Betreiberin einstweiligen Rechtsschutz und erlaubte die Öffnung im besagten Sinne. Weil das Sozialministerium auf eine Beschwerde gegen den Beschluss verzichtete, wurde die Entscheidung Mitte Februar rechtskräftig. Gegenüber OM online erklärt das Ministerium, dass es die Rechtsauffassung des Gerichts akzeptiere. Das dürfte die Grundlage für die Mitteilung der Landesregierung gewesen sein.

Ein paar Tage später kam eine zweite  Gerichtsentscheidung aus Göttingen. Das dortige Verwaltungsgericht erlaubte es dem Betreiber eines Fitnessstudios in der Universitätsstadt, 2 Einzelpersonen parallel trainieren zu lassen. Die Stadtverwaltung hatte das vorher nicht erlaubt. Der Antragssteller berief sich darauf, dass es sich auch hier lediglich um - durch die Corona-Verordnung erlaubten - Einzelsport handele. Das Gericht gewährte auch hier einstweiligen Rechtsschutz. Am vergangenen Wochenende wurde auch diese Einzelfallentscheidung rechtskräftig.

Nachdem sie von diesen Urteilen gehört hatten, hatten auch Betreiber von Fitnessstudios im Landkreis Vechta gehofft, bald zumindest unter strikten Auflagen wieder öffnen zu können. Doch das Ordnungsamt der Kreisverwaltung machte ihnen einen Strich durch die Rechnung - zumindest vorerst. Das erlebte etwa Stefan Stuckenberg. Der Diplom-Sportlehrer ist Inhaber und Betreiber des Moves Fitness-, Gesundheits- und Wellnessclubs in Steinfeld. 

Er hatte bereits Ende Januar - und damit vor den Gerichtsbeschlüssen aus Hannover und Göttingen - beim Ordnungsamt beantragt, sein Studio für den Individualsport öffnen zu dürfen. Das wurde am 3. Februar, also einen Tag nach Bekanntwerden der ersten Gerichtsentscheidung aus Hannover, aber abgelehnt. 

In dem Amtsschreiben, das OM online vorliegt, hieß es damals noch, dass das "Schließungsgebot" der Landesverordnung "jegliche Nutzung der Trainingsflächen unabhängig von der Art und dem Umfang der Nutzung" untersage. Daher sei auch "Personaltraining" – also der Sport eines Einzelnen unter Anleitung eines Trainers – nicht gestattet.

Am Montagmorgen lag noch die Option einer Klage auf dem Tisch

Die Nachricht, dass das jetzt doch gehe, überraschte Stuckenberg am Montag, wie er sagte. Noch am Montagmorgen hatte er gegenüber OM online erklärt, er erwäge – vor dem Hintergrund der Gerichtsbeschlüsse - eine Klage gegen den Landkreis wegen der Ablehnung seines Antrags. Doch das hat sich nun erübrigt.

Er will nun etwa 3 Mal pro Woche für 8 bis 10 Stunden für seine Mitglieder öffnen und ihnen die Anlage zur Verfügung stellen. Gleichzeitig stellt er vor dem Hintergrund von Energie- und Personalkosten klar: Wirtschaftlich lukrativ sei eine solche Öffnung kaum, sagt er. Aber für die Kunden solle ein Zeichen gesetzt werden: "Wir sind da". 

Auch Stefan Bramlage erklärte noch in der vergangenen Woche auf Anfrage, er bemühe sich "seit Wochen" darum, sein Studio Medifit wieder öffnen zu dürfen. Angesichts der Entscheidung vom Montag sieht er sich jetzt als einer derjenigen, welche die Kehrtwende im Kreishaus vorangetrieben haben.

Jetzt ist er "froh, endlich loslegen" und "wieder dem Beruf nachgehen zu können", wie er sagt. Er wolle jetzt die Mitglieder anschreiben und zu einer Analyse einladen. 

Gleichwohl betont er, dass eine Öffnung für den Individualsport nicht unbedingt finanzielle Gewinne für Betreiber wie ihn abwürfen. Das sei nur ein "Tropfen auf den heißen Stein", sagt er. Und:  "Wirtschaftlich darf man das nicht sehen." Aber es sei eben wichtig für die "Mitgliederbindung" – und auch ein Angebot für jene, die trotz der Schließung weiter ihre Beiträge zahlten. 

Allen Sportbegeisterten könne er kaum ein Angebot machen, befürchtet Bramlage

Doch heißt das, dass bald wieder alle Sportfans an die Geräte zurückkehren können? Keinesfalls, wenn man Bramlage folgt. Bei ihm könnten voraussichtlich circa 100 Leute pro Woche im Einzelsport trainieren. Das sei aber nur "ein Bruchteil aller Mitglieder". Es bleibe daher abzuwarten, wie viele Kunden das Angebot wirklich annehmen wollten. Wichtig ist ihm, wie er schon jetzt betont, dass Sport keinesfalls nur Freizeitvergnügen sei. Fitnessstudios seien sogar "systemrelevant", wie er sagt.  Immerhin stärke körperliches Training auch das Immunsystem. 

So oder so: Bramlage hofft, in den nächsten 3 bis 5 Wochen auch wieder im etwas größeren Stil öffnen zu können. Um für die Zukunft gut dazustehen, will er in eine Lüftungsanlage investieren. 

Die Entscheidung, den Individualsport zu erlauben, sorgt für eine gewisse Anpassung bei der rechtlichen Bewertung dieser Art von Fitnessstudiobetrieb. Zuvor war die Frage nach deren Zulässigkeit spätestens seit den Gerichtsentscheidungen aus Hannover und Göttingen in Niedersachsen unterschiedlich gehandhabt worden. 

So erklärte etwa der Landkreis Osnabrück bereits am Freitag, dass die Nutzung von Fitnessstudios für den Einzelsport nicht verboten sei. Was nicht verboten sei, bedürfe auch nicht einer Erlaubnis, so der Tenor der Antwort auf eine Anfrage von OM online. 

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