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Im Landkreis Vechta soll es mehr Politik mit Frauen und für Frauen geben

Ein neu gegründetes „Überparteiliches Frauenbündnis“ hat zum ersten Netzwerktreffen geladen. Es kamen mehr als 70 Frauen. Die Initiatorinnen freuen sich über eine gelungene Premiere.

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Premiere im Kino: (von links, vordere Reihe) Jana Bröker, Dorith Tumbrägel, Astrid Brokamp, Doktorin Christina Plath, Doktorin Tanja Meyer und Katharina Willenbrink mit Besucherinnen der Auftaktveranstaltung des "Überparteilichen Frauenbündnisses". Foto: Tzimurtas

Premiere im Kino: (von links, vordere Reihe) Jana Bröker, Dorith Tumbrägel, Astrid Brokamp, Doktorin Christina Plath, Doktorin Tanja Meyer und Katharina Willenbrink mit Besucherinnen der Auftaktveranstaltung des "Überparteilichen Frauenbündnisses". Foto: Tzimurtas

Sie kamen in Gruppen, in kleineren und größeren. Vor allem aus Goldenstedt, Visbek, Lohne und Vechta. Mehr als 70 Frauen waren es, die sich im Vechtaer Kino „Schauburg Cineworld“ am Mittwochabend versammelt hatten – zum offiziellen Auftakt des „Überparteilichen Frauenbündnisses im Landkreis Vechta“. Das Ziel der Initiative: Politik mit Frauen und für Frauen.

Auf diese Formel brachte es Astrid Brokamp, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Vechta, als sie auf der Bühne vor der Leinwand eines der Kinosäle ihre Begrüßungsworte sprach. Zuvor war noch ein gegenseitiges Kennenlernen und Netzwerken im Foyer des Kinos angesagt – und die Besichtigung der dort ausgestellten 41 Wahlplakate aus der Zeit von 1918 bis 2017, die Frauen in Rollenbildern zeigen, wie sie ihnen von Parteien zugedacht waren. Der Titel der Ausstellung, die noch bis zum 27. April (montags und bis mittwochs von 16 bis 20 Uhr) zu sehen ist, lautet: „…Um die Stimme der Frauen“.

Reflexion über Rollenbilder auch bei Filmvorführung

Es gab auch einen Vortrag von der promovierten Psychologin Christina Plath, die als Referentin für Gleichstellung an der Universität Vechta über Gleichberechtigung in der Politik sprach. Ebenso gehörte die Vorführung der Filmkomödie „Wunderschön“ von und mit Karoline Herfurth zum Programm des Abends, in dem es ebenfalls um Rollenbilder von Frauen geht – und wie Frauen versuchen, ihnen gerecht zu werden.

Die Resonanz auf die Einladung sei „sehr gut“, befand Astrid Brokamp gegenüber OM-Online. Es seien unterschiedliche Gruppen gekommen, „das bringt mehr Kraft in die Sache“, sei „bereichernd für die Idee“ der Initiative, erklärte sie. Und Katharina Willenbrink aus Steinfeld, Kreisvorsitzende der CDU-Organisation Frauen Union (FU), sagte angesichts der Zahl an interessierten Frauen, sie sei „total begeistert“. Die Premiere gilt also als Erfolg.

Brokamp und Willenbrink haben das „Überparteiliche Frauenbündnis im Landkreis Vechta“ vor wenigen Wochen ins Leben gerufen. Zu ihren Mitstreiterinnen gehören Doktorin Tanja Meyer (Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag), Dorith Tumbrägel (Mitglied im Oldenburger FU-Landesvorstand), Jana Bröker (SPD-Kreistagsabgeordnete und Vechtaer Ratsfrau), Claudia Bausen (Ratsfrau in Dinklage für das Bürgerforum, Mitglied der UWG auf Kreisebene), Anja Muhle (FDP-Kreisvorsitzende) und Hilal Agfirat (Kreisvorsitzende der Linken).

Politikerinnen wollen Frauen ermutigen, sich zu engagieren

Sie haben sich die Anwaltschaft für die weibliche Perspektive in der Politik auf die Fahnen geschrieben, wollen Ansprechpartnerinnen für Anliegen ihrer Geschlechtsgenossinnen sein – und Frauen ermutigen, sich politisch zu engagieren, einzubringen, ihre Belange zu vertreten und einzufordern.

Zu den Besucherinnen der ersten Veranstaltung des „Überparteilichen Frauenbündnisses“ gehörte auch eine zehnköpfige Gruppe des Internationalen Frauentreffs vom Runden Tisch für Integration und Völkerverständigung in Lohne. Vor allem aus Syrien und dem Irak stammen die Frauen.

Vertreterinnen des Internationalen Frauentreffs sind mit dabei

Mit dabei war die erste Vorsitzende des Runden Tisches, Ulla gr. Holthaus. Ihr ist es ein Anliegen, dass ihre Begleiterinnen mehr über die Errungenschaften für Frauen in Deutschland erfahren. Es sei wichtig, die Frauen mit Fluchthintergrund an die Politik in Deutschland behutsam heranzuführen, sodass sie auch als Wählerinnen von ihren Rechten Gebrauch machen. Außerdem ging es Ulla gr. Holthaus auf der Veranstaltung darum: „Wenn wir gesehen werden, werden wir wahrgenommen.“

Sie und die anderen Vertreterinnen des Internationalen Frauentreffs dürften sich von den Worten angesprochen gefühlt haben, die Astrid Brokamp im Kinosaal zur Begrüßung sprach. „Gemeinsamkeit und Verständigung über das, was uns trotz aller Unterschiede verbindet“ brauche es in dieser Zeit mehr denn je, sagte die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Vechta. Auch Zusammenhalt und Einheit in Vielfalt gab sie als Losung aus – mit Blick auf frauenpolitische Zielsetzungen.

Die Plakatausstellung und der Film sollten als Einladung und Aufforderung begriffen werden zu hinterfragen, was gängige Bilder mit Menschen machen. Frauenbilder in der Politik, wie sie die Ausstellung widerspiegele, „haben einen Einfluss darauf, ob und wie Frauen Politik gestalten“, sagte Brokamp. Für sie sei unstrittig, dass mehr Frauen Politik gestalten sollten.

Errungenschaften müssen immer neu verteidigt werden

„Schlagwörter wie Vielfältigkeit sehen, Akzeptieren, Partizipieren – das ist doch nichts anderes als Demokratie“, betonte sie. Und all das werde unterdrückt durch „Schönheits- und Rollenideale“, wie der Film sie zeige, da Menschen eingeschränkt und Potenziale unterdrückt würden.

Dass noch vieles erreicht werden muss in Sachen Gleichstellung, das machte Doktorin Christina Plath in ihrem Impulsvortrag „Wie weit wir schon gekommen sind – und was noch vor uns liegt“ deutlich. Als „frauenpolitische Kämpfe“ stellte sie das Wahlrecht (seit 1918), also die Mitverantwortung und Mitbestimmung, sowie die Unabhängigkeit und Emanzipation, das Setzen eigener Themen heraus.

Aktuelle frauenpolitische Kämpfe seien die um reproduktive Rechte, Entlohnung und Selbstbestimmung. Es sei zwar viel erkämpft, erstritten und verbessert worden. Gleichzeitig gelte: Diese Errungenschaften gebe es „nicht einfach so“. Sie seien immer mit Anstrengungen, immensem Aufwand und häufig mit Gefahren für Engagierte verbunden gewesen.

Nächstes Treffen ist für den 12. Juli vorgesehen

Und: Gleichberechtigung müsse stets neu verteidigt werden. Sie könne nur bestehen bleiben und ausgebaut werden, wenn sie täglich angewandt werde, wenn Frauen entsprechend handeln – täglich.

Wie fragil die Errungenschaften seien, das zeige sich gerade in Krisensituationen, etwa während der Coronapandemie. Als Kitas und Schulen geschlossen wurden, Kinder zuhause bleiben mussten, habe das insbesondere Frauen betroffen, als Sorgearbeit angesagt war. Auch das betonte Plath: „Altersarmut ist nach wie vor weiblich“.

Für Verbesserungen für Frauen vor Ort will das „Überparteiliche Frauenbündnis im Landkreis Vechta“ sorgen. Die breitgefächerte Allianz stehe zwar am Anfang ihres Weges, hatte Brokamp zuvor gesagt, aber der Weg werde weiter in Richtung des Ziels führen, „Politik als Frauen und für Frauen zu machen. Wenn wir ihn gehen.“

Das nächste Treffen ist jedenfalls bereits in Planung. Es soll voraussichtlich am 12. Juli als Thekentalk zur Landtagswahl im Oktober stattfinden. Brokamp verriet schon einmal: „Das wird kein normales Frage-Antwort-Spiel“. Es gehe um eine „interaktive Redezeit“.

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