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Im Kopf eines Tyrannen: Putins Doktrin für Russland

Thema: Putins Krieg gegen die Ukraine – Der Feldzug des russischen Präsidenten erweist sich als politische Niederlage. Dennoch hält Putin an seiner Doktrin fest. Das hat einen guten Grund.

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Mit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine hat Präsident Wladimir Putin den Weg der Niederlage eingeschlagen. Denn nicht nur militärisch, sondern auch politisch verliert der Kreml-Chef immer mehr an Boden.

Mit der langfristig geplanten Invasion der Ost-Ukraine als Reaktion auf die Osterweiterung der Nato, hat der Tyrann aus Moskau eine Tür geöffnet, die er für längst geschlossen hielt: einen diplomatischen geostrategischen Siegesfeldzug des Westen. Schweden und Finnland, militärpolitisch neutrale Staaten, haben sich dem Pfad der Freiheit angeschlossen.

Nato geht in der Verteidigung nach vorne

Der baldige Nato-Beitritt ist auch zum Wohlsein des Baltikums, das fortan – im Fall der Fälle – viel einfacher verteidigt werden könnte. Die von Putin zusätzlich provozierte Osterweiterung der Nato wird bleiben, auch nach dem Ende des Krieges. Die Nato geht in der Verteidigung nach vorne. Die USA gibt Rückendeckung – solange US-Präsident Biden auch über das Jahr 2024 im Amt bleibt.

Das Zwischenfazit des russischen Kriegs gegen die Ukraine fällt also politisch schlecht aus. Warum also – und so viel Kalkül sei Wladimir Putin zugetraut – musste er am 24. Februar den Schritt ins Unumkehrbare wagen? Ein Erklärungsversuch.

Putins Ideologie für das Verständnis eines modernen, starken russischen Staats fußt – wie mehrere Experten schon formulierten – auf drei Säulen:

  • 1. einer Doktrin des alten Schlags für die Innenpolitik, geprägt von extremen Wertekonservativismus.
  • 2. der selbst erklärte "russische Weg", der allerdings auf eine Theorie gründet, die begeistert ist vom Slawentum und für die Zusammenarbeit mit Staaten wie Tschechien, Serbien oder Bulgarien zurzeit in weiter Ferne liegt.
  • 3. der wohl entscheidende Punkt: das Projekt der eurasischen Zukunft Russlands.

Die konservative Doktrin beinhaltet eine "demokratische Diktatur" mit einer Führungspersönlichkeit. Putin nutzt diese Ausrichtung beispielsweise, um die Behandlung Homosexueller zu rechtfertigen – ein Kompass für "Gutes" und "Schlechtes", der Tradition wahrt, gegen die Aufweichung der alteingesessenen Normen. Zusammengefasst: contra Modernismus.

"Als Kontrast zur Europäischen Union hat Putin Kasachstan und Weißrussland bereits an Bord des neuen Imperiums. Die Ukraine soll folgen."Max Meyer

Der "richtige" russische Weg besagt, dass Russlands Zukunft nicht als Teil des Westens, sondern als autonomer, von Religion, Tradition und sozialer Ordnung geprägter Staat zu verstehen ist. Europa ist das Fremde. Das Heimische ist die russische Zivilisation, die gemäß der Geschichte über die territorialen Grenzen hinausgeht. Daher folgten auch der Angriff auf Georgien (2008), die Annexion der Krim (2014) und nun der Krieg gegen die Ukraine (2022). Alles, um das zu vereinen, was ohnehin zu Russland gehören sollte.

Damit nicht genug: Die Zusammenführung des "russischen Volks" geschieht in Anlehnung an China und Indien. Das führt zu dem Begriff "eurasisches Imperium". Als Kontrast zur Europäischen Union hat Putin Kasachstan und Weißrussland bereits an Bord des neuen Imperiums. Die Ukraine soll folgen. Alles, um eine Konföderation zu gründen, die als Gegengewicht im globalen Markt zum atlantischen Bündnis steht. Ob das mit dem Rubel gelingt, ist fraglich. Imperialismus bedeutet eben nicht: Koste es, was es wolle. Außer man hat Druckmittel wie Gas. Knickt der Westen ein, rollt der Rubel für das "eurasische Imperium".

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