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Hotelbett statt Schlafkabine an der Autobahn

Trucker dürfen an Wochenenden nicht mehr im Lastwagen schlafen. Das sieht eine EU-Regelung vor. Die sei so nicht machbar, kritisiert Gewerkschaftsvorsitzender Willy Schnieders aus Emstek.

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Mach mal Pause: Die elf Stunden zwischen den Schichten dürfen im Lastwagen verbracht werden. Die wöchentliche Ruhezeit hingegen muss außerhalb stattfinden. Foto: Thomas Vorwerk

Mach mal Pause: Die elf Stunden zwischen den Schichten dürfen im Lastwagen verbracht werden. Die wöchentliche Ruhezeit hingegen muss außerhalb stattfinden. Foto: Thomas Vorwerk

Viele Anfragen bekommt Willy Schnieders in diesen Tagen von unterschiedlichen Stellen. Sie alle wollen vom Bundesvorsitzenden der Kraftfahrergewerkschaft wissen, wie er das von der EU verabschiedete Mobilitätspaket beurteilt. Unter anderem ist darin geregelt, dass Lkw-Fahrer ihre Wochenendruhezeit nicht mehr im Lastwagen verbringen dürfen. Alle bekommen das Gleiche zu hören: „Das, was jetzt verabschiedet wurde, ist so nicht umsetzbar“, sagt der Emsteker. Man merke, dass ausschließlich Theoretiker sich mit diesem Thema befasst haben.

Kapazitäten und Stellplätze werden angezweifelt

Die wöchentliche Ruhezeit, das ist die 45-stündige Pause, die ein Trucker nach sechs Arbeitstagen einlegen muss. Und diese Zeit ist nicht in der Fahrerkabine zu verbringen, sondern in einer ordentlichen Unterkunft. Das kann ein Hotel sein, aber auch eine Pension oder eine angemietete Wohnung. „Wo liegen denn die Hotels? Meistens in den Zentren, wo man mit einem Lkw nicht hinkommt und wo es auch keine Stellplätze gibt“, hadert Schnieders mit der Entscheidung. Außerdem bezweifelt er, dass es überhaupt genügend Kapazitäten gibt.

Das „Kabinenverbot“ ist darüber hinaus keine neue Erfindung und 2017 hat der Europäische Gerichtshof es in einem Urteil fixiert. Schnieders: „Es gibt aber nicht genügend Kontrollen. In anderen Ländern wird das strenger gehandhabt.“

Willy Schnieders ist Vorsitzender der Kraftfahrergewerkschaft. Foto: Thomas VorwerkWilly Schnieders ist Vorsitzender der Kraftfahrergewerkschaft. Foto: Thomas Vorwerk

Das Mobilitätspaket soll für bessere Arbeitsbedingungen für Lkw-Fahrer sorgen. Der Gewerkschaftsvorsitzende, der lange Jahre selber international gefahren ist, glaubt aber, dass zumindest für die wöchentliche Ruhezeit der Bedarf nach einem Hotelbett bei den Angestellten gar nicht gesehen wird. „Die Kosten für das Zimmer muss das Unternehmen zahlen. Im Lkw bekommen die Fahrer aber eine Sonderzulage, die dann wegfällt“, rechnet Schnieders vor. Zumal die modernen Zugmaschinen gut ausgestattet sind und Kühlschränke sowie Standklimaanlagen haben.

Für ihn sollte es ganz anders aussehen: Der Lkw sollte zu seinem Standort zurück und der Fahrer ist am Wochenende zu Hause. Ein System, das früher die Regel war, heute aber im internationalen Geschäft nicht zwangsläufig der Standard ist. Die neue EU-Regelung sieht da viel Spielraum. „Die Lkw sollen jetzt alle acht Wochen zurück in das Heimatland. Zudem müssen die Fahrer auch die Möglichkeit haben, alle vier Wochen in ihr Heimatland zurückzukehren, damit sie nicht die Zeit permanent im und am Lkw verbringen“, hat Jens Gieseke, verkehrspolitischer Sprecher der Unions-Gruppe im EU-Parlament, die Entscheidung der vergangenen Wochen kommentiert.

Fahrer werden mit Sammelbussen in die Heimat gefahren

Letzteres wird in der Praxis so umgesetzt, dass am späten Freitag Sammelbusse über die Autohöfe entlang der Autobahnen tingeln. Mit entsprechend vielen Stopps verläuft die Heimreise in die Ukraine. „Zu Hause angekommen, können sie schon fast wieder die Rückfahrt antreten.“ Besser wäre es, wenn sie eine Ladung in ihre Heimat transportieren würden.

Die Vorgaben gibt es, aber es haben sich tolerierte Grauzonen entwickelt. So wie es beispielsweise prinzipiell geregelt ist, dass Lkw-Fahrer nicht für die Entladung zuständig sind. Die Praxis sieht aber so aus, dass einige Discounter gar kein Personal für diese Arbeit bereithalten oder es sich als Service vergüten lassen. „Ich bin als Kapitän der Landstraße in den Lkw eingestiegen und habe das Führerhaus als Sklave wieder verlassen“, sagt Willy Schnieders, der seit 20 Jahren Vorsitzender der Kraftfahrergewerkschaft ist.

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