Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Holdorf sucht Wohnraum für Flüchtlinge und Obdachlose

Noch gibt es freie Plätze. Doch die Gemeinde will sich auf die sich abzeichnenden Engpässe vorbereiten. Sie schlägt fünf Standorte für Container-Lösungen vor. Was hält die Politik davon?

Artikel teilen:
Wo gibt es in Holdorf noch Wohnraum? Die Gemeinde sucht händeringend Platz für Flüchtlinge und Obdachlose. Foto: Böckmann

Wo gibt es in Holdorf noch Wohnraum? Die Gemeinde sucht händeringend Platz für Flüchtlinge und Obdachlose. Foto: Böckmann

Die aktuelle Flüchtlingssituation innerhalb und außerhalb Europas spitzt sich angesichts verschiedener Entwicklungen und Ereignisse zu, was auch die Kommunen im Landkreis Vechta spüren.  Denn sie  bekommen vom Landkreis Vechta wieder vermehrt Flüchtlinge zugewiesen.  Gleichzeitig ist der Wohnungsmarkt vielerorts leergefegt. Weil Wohnungseigentümer ihre Mieter nicht mehr wollen, oder weil sie Eigenbedarf anmelden. 

Welche Herausforderungen diese Entwicklungen für die Gemeinde Holdorf bringen, wie schwierig die Suche nach Wohnungen und Standorten sein kann, darüber diskutierte jetzt der Ausschuss für Gesellschaftliche Belange. Klar ist: Die Gemeinde Holdorf sucht händeringend Wohnraum für Flüchtlinge, Obdachlose und Bürger, deren Wohnung gekündigt wurde. 

Wie ist die aktuelle Situation in der Gemeinde Holdorf? Erstmals seit Jahren wird die Kommune wieder Flüchtlinge aufnehmen müssen. Das sind bis zum 30. September dieses Jahres 20 Personen. In den vergangenen Jahren war die Gemeinde durch die hohe Zahl der vorherigen Zuzüge nicht mehr von Neuzuweisungen betroffen, berichtet Thomas Grünebaum aus dem Sozialamt. 

Holdorf sucht Wohnraum für zwei Großfamilien

Außerdem hat die Gemeinde zwei sogenannte Wiedereinweisungen für zwei Großfamilien wegen anstehender Zwangsräumungen verfügt. Diese sind rechtlich gesehen allerdings nur sechs bis zwölf Monate möglich, also keine Dauerlösung. Das heißt: Die Gemeinde Holdorf muss eine Unterbringung organisieren – und kann dem Eigentümer die Wohnung nicht mehr vorenthalten. 

„Es steht zu erwarten, dass immer mehr Familien der Wohnraum gekündigt wird“, sagt Holdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug. Aktuell besitzt die Gemeinde Holdorf acht Immobilien (sechs im Eigentum, zwei sind angemietet). Von den verfügbaren 64 Plätzen sind zurzeit 36 Plätze belegt. Es sind also noch Kapazitäten vorhanden. Doch die Gemeinde Holdorf will perspektivisch denken. "Wir können nicht direkt Container aufstellen", sagt Krug.

"Das ist keine fertige Liste, sondern nur ein Ideenvorschlag."Dr. Wolfgang Krug, Bürgermeister

Deshalb hat die Verwaltung fünf Standorte ins Auge gefasst, auf denen sie Container aufstellen lassen könnte. Das sind in Holdorf an der Große Eschstraße die Fläche Honkomp und die Fläche vor dem Fußballplatz 5, dazu die Neuenkirchener Straße 9. In Langenberg sind Container-Lösungen am Steinfelder Damm auf der Fläche neben dem Haus Nummer 29 und auf der Talstraße 5 denkbar. Wohl auch mit Blick auf einige Besucher in der Sitzung, sagte Bürgermeister Krug:  "Das ist keine fertige Liste, sondern ein Ideenvorschlag und ein Diskussionsvorstoß." Es müssten, wenn, dann ohnehin erst noch Bauanträge gestellt werden.

Diskutiert wurde über das Thema dann ausführlich. Anja Schlarmann (IGeHo) fand, "dass alle Flächen irgendwie ihre Tücken haben". Sie verwies auf andere Kommunen, die mit Containern, die wie Massenunterkünfte wirkten, keine guten Erfahrungen gemacht hätten. Sie plädiert für Wohnungen als Unterkünfte, wie zum Beispiel beim aktuellen und bald alten Feuerwehrhaus in Holdorf. Auch Carsten Völkerding (CDU) sprach sich gegen Container-Lösungen aus, die Außenwirkung sei schlecht. Wenn, dann sollte man über Holzmodule nachdenken.

Olberding (SPD) für Wohnungsbau, Echtermann (CDU) dagegen

In dasselbe Horn blies auch Inge Olberding (SPD). Sie findet die Kosten für Container zu hoch und auch nicht nachhaltig. Die Gemeinde müsse langfristig denken. Es sei sinnvoller, etwas zu bauen. "Es geht ja nicht nur um Flüchtlinge. Sondern um Menschen, die wohnungslos werden und bleiben." Die Gemeinde müsste sich notfalls den Luxus leisten und dauerhaft Wohnungen vorenthalten. 

Hendrik Echtermann (CDU) hält es dagegen "für sehr unglücklich", wenn die Gemeinde als eigener Bauherr auftrete, um Wohnraum für Flüchtlinge oder Obdachlose zu schaffen. "Das müssen wir uns zehn Mal überlegen." Der Wohnungsmarkt sei jetzt schon völlig überzeichnet und überteuert. Die Gemengelage sei schwierig. Stattdessen solle die Gemeinde weiterhin der Gesellschaft für Wohnungsbau (Gewobau) Vechta als gutem Partner vertrauen, betonte Hendrik Echtermann.

Dessen Vater Bernard Echtermann hielt eine längere, emotionale Rede. Der Heimatvereinsvorsitzende erinnerte an seine Zeit als Ratsherr. Wohnraum für Flüchtlinge zu schaffen, sei ein äußerst sensibles Thema, das man sachlich angehen müsse. Es habe in den 1990er Jahren massive Widerstände der Bevölkerung bei der Frage nach Wohnraum gegeben. Bernard Echtermann mahnte daher, die Holdorfer bei der Integration der Geflüchteten mitzunehmen. Er wollte nicht als Lehrmeister auftreten, plädierte aber dafür, dass die Gemeinde Wohnraum vorhalte. Sollten Container die Lösung sein, dann sollten diese dezentral auf alle Ortsteile verteilt werden. 

Verpassen Sie nichts von der Landtagswahl in Niedersachsen am Sonntag. Wer regiert in den nächsten 5 Jahren? Wer zieht in den Landtag in Hannover ein?  Alle Ergebnisse aus allen Wahlkreisen und den Städten und Gemeinden im OM finden Sie auf unserer Themenseite, inklusive Liveticker. 

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Holdorf sucht Wohnraum für Flüchtlinge und Obdachlose - OM online