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Holdorf gegen den ökologischen Sündenfall "Schottergarten"

Immer öfter gestalten auch Holdorfer ihre Vorgärten als Schotterbeete. Im großflächigen Stil sind diese aber verboten. Die Gemeinde will nun Kontrollmöglichkeiten schaffen.

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Viel Stein, wenig Pflanze: Die Holdorfer Fraktionen wollen überlegen, wie der Trend gebremst werden kann. Symbolfoto: dpa

Viel Stein, wenig Pflanze: Die Holdorfer Fraktionen wollen überlegen, wie der Trend gebremst werden kann. Symbolfoto: dpa

Pflegeleicht soll er sein, der Vorgarten. Zwar müssen nicht-überbaute Grundstücksflächen streng genommen grüne Bereiche sein; so sieht es die Bauordnung des Landes vor. Dennoch werden immer mehr Schottergärten angelegt.

Weil es von den Steinwüsten mit einigen Gräsern in der Mitte auch in der Gemeinde Holdorf immer mehr Exemplare gibt, debattierten jetzt die Mitglieder des Planungs- und Umweltausschusses über das Thema. Erörtert wurden auch Kontrollmöglichkeiten, denn glücklich sind die Holdorfer Kommunalpolitiker über die Steinwüsten nicht. Genauere Vorschläge über den Umgang mit ihnen sollen nun in den Fraktionen ausgearbeitet werden. 

Angeregt hatte die Debatte  die CDU. Ihr Fraktionsvorsitzender Jan-Dierk Brand sagte dazu, dass in die Kaufverträge zukünftig aufgenommen werden könnte, wie eine Versiegelung auszusehen habe. Dadurch habe die Gemeinde Holdorf die aktuell fehlende Kontrollmöglichkeit. Diesen Vorschlag wiederholte Brand in der jüngsten Ausschusssitzung und stieß auf Zustimmung. 

Welche Kontrollmöglichkeiten hat die Gemeinde?

Seitens der Verwaltung kam die Idee auf, dass zur genaueren Konzeptentwicklung der "Arbeitskreis Ökologie" mit der Verwaltung und den Fraktionen einen Entwurf ausarbeiten soll. Zudem brachte Heiner Themann, der Allgemeine Vertreter des Bürgermeisters, eine mögliche Kaution bei Neuverträgen ins Spiel. Eine Kaution lehnten die meisten Mitglieder aber aus rechtlichen Bedenken schnell wieder ab. 

Aber es gab auch ganz andere Kritik an dem Vorhaben der CDU. Die SPD-Fraktion hinterfragte: "Wenn der Landkreis aus Personalgründen die Kontrollen nicht durchführen kann, wäre es denn überhaupt sichergestellt, dass die Gemeinde diese kann?" Dies müsse natürlich geprüft werden, teilte die Verwaltung mit. 

Experte nennt Gründe gegen Steinbeete

An der Ausschusssitzung nahm auch der Baumexperte Jürgen Braukmann teil. Ihn stören Schotterbeete sehr. Die hätten zu Unrecht den Ruf,  pflegeleicht zu sein. Selbst mit einem Vlies als Unterbau siedeln sich unerwünschte Pflanzen an.  Zum anderen seien die Beete schädlich für das gesamte Ökosystem. Der Baumexperte hat hier die Insektenwelt besonders im Blick.

Und noch ein Argument zählte Braukmann gegen den ökologischen Sündenfall auf: "Wenn es regnet, kann das Wasser im Normalfall im Boden versickern und von beispielsweise den Bäumen aufgenommen werden. Da bei den Kiesbeeten aber die gesamte Fläche versiegelt ist, kann das Wasser nicht mehr abfließen", erklärt Braukmann. Das provoziere vielfältige Folgeprobleme.

Laut niedersächsischer Bauordnung sind Schottergärten nicht gestattet. Das sei aber laut den Ausschussmitgliedern in Holdorf vielen Bürgern nicht bekannt. Die SPD-Fraktion fordert darum: "Wir brauchen mehr Aufklärung." Vorab zu informieren sei besser als hinterher zu bestrafen.

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