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Hoffnung auf etwas mehr Normalität

Niedersachsen will das kostenlose Freitesten für Innenstädte erproben. Bestenfalls kehrt ein wenig Leben ein in verlassene Einkaufsstraßen. Man kann nur hoffen, dass Vechta und Lohne dabei sind.

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Man kann nur hoffen, dass die Städte Vechta und Lohne die Chance erhalten, an den landesweiten Modellversuchen zur Öffnung von Innenstädten durch das kostenlose Freitesten von Bürgerinnen und Bürgern teilzunehmen. Es wäre ein Zeichen der Hoffnung auf etwas mehr Normalität für Geschäftsleute und Einwohner der benachbarten Mittelzentren.

In diesem Zusammenhang liegt die Frage nahe, ob sich nicht aus zwei Bewerbungen eine machen lässt. Könnte nicht ein tagesaktueller negativer Coronatest aus Lohne auch zu einem Besuch von Vechtaer Geschäften berechtigen und umgekehrt? Auf der Autofahrt über den Kreuzberg dürfte das Ansteckungsrisiko jedenfalls begrenzt sein. Vor diesem Hintergrund ist es bedauerlich, dass der Landesregierung offensichtlich der Mut fehlt, das massenhafte Freitesten von Innenstadtbesuchern nach dem "Tübinger Modell" probeweise gleich über einen ganzen Landkreis auszurollen.

Das Vechtaer Gesundheitsamt, das seit Monaten eine mehr als ordentliche Arbeit macht, wäre ein seriöser und belastbarer Kooperationspartner gewesen. Schließlich beweist das Saarland längst, dass es möglich ist, unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln Fitnessstudios, Kinos, Theater und auch Biergärten für Bürger mit tagesaktuellem Negativtest zu öffnen, ohne dass die Inzidenzen steigen.

"Der ganz große Spaß ist das nicht. Trotzdem lohnt sich der Versuch. Im Erfolgsfall kehrt ein wenig Leben ein in verlassene Einkaufsstraßen."Ulrich Suffner

Der niedersächsische Städte- und Gemeindebund hat in der aktuellen Diskussion zu Recht darauf hingewiesen, dass die Landesregierung in den nächsten Tagen bei der Auswahl der teilnehmenden Kommunen in der Verantwortung steht, ländliche Regionen angemessen zu beteiligen. Man darf gespannt sein, nach welchen Kriterien das Sozialministerium bestimmt, welche Stadt am Dienstag nach Ostern am Modellprojekt teilnehmen darf.

Es wäre unredlich, die Risiken zu verschweigen, die mit Lockerungen nach dem Tübinger Modell einhergehen. Laufen Projekte vor Ort aus dem Ruder – weil örtliche Behörden überfordert sind oder die Bürgerinnen und Bürger sich nicht an die Regeln halten – muss schnell und konsequent eingeschritten werden.

Es ist auch richtig, auf die Grenzen des Modells zu verweisen, um nicht falsche Hoffnungen zu wecken. Mal eben schnell Einkaufen gehen – das wird trotz oder gerade wegen der notwendigen Tests auch weiterhin nicht möglich sein. Glaubt man den Berichten in überörtlichen Tageszeitungen, stehen Tübinger schnell mal eine halbe bis eine Stunde in der Schlange, bis sie den Negativtest und damit die Eintrittskarte für Handel, Kultur- oder Bildungseinrichtungen in der Hand halten. Der ganz große Spaß ist das nicht. Trotzdem lohnt sich der Versuch. Im Erfolgsfall kehrt ein wenig Leben ein in verlassene Einkaufsstraßen. Immerhin.

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