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Halbzeit beim 9-Euro-Ticket: Umverteilen, dann klappt's auch mit der Verkehrswende

Thema: Halbzeit beim 9-Euro-Ticket – Das Sonderangebot für Bahn und Bus ist ein echter Türöffner für nachhaltige Mobilität und darf gerne dauerhaft fortbestehen.

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Anfang Juni wurde das 9-Euro-Ticket eingeführt, mit dem deutschlandweit alle Busse und Bahnen im Nah- und Regionalverkehr genutzt werden können. Ende August soll es schon wieder eingemottet werden. Jetzt ist Mitte Juli, Zeit für eine Halbzeit-Bilanz.

Zunächst eine Lagebeschreibung: Ja, viele Züge und Bahnsteige sind voll, an den Wochenenden mitunter sogar zum Bersten voll. Ja, nicht jeder angekündigte Zug kommt tatsächlich. Einige fallen aus, manche sind viel zu spät dran, wieder andere haben zu wenige Waggons. All das sorgt bisweilen für Chaos und Frust unter den Fahrgästen.

Ist das 9-Euro-Ticket demnach ein Flop? Nein. Denn es ist nicht ursächlich für dieses Tohuwabohu. Das waren die CSU-Verkehrsminister Ramsauer, Dobrindt und Scheuer, die auf den Straßen viel Geld verbrannt und parallel die Bahn und das Gleisnetz kaputt gespart haben.

Effekt: Spürbarer Rückgang im Straßenverkehr

Im Gegensatz dazu und zur Ölmulti-Finanzspritze namens Tankrabatt ist das ÖPNV-Sonderangebot vielmehr ein regelrechter Türöffner für die Verkehrswende. Das lässt sich mittlerweile auch mit Daten und Zahlen eindrucksvoll belegen. So sind nach Angaben des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen allein im Juni mehr als 21 Millionen 9-Euro-Tickets verkauft worden. Und diese Fahrscheine werden nicht nur für Wochenendausflüge, sondern auch im Berufsverkehr gerne und hinreichend genutzt.

Beweis: Im Juni 2022 lagen die bundesweiten Reisebewegungen im Schienenverkehr 42 Prozent höher als im Juni 2019, hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Parallel ist im Straßenverkehr ein spürbarer Rückgang verzeichnet worden. Gegenläufige Entwicklungen an Werktagen auf der Straße im Vergleich zur Schienen deuten darauf hin, dass Pendlerinnen und Pendler vom Straßen- zum Schienenverkehr gewechselt sind, heißt es weiter.

Klimapolitischer Aberwitz gehört abgeschafft

Also: Wenn es ein vernünftiges Angebot gibt (in diesem Fall preislicher Natur), sind viele Menschen offenbar bereit, ihr Auto häufiger stehen zu lassen, gegen Bus und Bahn zu tauschen, und dabei selbst Hindernisse wie Verspätungen und Platznot in Kauf zu nehmen. Von daher darf das 9-Euro-Ticket gerne über Ende August hinaus fortbestehen.

Aber kann sich der Staat eine dauerhafte Förderung überhaupt finanziell leisten? Natürlich kann er das. Geld ist reichlich vorhanden, es muss nur anders verteilt werden. Etwa, indem manch klimapolitischer Aberwitz wie niedrige Steuersätze für Dieseltreibstoff oder die Mehrwertsteuerbefreiung für internationale Flüge endlich abgeschafft wird. Also: Umverteilen, dann klappt's auch mit der Verkehrswende.

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