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Gut gemeint ist bei der Energiegewinnung nicht immer gut gemacht

Technologie für den Übergang: Trotz ihrer großen Gefahren könnte Atomenergie im Kampf gegen den Klimawandel sogar helfen.

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Als bis zu 15 Meter hohe Wellen vor zehn Jahren das japanische Atomkraftwerk Fukushima Daiichi überschwemmten und große Mengen atomarer Strahlung austraten, wurde die Welt erinnert: Kernkraft ist im schlimmsten Falle ungeheuer gefährlich.

Gleichwohl entschied die schwarz-gelbe Bundesregierung damals, den Atomausstieg in Deutschland zu beschleunigen. Das war wahltaktisch clever – aber falsch. Es wäre besser gewesen, wenn die Menschheit niemals gelernt hätte, die Kernspaltung für sich zu nutzen. Dass der Atommüll nämlich nach der Abschaltung der Kraftwerke für die unvorstellbare Dauer von einer Million Jahren sicher aufbewahrt werden muss, zeigt, dass die Folgekosten dieser Art von Energiegewinnung unverantwortbar hoch sind. Aber: Kernenergie und Atomabfall sind da, das ist einfach so.

Daher wäre es mit Blick auf die drängende Jahrhundertherausforderung der Klimaerwärmung bedenkenswert, auf die Kernkraft als Technologie für den Übergang zu setzen – und klimaschädliche Kohlekraftwerke schnellstmöglich vom Netz zu nehmen. Denn bei der Klimafrage kommt es auf jedes einzelne Jahr an – beim strahlenden Atommüll hingegen ist das Kind bereits tief in den Brunnen gefallen.

"Weil Deutschland statt auf Pragmatismus auf Ideologie setzt, werden wir künftig Strom importieren müssen."Philipp Ebert, Volontär

In diesem Lichte spricht mittlerweile einiges für die vorübergehende weitere Nutzung der Kernenergie: Atomkraftwerke einer neuen Generation produzieren viel weniger Abfall als die deutschen Meiler. Zudem kann ihre Leistung nach Belieben herauf- und heruntergefahren werden.

Diese Flexibilität wird gerade bei der zunehmenden Nutzung von Sonnen- und Windenergie gebraucht. Denn das Stromaufkommen kann hier durch wechselndes Wetter stark schwanken. Zum Ausgleich braucht es eine flexible Energiequelle: Gas, Kohle – oder Atom. Ein weiterer Vorteil: Atomstrom kann näher an den Verbrauchern hergestellt werden, weit weniger große Überlandleitungen werden gebraucht. Viele Länder setzen deshalb gerade zum Schutze des Klimas auf den Atomstrom.

Doch weil Deutschland statt auf Pragmatismus auf Ideologie setzt, werden wir künftig Strom importieren müssen – dreckigen Kohlestrom aus Polen und Atomstrom aus Frankreich.

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