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Grüne Jugend Vechta diskutiert mit Volker Bajus

Der sozialpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion Niedersachsens stellte sich den Fragen der Nachwuchspolitiker. Dabei geht er mit der Sozialpolitik des Bundes hart ins Gericht.

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Politisch motiviert: Bundestagskandidatin Tanja Meyer, Kreistagskandidat Lars Heseding, Vorsitzender der Grünen Jugend, Johannes Babilon, Jana Wittke, Kyra Funke, Schriftführer Dennis Hartker, Stadtratskandidat Bernhard Schwarting, Kreistagskandidat Jonas Heyng,  Jan Seeger, Kreistagskandidat Antonius Meyer, Volker Bajus aus dem Landtag, Stadtratskandidatin Ilke Middelbeck und Felix Oevermann. Foto: E. Wenzel

Politisch motiviert: Bundestagskandidatin Tanja Meyer, Kreistagskandidat Lars Heseding, Vorsitzender der Grünen Jugend, Johannes Babilon, Jana Wittke, Kyra Funke, Schriftführer Dennis Hartker, Stadtratskandidat Bernhard Schwarting, Kreistagskandidat Jonas Heyng,  Jan Seeger, Kreistagskandidat Antonius Meyer, Volker Bajus aus dem Landtag, Stadtratskandidatin Ilke Middelbeck und Felix Oevermann. Foto: E. Wenzel

Am Donnerstagabend empfing die Grüne Jugend Vechta einen Gast aus Hannover. Bei einer offenen Veranstaltung im Charivari Vechta wurde der sozialpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion Niedersachsens, Volker Bajus, begrüßt. Moderiert vom Vorsitzenden der Grünen Jugend, Johannes Babilon, diskutierten die Anwesenden über die Themen Soziales und Jugend. Anlass war die Frage nach den Folgen durch die Corona-Pandemie.

Schon im April hatten die Grünen eine Podiumsdiskussion zu dem Thema Bildung und Schulen abgehalten. Babilon betont: "Das ist ein breites und wichtiges Thema." Bajus sah das ähnlich: Kinderrechte lägen ihm besonders am Herzen. Er freue sich, die rege Diskussion zu dem Thema fortzuführen.

Gehör verschaffen sich auch die Studierenden am Tisch

Eines der beherrschenden Themen war der Bereich Schule. Bajus kritisierte, dass vieles verpasst worden sei – besonders in Sachen Homeschooling. Er sagt: "Für manche war das eine neue Chance, für die meisten eine Katastrophe." Die Politik müsse bei den Aufholprogrammen darauf achten, dass nicht nur der Lernstoff, sondern auch die sozialen Kompetenzen gefördert würden. Generell kritisierte er das "Aktionsprogramm Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche" des Bundes. Mit 2 Milliarden Euro sollen die Schulen und soziale Projekte gefördert werden. Die Länder steuern rund 1 Milliarde Euro bei - für den Grünen-Politiker "zu wenig".

Gehör verschafften sich auch die Studierenden am Tisch. Dennis Hartker von der Grünen Jugend berichtete, "vieles ist online ein großes Fiasko gewesen". Problem sei, dass die Studentinnen und Studenten seit dem Beginn der Pandemie rein digital arbeiten müssten. Hartker stichelt: "Würde das in einer Firma passieren, wie viel Schaden würde das anrichten?" Die Co-Vorsitzende der Grünen Jugend, Ilke Middelbeck, hat das Gefühl, Studierende würden bei sämtlichen Diskussionen ausgelassen. Dasselbe Gefühl hätten aber auch die Auszubildenden, so Lars Heseding. Er ist Automatisierungstechniker und ihm sei aufgefallen, dass viele Ausbildungsplätze nicht vergeben worden seien. Praktika und Jobbörsen fänden nicht statt, die Betriebe lernten Interessierte kaum kennen. 

Volker Bajus stimmte dem Parteinachwuchs zu. Die Politik habe "abschlussorientiert" gehandelt. Diesbezüglich kritisierte er auch den Landtag. Die Schüler seien nicht ausreichend miteinbezogen worden, obwohl es mehrfach eingefordert worden sei. Im Herbst solle der Austausch zwischen Landtag und Schülervertretern nachgeholt werden. "Das Beste an Corona ist, dass es Defizite aufgezeigt hat", findet der aus Osnabrück stammende Landespolitiker: "Deutschland hat sich lange auf seinem Status als Land der Ingenieure ausgeruht", in den vergangenen 2 Jahren habe sich aber gezeigt: "Das sind wir nicht." Die Menschen auf dem Land dürften beispielsweise bei dem Ausbau digitaler Infrastruktur nicht abgehängt werden.

Kommunikation zwischen Generationen müsse verbessert werden

Einig waren sich alle Teilnehmer der Diskussionsrunde, dass Digitalisierung "auch eine soziale Frage" sei. Durch Corona hätten sich die sozialen Gräben weiter vertieft. Ein Fünftel der Kinder in Deutschland lebe statistisch gesehen in Armut. Hinzu kämen alte Menschen oder Menschen mit Behinderung. Um sozial Benachteiligte nicht abzuhängen, sollten laut Bajus digitale Kompetenzen und Partizipation Teil des Lehrplans werden – und das schon ab der Kita.

Thematisiert wurde auch das gesellschaftliche und politische Engagement junger Menschen. "Wir haben eine Generation, die sich sehr verantwortlich gezeigt hat", meint der Grünen-Politiker. In den seltensten Fällen seien Kinder und Jugendliche für die großen Corona-Ausbrüche verantwortlich gewesen. Trotzdem sei die Generation lange Zeit nicht ernst genommen worden.

Einen Grund für den schlechten Austausch sieht er im heutigen, veränderten Medienkonsumverhalten begründet. "Unsere Generation kennt noch das mediale Lagerfeuer. Da bist du morgens zur Arbeit gegangen und alle haben dasselbe gesehen. Es gibt das Lagerfeuer, wo alle zusammenkommen, nicht mehr." Bajus sprach sich dafür aus, die Kommunikation zwischen den Generationen zu verbessern: "Wir müssen uns weiterhin treffen können, um Zusammenhalt herzustellen."

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