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Grüne debattieren: Wie soll die Mobilität in der Region künftig aussehen?

Klimaschutz ist ein drängendes Thema. Seit Parteigründung beschäftigen sich die Grünen damit. Für den Landtagskandidaten Stephan Christ spielt die Mobilität der Zukunft eine große Rolle.

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Nicht nur abwarten und Tee trinken, sondern auch handeln: Grünen-Landtagskandidat Stephan Christ und die Bundestagsabgeordnete Swantje Henrike Michaelsen machen sich Gedanken über die Mobilität der Zukunft. Foto: Dickerhoff

Nicht nur abwarten und Tee trinken, sondern auch handeln: Grünen-Landtagskandidat Stephan Christ und die Bundestagsabgeordnete Swantje Henrike Michaelsen machen sich Gedanken über die Mobilität der Zukunft. Foto: Dickerhoff

Beim Gespräch mit dem Grünen-Landtagskandidaten für Cloppenburg, Stephan Christ, soll es um Verkehrspolitik gehen. Ein Thema, das sich Christ für den Wahlkampf auf die Fahnen geschrieben hat. Unterstützung bekommt er dabei von der Bundestagsabgeordneten Swantje Henrike Michaelsen. Sie sitzt für die Grünen im Verkehrsausschuss. Und ist scheinbar eine Politikerin, die Probleme der "normalen" Bevölkerung kennt, wird schnell klar. Denn sie reist mit dem Zug aus Hannover an – mit einer Stunde Verspätung. 

Aufregen möchte sich die Politikerin über das Phänomen aber nicht. "Bei der Bahn regen sich immer alle auf, wenn es später wird. Aber im Stau stehen, das ist ganz normal", so Michaelsen. Und damit ist das Thema "Auto" auch schon aufgenommen. Seit den 80ern habe sich die Zahl der Pkw in Deutschland verdoppelt. Und so wurde aus Sicht der Grünen auch zu viel Platz für Autos eingeräumt, wenn es um Verkehr ging. Alternativen wurden zu oft als nebensächlich angesehen. "Dieses Modell können wir uns nicht mehr erlauben", mahnt Stephan Christ. 

Er kennt die Situation vor Ort, ist selbstständig mit dem Rad in Cloppenburg unterwegs. Und dabei fallen ihm einige Dinge auf, die besser gemacht werden müssten. Zum Beispiel bei den Radwegen. Diese würden zwar zunehmend in der Stadt ausgebaut, oft aber einfach auf die bestehenden Straßen eingezeichnet. "Etwas Farbe sorgt aber noch lange nicht für einen vernünftigen Radweg", meint der Landtagskandidat. Denn die Frage der Sicherheit müsse immer mitspielen, beispielsweise durch Poller, die den Weg von den Autos trennen. "Ein guter Radweg ist der, auf dem man sein 10-jähriges Kind bedenkenlos fahren lassen würde", definiert Michaelsen.

Zu viele Kurzstrecken werden mit dem Auto zurückgelegt

Beide sind sich einig, dass Autos nicht grundsätzlich verbannt gehören. Es gebe immer Situationen und Fälle, in denen es ohne den motorisierten Individualverkehr nicht gehe. Davon aber auf die Allgemeinheit zu schließen, das sei ihrer Meinung nach nicht zielführend. Viele Strecken, die mit dem Auto zurückgelegt werden, sind nur gut 2 Kilometer lang und könnten locker mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, moniert Michaelsen. "Da müssen wir uns fragen, wie Dinge wie Nasswerden oder Schwitzen im Verhältnis zum Klimaschutz stehen."

Weniger Autoverkehr ist also das erklärte Ziel. Das setzt aber auch Alternativen voraus. 83 Prozent der Deutschen lebten maximal 5 Kilometer von einem Bahnhof entfernt. Jetzt gehe es darum, dafür zu sorgen, dass dort auch regelmäßig Züge fahren, vor allem im ländlichen Raum. Auch Busse beziehungsweise Schnellbusse sollten für ein dichteres Verkehrsnetz sorgen. Dabei sollte auch über die einzelnen Verbundsgrenzen hinausgedacht werden. Hier sieht Stephan Christ die Politik auf Bundes- und Kommunalebene, aber auch gerade die Landespolitik in der Pflicht: "Verkehrspolitik ist nicht 'nice to have', sondern muss gewährleistet werden."

9-Euro-Ticket als Erfolgsgeschichte

Das 9-Euro-Ticket sei auf jeden Fall ein Erfolg gewesen, herrscht bei Christ und Michaelsen Einigkeit. Natürlich sei das nun auslaufende Projekt ein Zuschussgeschäft gewesen. Das gelte aber immer für den Öffentlichen Nahverkehr. "Für Autos investiert der Staat auch jährlich Milliarden. Das ist auch nicht wirtschaftlich", argumentiert die Bundestagsabgeordnete. Durch das 9-Euro-Ticket sei Entlastung für Pendler geschaffen worden. Es habe aber Menschen auch Möglichkeiten aufgezeigt, die sonst nicht Bahn gefahren sind. Und auch Probleme im ÖPNV sind aufgefallen. Das sei gut, so Michaelsen. Dadurch würde die Diskussion darüber in die Öffentlichkeit rücken. Einem Irrglauben dürfe die Politik aber nicht aufsitzen, sagt Stephan Christ: "Günstige Preise allein machen den Nahverkehr nicht attraktiv."

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