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Gläsern bis in den Tod

Thema: Die elektronische Patientenakte kommt - Auch wenn die Anwendung freiwillig ist - Daten sind selten bis nie sicher. Die Politik muss Abhilfe schaffen.

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Immer wieder rühmen sich Behörden, Banken oder marktbeherrschende Technologieunternehmen wie Amazon und Facebook damit, dass ihre Online-Systeme sicher seien. Die Realität sieht allerdings anders aus – überall und unaufhörlich. Daher sollte klar sein: Wirklich gut behütet sind die eigenen Daten in der digitalen Welt selten bis nie.

Und dennoch gibt es Debatten, die trotz dieses Wissens mit einer Ignoranz und Vehemenz geführt werden, die jeden Datenschützer erschüttern.

Etwa die elektronische Patientenakte: Die gesetzlichen Krankenkassen sind verpflichtet, sie ab Januar 2021 ihren Versicherten anzubieten. Ob Laborergebnisse, Röntgenbilder oder Medikamentenpläne: Alles soll darin gespeichert werden. Sicher: Die Anwendung ist freiwillig, selbstverständlich sollen die Patientinnen und Patienten die Hoheit über ihre Daten behalten. In dem Sinne sieht das Gesetz auch vor, dass für jedes Dokument einzeln festgelegt werden kann, wer darauf Zugriff hat. Dieses Recht wird - Stand jetzt - aber erst 2022 eingeräumt. Heißt: Ein Jahr lang können sämtliche Ärzte, Apotheken und Therapeuten alles einsehen - warum auch immer.

Ohne Not werden hier also viele Einfallstore für Datenkraken und Kriminelle geschaffen. Das muss Widerstand erzeugen, tut es auch. Etwa vom Bundesdatenschutzbeauftragten, der den Krankenkassen vorschreiben könnte, entsprechende Warnungen zu veröffentlichen. Denn: Hier geht es um die sensibelsten Daten eines Menschen, die nicht nach dem Motto "Gläsern bis in den Tod" auf dem Silbertablett präsentiert werden dürfen.

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